Nefret nahm die verängstigt Zitternde in den Arm. Einem Säugling gleich, barg die Unglückliche sogleich das Gesicht am Busen der Ägypterin. Schluchzend suchte sie dort eine Geborgenheit, die ihr die Hetäre nur bedingt bieten konnte. Aber Nefret gab sich alle Mühe, und kraulte der verwirrten Leidensgenossin instinktiv durchs blonde Haar.
Der Kapitän stellte drei üble Gesellen zur Bewachung ab. Natürlich murrten die Kerle. Denn seit Wochen waren sie auf See, und wollten endlich einmal wieder festen Boden unter den Füßen spüren. Auch verlangte es sie nach anständigem Wein und willigen Weibern, die man in den Hafenspilunken zu genüge fand. Doch ihre Laune besserte sich schlagartig, als der Kapitän ihnen ein Fäßchen von seinem Besten, und dazu noch die kostbare ägyptische Luxuskatze zur freien Verfügung überließ.
„Ihr dürft euch mit ihr amüsieren. Aber wehe, ihr krümmt dem wertvollen Hürchen auch nur ein Haar“, ...warnte der Anführer seine Leute mit der Geste des Halsabschneidens.
„Sie ist pures Gold wert. Ich will keinen Kratzer sehen, wenn ich zurück komme!“
Der Anführer hatte seinen Spaß gehabt. Jetzt war Nefret nur noch eine kostbare Wahre, die es bestmöglich zu vermarkten galt...
Die Wächter schworen Gehorsam. Sie wussten nur zu gut, was mit ihren drei Spießgesellen geschehen war, die Nefret vor dem Kapitän gefunden hatten.
Die Gefangenen Mädchen wurden unter Deck geschafft. Mütterlich half Nefret der Geschwächten dabei, die steile Treppe zu bewältigen. Die Aufpasser dachten nicht einmal daran, ihr behilflich zu sein. Im Gegenteil, sie spornten zur Eile. Denn sie hatten einen lüsternen Blick auf die schöne Pflegerin geworfen. Eiligst wollten sie von der ungewohnten Großzügigkeit des Kommandanten profitieren.
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