Im Tunnel von Eupalinos

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Im Tunnel von Eupalinos

Im Tunnel von Eupalinos

Anita Isiris

Um diesem bedrohlichen Gefühl Einhalt zu gebieten, unterbrach er die Arbeit an seinem Werk, erinnerte Jana daran, dass nun Mittag war und verschloss die Farbtuben.

Nackt, wie sie war, stellte Jana sich vors unfertige Bild und erstarrte in Ehrfurcht. „Das bin ja... ich“, hauchte sie, „vielleicht wirklich für den Louvre geschaffen“. Das war zu viel für Elias. Er schmiegte sich von hinten an sein nacktes Modell und spürte die Wärme ihres Hinterns an seinen Lenden. „Du musst Dir Dein Mittagessen erst noch verdienen“, lachte Jana und kannte sich selbst überhaupt nicht mehr. Hatte sie da gerade eben einen Mann, den sie kaum kannte, zum Liebemachen aufgefordert? Aber es war zu spät. Zärtlich küsste Elia sie in der Halsbeuge und umschlang ihre empfindlichste Stelle, ihren Bauch. Dann sanken beide auf die Matratze, und es kann sein, dass der zarte Duft nach Ölfarbe und die Tatsache, dass sich Elias und Jana an einem ungewöhnlichen Ort befanden, das Ihrige beitrugen. Jedenfalls versank das Paar in einem Orkan von leidenschaftlichem Sex, und wenn Jana auf Elias ritt, wirkten ihre Bewegungen so, als beherrschte sie die Weltmeere. Sie machten beide weiter bis zur Besinnungslosigkeit und hätten nicht zu sagen vermocht, ob die kochenden Hormone daran schuld waren oder der tiefe Glucosespiegel, der ultimativ nach einem Mittagessen, Tsatziki oder so, rief. Ein letztes Mal küsste Elias sein Modell innig, dann bot er ihr einen Kübel mit frischem Wasser an. „Du hast aber auch wirklich an alles gedacht... wusstest Du denn, wie weit wir gehen?“, fragte Jana ihn mit sibyllinischem Lächeln. Elias antwortete nicht und lächelte sibyllinisch zurück.
Wenig später machten sich die beiden gemeinsam auf den Weg zur Taverne, wo sie vor Stunden bereits ihren Kaffee und ihr Brioche zu sich genommen hatten.

Da erstarrte Jana. Mit breitem Grinsen begrüsste sie ihr Göttergatte, an einem 6er Tisch sitzend, umgeben von seinen Bocciafreunden. „Wir sind fürs Erste durch“, lachte er. „Nach dem Mittagessen gehts weiter, nicht war, Jungs? - Und Du so?“

Jana hatte die Frage erwartet. „Elias ist ein Touristenführer“, sagte sie tonlos. „Er hat mir den Tunnel von Eupalinos gezeigt.“

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Der Tunnel von ...

schreibt Huldreich

Liebe Anita Isiris! Wie immer, hinreißend und mitnehmend diese Geschichte, vielen Dank und liebe Grüsse Huldreich

Gedichte auf den Leib geschrieben