In Feindesland

Nach dem großen Sterben – Die Bruderschaft

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Reinhard Baer


Während Kris wieder mit missionarischem Eifer ans Großreinemachen ging, kam mir Jill in den Sinn. Der Abend, an dem wir uns das erste Mal liebten, in diesem abgelegenen Farmhaus. Sie hatte sich auf einen Hocker vor das Waschbecken gesetzt und fing in aller Ruhe an, sich die Zähne zu putzen. Es sah unheimlich süß aus, wie sie ihren Oberarm dabei auf dem Waschbecken aufstützte und mich seitlich über ihre Schulter ansah. Ihre Augen strahlten. Ich denke, sie war da das erste Mal seit Jahren wieder so richtig glücklich und in mir hatte sich dieses Bild tief eingebrannt. Ach Jill ….
Später, als wir uns schon eine Weile kannten, war da diese einsame Herberge in den Wichita Mountains. Ich musste daran denken, wie Jill damals mit dem üblichen kalten Wasser quickend ihre zarten Brüste und ihre Möse polierte und dabei, genau wie Kris jetzt, wie eine ‚Professionelle‘ stöhnte. Ihre Unmutsbekundungen hatten mein Amüsement darüber regelrecht angestachelt und sie trommelte mit ihren Fäustchen gegen meinen Brustkorb. Aber wer stört sich schon daran, von einer hübschen jungen Frau im Slip mit süß wackelnden Quarktaschen ‚angefallen‘ zu werden? Ich damals jedenfalls nicht. Jetzt versetzte mir der Gedanke an Jill einen Stich. Zu viele geliebte Menschen, die doch eigentlich in meiner Obhut hätten sein sollen, waren bereits gestorben.

Und Kris? Meine Geschichte mit Kris hatte sogar mehr oder weniger an einem Waschbecken begonnen, als sie mich, zerschunden und zerschlagen, wie ich war, nach dem mich der Mann mit dem Feuermal und seine Ganovenfreunde beherzt durchmassiert hatten, wusch. Ich war so perplex gewesen, dass ich glatt gehorchte und mit wippendem, halbsteifem Schwanz vor dem kleinen Waschbecken in der Krankenstation stand, während sie mich am ganzen Körper abseifte, natürlich mit warmem Wasser, was der Zug meistens bot.

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