Die Ärmste war wirklich schlimm zugerichtet. Sie würde wohl Narben auf Haut und Seele zurückbehalten; ...wenn sie überhaupt überlebte. Der Blick der Patientin war jedenfalls schon in fremde Welten gerichtet. Ihre stahlblauen Augen schwammen in Tränen, als die Pflegerin sie auf die Stirn küsste.
Aber Nefret kämpfte ausdauernd und geduldig um ihre Gefährtin. Am zweiten Tag ließ sie sich schon wieder füttern. Am dritten Tag versuchte sie sogar erstmals wieder zu sprechen. Zwar fiel es Nefret schwer, ihren schluchzenden Worten zu folgen. Doch immerhin verstand sie ihren Namen:
„Claudia“, hieß die Unglückliche also. Und sie entstammte vornehmstem römischen Adelsgeblüt. Sie war die Tochter eines Römischen Senators, ...und frisch vermählt mit dem römischen Ritter und Großreeder Remulus Ariex.
Dabei hatte Claudia ihn doch angefleht, nicht so weit aufs offene Meer hinaus zu fahren. Schließlich waren sie ja ohne Geleitschutz unterwegs. Doch Remulus hatte nur altklug gelacht und ihr versichert, dass kein Pirat es wagen würde, ein römisches Schiff anzugreifen.
Ein tödlicher Irrtum. Jetzt lag der römische Ritter samt Jacht und Übermut auf dem Meeresgrund. Ihm tat nichts mehr weh. Doch sein schönes, junges Weib lag geschändet in den Armen einer ägyptischen Hure, ...und erwartete im Bauch eines übel riechenden Piratenschiffes den Tot, ...oder die demütigende Sklaverei in fremden Landen. ...Armer, dummer Remulus...
...Dem Knochenmann, wollte Nefret ihre Schutzbefohlene jedoch keinesfalls überlassen. Auch wenn sich die gedemütigte Römerin gern in seine kalten Arme geworfen hätte. Aber die Hetäre gab nicht auf. Am fünften Tage war Claudia wenigstens so weit, dass sie erste Hoffnung schöpfte. Gewiss würde ihr Vater nach ihr suchen lassen...
Dieser Gedanke gab der Blonden Kraft. Auch die verloren geglaubte Schönheit, begann langsam wieder aufzublühen. Wenn auch noch etwas angeschlagen, so brauchte die schlanke Vollbusige doch schon bald keine Konkurrenz mehr zu fürchten. Jedenfalls nicht auf dieser Insel (von ihrer Pflegerin einmal abgesehen) Claudias zarten Lippen versuchten sogar schon wieder schüchtern ein erstes Lächeln…
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.