Im Niemandsland

Nach dem großen Sterben – Die Bruderschaft

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Reinhard Baer

Würde sie sich zusammenreißen? Ich blickte zu ihr herüber. Ich bemerkte an den roten Flecken an ihrem Hals, dass es heftig in ihr arbeitete, aber sie hielt durch. Tapfer blickte sie nach links auf den Sund, der in etwa einem Kilometer ins offene Meer überging, bemüht, das Schreckliche nicht zu detailliert zu sehen.

Dann ritten wir – ohne uns umzublicken – auf der ‚1‘ über Saunderstown und Narragansett nach Westen. Hinter Charlestown durchquerten wir die menschenleeren 2–4 Meilen Ödland bis zur Grenze. Wir nannten den wüsten Bereich die ‚Tote Zone‘. Konsequent war jedes Gebäude, in dem man sich verstecken oder gar übernachten konnte, abgebrannt worden. Landwirtschaft wurde auch nicht betrieben. Es sollte keinen Grund geben, sich in diesem Kontrollstreifen länger aufzuhalten. Auf dem Hinweg hatten wir das noch für einen Zufall gehalten, jetzt wussten wir es besser.

Dann kam der zweite Checkpoint. Erneut mussten wir unsere Handgelenke freilegen, um zu beweisen, dass wir nicht ‚property of big jack‘ waren. Die deprimierenden Szenen mit den Mädchen im Käfig versuchten wir erneut so gut es ging auszublenden. Kris zitterte erneut am ganzen Körper und ich hoffte inbrünstig, dass das Ganze nicht hier noch, so kurz vor der endgültigen Ausreise, eskalierte. Aber wie gesagt überwanden wir beide Sperranlagen letztendlich wohlbehalten und waren wieder in dem Gebiet, das vor der Katastrophe Connecticut genannt worden war. Nachdem wir auch die tote Zone jenseits der Grenze durchquert hatten, entspannten wir uns endlich etwas, wohl wissend, dass das Schwerste noch vor uns lag. Und ich tröstete Kris damit, dass wir die Frauen bald befreien würden. Ein vollmundiges Versprechen, das ich hoffentlich auch einlösen konnte!

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