„wie lange ist es her, dass du zum letzten mal die heilige beichte abgelegt hast?“ während er diese ersten worte an sie richtete, fiel ihr sofort der wundervolle, herrlich maskuline duft auf, der den geistlichen umgab und assoziationen in ihr hervorrief, derer sie sich ob der besonderen umstände fast ein wenig schämte.„nun, pater, ich muss zugeben, dass ich noch niemals gebeichtet habe. genau genommen bin ich nicht einmal katholisch, möchte lediglich der mutter meines zukünftigen mannes eine freude machen. aus diesem grund weiß ich, um ganz ehrlich zu sein, auch nicht, was genau zu tun ist.“er lachte ein wenig und wendete sich ihr erneut zu. „keine angst, mein kind. die mutter kirche macht in dieser hinsicht keinerlei unterschiede. im gegenteil freue ich mich, dass du heute bei mir trost suchst. erzähl´ einfach, was dich bedrückt und gott wird dir seine gnade zuteil werden lassen.“seine tiefe, sonore stimme verwirrte sie fast noch ein wenig mehr als dieser betörende duft. zögernd begann sie zu sprechen, doch bereits nach kurzer zeit wich ihre anfängliche gehemmtheit, so dass sie diesem menschen schließlich dinge anvertraute, die sie bisher noch niemandem erzählt hatte. und wahrhaftig, mit jeder sekunde, mit jeder sündigen tat, die sie sich auf diese weise von der seele redete, fühlte sie sich freier, unbeschwerter.nachdem ihr gewissen schließlich erleichtert war, hielt sie inne, gespannt, was nun folgen würde. der priester beendete das ritual mit einigen lateinischen formeln, von denen sie lediglich den letzten satz „ego te absolvo“ verstand. danach schwieg er für einen moment. sie wagte kaum zu atmen. sollte die beichte damit tatsächlich beendet und all ihre sünden vergeben sein? „als buße trage ich dir auf, fünzehn mal das „vaterunser“ zu beten. geh´ jetzt hinaus mein kind und tu, was ich dir gesagt habe.“
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