Im Tunnel von Eupalinos

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Im Tunnel von Eupalinos

Im Tunnel von Eupalinos

Anita Isiris

Für einen sehr kurzen Moment trafen sich ihre Blicke, und Elias vermeinte in diesem Sekundenbruchteil, ein tiefes Sehnen in Janas Augen festzustellen.

Gyros, Tzatziki, griechische Pasta, griechische Salate,der zarte Duft von Zitrone und Oliven, sonnengereiftes Gemüse, mediterrane Kräuter und Gewürze. Jana entschied sich für einen schlichten griechischen Salat, ihr Partner für ein Cordon Bleu. Schon nur wie Jana die Gabel zum Mund führte, dieser meditative Anblick versetzte Elias irgendwohin nach Arkadien, in eine Gegend, die dieser Welt entrückt ist, und im Geiste sah er die ahnungslos speisende Jana, nackt, eine Pinie umarmend und von ihm in lebendigen Hautfarben gemalt und kunstvoll ins Licht gesetzt. Spasseshalber würde er auf dem Bild ein paar Bienen um Jana herumschwirren lassen, die ihr selbstverständlich nichts taten. Aber Bienen, so dachte es sich Elias, gehören nun mal zu Arkadien, und ohne Bienen gäbe es keinen arkadischen Honig.

Die Zeit floss dahin, und irgendwann standen die Zeichen zum Aufbruch. Nun trafen sich die Blicke von Jana und Elias für mehrere Sekunden, und es bestand kein Zweifel, dass auch die Nordschönheit Feuer gefangen hatte, ein Feuer, das sie allerdings möglichst rasch zum Erlöschen bringen musste, denn Jana war verheiratet.

Als das Paar die Taverne verliess, blickte Elias Jana nach, so diskret es eben ging, und er nahm ihre wiegenden Hüften in sich auf. Er war allerdings viel zu poetisch veranlagt, um sich Janas Hintern in seiner prallen, verlockenden Form vorzustellen, sondern betrachtete sie, wie das bei vielen Künstlern so üblich ist, als Gesamtkunstwerk. Ein Gesamtkunstwerk mit einem Fusskettchen an der linken Fessel.

Die Tage zogen sich dahin, ein stahlblauer griechischer Himmel brachte die Insel zum Glühen und die vielen weissen Mäuerchen zum Glimmen, so, als hielte Zeus tatsächlich seine Zauberhand darüber, auf dass die Menschen, trotz eklatantem Wassermangel, glücklich seien und ein zufriedenes Leben fristeten.

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Der Tunnel von ...

schreibt Huldreich

Liebe Anita Isiris! Wie immer, hinreißend und mitnehmend diese Geschichte, vielen Dank und liebe Grüsse Huldreich

Gedichte auf den Leib geschrieben