Im Zug durch Französisch Guayana

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Im Zug durch Französisch Guayana

Im Zug durch Französisch Guayana

A. David

Der Bahnhofsvorsteher ließ von dem Mann ab. „Wie bitte?“

„Ich sagte: Es reicht jetzt“ wiederholte der Mann mit dem Hut.

„Der Nigger ist schwarz gefahren. Und ich habe ihn auf frischer Tat ertappt. Ich habe das Recht, ihn zu schlagen.“

„Etwas machen zu dürfen und etwas auch zu tun sind zwei Paar Schuhe.“

Der Farbige hatte sich aufgerappelt und verschwand schnell. Der Bahnhofsvorsteher wollte den Fliehenden festhalten, aber der Mann mit dem Hut trat ihm in den Weg.

„Was soll das, er entkommt, Niggerfreund.“

Der Mann holte ein Zwei-Franc-Stück aus der Hosentasche und warf es dem Beamten vor die Füße.

„Damit dürfte die Fahrt des Mannes bezahlt sein.“

Der Vorsteher hob die Münze auf, der Mann im Anzug drehte sich um. Aus den Augenwinkeln nahm er eine Bewegung war. Der Eisenbahner wollte ihn mit der Kelle schlagen. Der Mann wich geschickt aus, drehte sich. Es folgte ein zweiter Versuch des Vorstehers, den Mann im Leinenanzug zu treffen, aber der blockte den Schlag mit dem Unterarm ab und verpasste dem Beamten seinerseits einen Schlag in die Magengrube, der ihn zusammenknicken ließ. Dann verpasste er ihm noch einen Schwinger unter das linke Auge und der Mann fiel um wie ein nasser Sack. Alle Menschen auf dem Bahnsteig hatte die Szene beobachtet, niemand machte etwas.

Der Mann sah ein freies Abteil und ging darauf zu. Mit ihm steuerte eine Frau in einem leichten Sommerkleid ebenfalls auf das Abteil zu. Er hatte die Frau seit einiger Zeit auf dem Bahnsteig beobachtet. Sie trug zu dem Kleid einen Hut, dazu elegante Schuhe. Er hatte sich gewünscht, mit ihr zusammen in einem Abteil zu sitzen. Die Frau war nicht adelig, kam aber aus der oberen Mittelschicht, Handarbeit war sie nicht gewohnt. Sie hatte Mühe, ihren schweren Koffer zu bewegen.

Als sie auf gleicher Höhe waren fragte der Mann im Leinenanzug „Darf ich?“ und sie nickte dankbar. Er trug ihren Koffer, als würde er kaum etwas wiegen.

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