Im Gartenhäuschen

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Im Gartenhäuschen

Im Gartenhäuschen

Anita Isiris

Was Jan zusätzlich triggerte, war die Geschichte um Martin, den Schornsteinfeger und Sereina, sein Weibchen. Sie hielt sich ausgesprochen bedeckt, auf seine Frage hin, ob sie beide schon etwas gehabt hatten zusammen. Ob der Schorni mit Sereinas Privatkamin bereits gefiedelt hatte. Sie schmunzelte nur und sagte, dass auch offene Beziehungen von kleinen Geheimnissen lebten. In den vorangehenden Nächten war dem geilen Jan nichts anderes übrig geblieben, als sich unter der Dusche einen herunterzuholen.  Sich dabei vorstellend, wie der Schorni sich seiner Kleider entledigte. Sereina ihren Nachtanzug abstreifte, sich über den Badewannenrand bückte und sich bis zur Besinnungslosigkeit vom kräftigen rothaarigen Mann stoßen ließ. Aber warum auch nicht? Es kam im Grunde gar nicht darauf an, ob diese Episode stattgefunden hatte oder nicht. Jan war bereit, seine Frau anderen Männern preiszugeben, um sich im Gegenzug anderen Frauen zu öffnen. Zum Beispiel Berenice, der Nachbarin. Sereina war an jenem Nachmittag mit drei Freundinnen verabredet. Jan erkannte die Chance auf Terra incognita, die Chance auf Berenice. Geräuschvoll stellte er sein Bierglas hin, stand auf, durchquerte den Garten und betrat das Gartenhäuschen, das über zwei Eingänge verfügte. Einer befand sich auf der Seite des Sereina-Jan-Pärchens, der andere auf der Seite des Berenice-Rainer-Pärchens. Was Jan nicht ahnen konnte: Rainer war von einem Tag auf den andern arbeitslos geworden und saß auf seiner Terrasse, verdeckt von ein paar Reben. In ihm tobten Gefühle unterschiedlichster Art. Einerseits war da die Enttäuschung, nicht mehr am Erwerbsleben partizipieren zu dürfen, und das mit knapp 40 Jahren. Andererseits war da eine innere Entfremdung von seiner geliebten Berenice, die ganz offensichtlich nach etwas anderem verlangte, sexuell gesprochen, als nach dem, was Rainer ihr bieten konnte.

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