Im Solarium

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Im Solarium

Im Solarium

Anita Isiris

Sie legte sich in die Kabine und zog den Deckel zu. Auf 560'000 Bildschirmen wurde es schwarz,
aber nur einen kurzen Moment lang: Eine sündhaft teure Infrarot-Innenkamera trat in Funktion. Eiskalt richtete sie ihren geschickt getarnten Sucher zwischen Jasmines Schenkel, dorthin, wo die Kunst einer sorgfältigen, liebevollen Rasur zu bewundern war. Wohlige Wärme umgab Jasmine; sie schloss die Augen und spreizte entspannt die Beine. Mit weit aufgerissenen Augen sass auch Reiner, Jasmines Ex, vor seinem Monitor. Ganz zufällig war er hier vorbeigesurft, wirklich nur ganz zufällig. Erst hatte er ein wenig gechattet und darauf gewartet, dass sich der Rahmen auf dem Monitor („camera on,
downloading... please wait“) mit Farbe füllte. Und jetzt starrte er gemeinsam mit Mirko aus Norwegen, Tamino aus Tokyo, Jean-Pierre aus Südafrika und Fritz aus Adelboden auf Jasmines Schamlippen. Die Kamera zoomte. Das Geräusch war so leise, dass Jasmine davon nichts merkte. „Dieses Luder!“ Reiner stöhnte. So hatte sie sich ihm nie gezeigt. „Ich bin doch keine Pornostute“, hatte sie sich immer dann gewehrt, wenn er ihre Details erkunden wollte. Diese wunderbaren Fältelungen! Jasmines Venus gehörte einer staunenden, erigierten, biertrinkenden und atemlosen Welt. Ungläubig rieben sich 560'000 Männer die Augen. Wie schön diese Frau war, wie wunderschön! Mit der Steuertaste veränderten sie den Kamerawinkel, um mehr von der ahnungslos daliegenden Jasmine mitzubekommen. Diese Brüste! Diese kleinen, steifen, geilen Nippel! Gagarin aus der Ukraine griff in seine Pijamahose,
ebenso Imam aus Istanbul. Jasmine war zu viel für die beiden. Ohne voneinander zu wissen, rieben die Männer synchron ihre geschwollenen Penisse, betasteten ihre Hoden, drückten an der prall gefüllten Eichel herum. Jasmine hatte die Augen noch immer geschlossen. Wer über eine Standleitung verfügte, hatte ein fliessendes Bild und konnte sogar sehen, wie ihr Bauch sich hob und senkte, wer aber Opfer eines alten T-Online-Modems war, bekam nur ein Ruckeln mit. Die Farben waren auch nicht gerade das Gelbe vom Ei – Infrarot bleibt Infrarot. Aber Jasmine war ahnungslos. Das trieb die Meute in den Wahnsinn. Jasmine tastete mit ihrer linken Hand nach dem Bauchpiercing, dessen Metallteile etwas heiss wurden. Dann glitt die Hand nach unten. Würde sie etwa... 560'000 Männerhände betätigten die Steuertaste. Jetzt war Jasmines Muschi voll im Bild; der Autofokus tat den Rest. Jasmine zog die Beine an und begann sich ohne Hast zu streicheln. 559'999 Männer taten es ihr gleich. Nur Giorgio aus Dubai
nicht. Er war Eunuche. Dann begannen die Bildschirme zu glitzern. Jasmines Saft. Klar. Dafür hatten die Männer volles Verständnis. Wie entspannt sie wirkte! „Besorg es Dir doch, geile Fotze!“ Karl-Otto, Bundespolitiker, schlug beinahe mit dem Kopf auf seinem Monitor auf. Reiner, Jasmines Ex, raste vor Eifersucht. Hier war seine Jasmine zu sehen, seine künftige Frau, die sich hemmungslos mit der Online-Welt teilte.
Dann kam die Vielbestaunte und Begehrte zum Orgasmus – einsam in ihrer Solariumkoje. Ihr Körper verkrampfte sich und hatte keine Geheimnisse mehr.
560'000 Männer schliefen in jener Nacht nicht mit ihren Frauen. Sie nahmen Jasmine mit in ihre Träume und zogen sich die Bettdecke über den Kopf.

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