In der Südprovinz

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In der Südprovinz

In der Südprovinz

Anita Isiris

Das Seegras wehte, ein paar kleine Wolken schoben sich vor den Mond, und wir wurden auf dem steinigen Strässchen ordentlich durchgeschüttelt. „Ihr wisst Bescheid, vermute ich“, sagte ich mit amtlichem Unterton. „Liebe machen im Freien ist hier in der Südprovinz nicht drin.“ Atusa weinte leise, der Deutsche sagte kein Wort. Im Rückspiegel sah ich sein versteinertes Gesicht. Atusa kauerte ihm gegenüber auf einem kleinen bunten Teppich, den wir immer bei uns hatten. Fast tat sie mir ein wenig leid.

 

Da erreichten wir die Anhöhe, auf der das Gefängnis stand. „Die Nacht über bleibt Ihr jetzt erst mal bei uns“, sagte ich überflüssigerweise. „Ihr kriegt eine gemeinsame Zelle.“ Der Deutsche reagierte überrascht mit einem „Ahhhh…“. Atusa schwieg.

Wir schubsten die beiden Nackten vor uns her. Der Deutsche war auch nicht ohne – obwohl ich die Ausstrahlung von Männern nicht so gut beurteilen kann wie das weibliche Charisma, das wiederum meine Spezialität ist. Atusas Arsch lockte ungemein. Auch Erkan konnte kaum seine Blicke von ihr lösen. Die beiden andern Gefängniswärter, Jolim und Kim, standen beim Eingang. Sie nickten uns zu. Alles Weitere war Routine. Wir bugsierten das Flitterpaar durch den verfallenen Innenhof. Hier drehten die Insassen tagsüber ihre Runden, und wir mussten stets höllisch aufpassen, dass uns niemand entwich. Der Stacheldrahtzaun war löchrig, und der Verputz bröckelte. Mit dem geeigneten Instrument und mit der entsprechenden Hartnäckigkeit, über die Gefängnisinsassen oft verfügen, hätte man sich hier möglicherweise einen Weg ins Freie bahnen können. Etliche waren uns bereits entwichen – die abschüssige Umgebung war aber derart übersichtlich, dass wir sie wieder einkriegten, und zwar alle. Fast etwas bizarr wirkten die Kakteen, die stolz die Mauer säumten. Sie wirkten so, als hätten sie schon jemals einen Gefangenen an der Flucht gehindert.

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