Als er wieder aufblickte, war Jana verschwunden.
Endlich konnte Elias seine Arbeit niederlegen, und er rechnete im Kopf nach, ob sein spärliches Geld für Souvlaki in einer der Tavernen reichen würde. Die Zahl, die in seinem Kopf blinkte, leuchtete positiv und verführerisch, so dass sich Elias auf den Weg in sein einfaches Zimmer über dem Fischmarkt machte, dass ständig in einen Meer- und Muschelgeruch gehüllt war, und sich den Strassenstaub vom Körper duschte. Elias war, was seinen Körper anging, keineswegs von schlechten Eltern, seine beiden Schwestern ebenfalls nicht, und seine Mutter war als junge Frau eines der schönsten Wesen gewesen, das Zeus' und Heras' Erdboden je betreten hatte – bevor sie dann mit nur 40 Jahren aufgrund einer Lungenentzündung dahingerafft worden war. Elias konnte nicht anders und spielte ein wenig an seinem eindrücklichen Gemächt herum, in Gedanken ganz bei der Frau, die ihm am Flughafen die Sinne geraubt hatte.
Dann machte er sich gut gelaunt auf den Weg und freute sich über die Dinge, die da kommen sollten. Kretsia, die Tochter des Tavernenwirts, machte Elia seit länger Zeit schöne Augen, und es war ihr sogar gelungen, in Elias' Herz vorzudringen, aber nur fast. Kretsia hatte wunderschöne dunkle Augen, in denen sich ihre reine Seele spiegelte, und wenn sie eines ihrer weissen Kleider trug, kamen ihre runden Schultern auf schon fast künstlerische Weise zur Geltung. Elias hätte viel darum gegeben, sie eines Tages malen zu können, auf einem Felsvorsprung, in einem ihrer fliessenden Baumwollkleider. Aber er hatte sich nie getraut, Kretsia anzusprechen, und ihr Vater hatte für seine Tochter Besseres vor, als sie an einen Strassenarbeiter wie Elias zu vermählen.
Dann blieb Elias das Herz stehen. Am Nachbartisch erkannte er zuerst das Fusskettchen, der ihn bereits am Flughafen hypnotisiert hatte. Sein Blick glitt höher, und da sass sie, Jana, lachend einen Apérol Sprizz schwenkend.
Im Tunnel von Eupalinos
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Im Tunnel von Eupalinos
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Der Tunnel von ...
schreibt Huldreich