Im Haus der Tante

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Im Haus der Tante

Im Haus der Tante

Yupag Chinasky

Doch dann hört er plötzlich auf zu fotografieren. Nicht, dass er keine Lust mehr hätte oder dass die beiden keine Ideen mehr hätten; nein, der Grund ist ganz banal: Die Speicherkarte ist voll, und er hat keinen Ersatz dabei. Sie trinken gemeinsam das letzte Bier, und die Dünne meint, es wäre besser, jetzt zu gehen – denn bald käme die Tante, und sie würde bestimmt seltsame Fragen stellen.

Zum Aufräumen haben sie keine Lust; die Küche bleibt ungeputzt, die Kleidung liegt verstreut auf dem Fußboden. Die Dünne erklärt sogar, die Tante solle ruhig denken, Einbrecher hätten das Haus heimgesucht. Sie kann offensichtlich die Tante nicht so gut leiden.

Doch als sie gerade das Haus verlassen wollen und fast schon auf der Straße stehen, kommt die Tante. Sie hat früher mit der Arbeit aufgehört – heute sei ihr Geburtstag, und sie habe Lust auf etwas Schönes –, so ihre Worte. Alle sind überrascht; die Dünne sagt verlegen, das nicht gewusst zu haben.

Die Tante ist auch überrascht, als sie den Zustand ihrer Wohnung sieht – diese Verwahrlosung. Die Dünne murmelt zwar eine Entschuldigung: Sie seien gerade dabei gewesen, etwas Essen zu kaufen, um die Tante wegen des Geburtstags zu überraschen; danach hätten sie auch aufgeräumt, es sähe nur so aus, weil sie die Wohnung putzen wollten. Die Tante glaubt kein Wort, ist aber auch nicht verärgert – sie hat sich immer gefreut, wenn sie Besuch bekam, und mehr noch, wenn ein so flotter Ausländer dabei war.

Er wird etwas verlegen, als er das hört; denn er findet die Tante auch ganz nett – eigentlich mehr als nett –, denn sie ist keineswegs zu alt: Sie ist sozusagen im besten Alter und durchaus attraktiv. Eine solche Frau betrachtet man mit Vergnügen, denn unter der Uniform, die sie als Politesse oder was auch immer sie ist tragen muss, sind zwar einige Pfunde – nicht zu wenige, aber auch keineswegs zu viel –, und sie sind immer dort, wo sie am besten wirken.

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