In Bullerbü

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In Bullerbü

In Bullerbü

Bärenpfötchen

„Das sieht ja tatsächlich aus wie im Film!“ Meine Freundin Lena rutscht aufgeregt auf ihrem Sitz hin und her, während ihr Mann Oliver den VW-Bus auf den großen Parkplatz fährt.
„Und ihr seid wirklich sicher, dass ihr bei diesem Mistwetter aussteigen wollt?“, fragt er skeptisch und schaut uns prüfend an.
„Logisch, so schnell kommen wir bestimmt nicht wieder her. Ich habe diese Geschichten aus Bullerbü so geliebt und den Film habe ich mindestens hundert Mal gesehen, wir MÜSSEN aussteigen“, sage ich und Lena nickt.
„Also dass Lena ein bisschen verrückt ist, weiß ich, aber dir, Irena, hätte ich mehr Vernunft zugetraut…Na ja, tut, was ihr nicht lassen könnt, dann kann ich in Ruhe meine Zeitschrift lesen.“
„Im Sommer wimmelt es hier sicher vom Touristen“, meint Lena und sieht sich auf dem menschenleeren Parkplatz um, „jetzt im September ist hier keine Menschenseele mehr.“
„Es regnet ja auch Katzen und Hunde“, murmelt Oliver, „ihr werdet pitschnass sein, wenn ihr zurück kommt!“
„Das ist es wert“, sage ich und greife den großen Regenschirm, unter dem Lena und ich einen Moment später auf die kleine Siedlung zugehen.
„Bist du auch so aufgeregt wie ich?“, will meine Freundin wissen und knufft mich in die Seite.
„Klar“, sage ich und hake mich bei ihr unter. „Es ist wohl der Traum vieler Mädchen, hier aufzuwachsen, auch wenn es nur ein Film war…“
Wir überqueren die Hauptstraße und nun trennen uns nur noch wenige Meter von der einstigen Filmkulisse.
„Ist das schön“, staunend betrachten wir von der kleinen Anhöhe aus die idyllische Siedlung und grinsen wie die Honigkuchenpferde. Auf der linken Seite stehen die drei Wohnhäuser mit den eingezäunten Vorgärten. Apfelbäume mit reifen Früchten scheinen nur darauf zu warten, dass jemand kommt und die Holzleiter von der Hauswand nimmt, um zu ernten.
Schweigend gehen wir den Weg hinunter, bleiben einen Moment vor dem Hühnergehege stehen, können jedoch keine Tiere entdecken.
„Die sind sicher in ihrem Hühnerstall“, überlegt Lena und fügt hinzu: „Kann man ihnen nicht verdenken, so wie es regnet…“
Wir kehren um und widmen nun unsere Aufmerksamkeit dem Gebäude auf der anderen Seite.
„Ein Plumpsklo“, lache ich, nachdem ich die knarrende Tür geöffnet habe.
„Und sieh mal, da hinten ist der Baum mit dem großen Loch im Stamm, den die Kinder als Höhle benutzt haben…“, ruft Lena und zeigt auf die alte Eiche. „Manchmal habe ich mir als Jugendliche gewünscht, Astrid Lindgren hätte die Kinder hier auch älter werden lassen. Wir waren irgendwann aus dem Alter für diese Geschichten raus und es wäre schön gewesen, wenn sie beschrieben hätte, wie die Mädchen ihre erste große Liebe erleben und so…“
„Komm mit“, sage ich zu Lena und ziehe meine erstaunte Freundin die Treppe zur „Höskulle“ hinauf.
Sie folgt mir in den dämmrigen Raum und klappt den Schirm zusammen.
„Was willst du denn hier auf dem Heuboden?“
„Komm, mach` es dir bequem, wir träumen ein bisschen, wie es den Mädels ergangen sein könnte.“
Lena lacht und lässt sich neben mich ins Heu fallen. „Ich habe eine bessere Idee“, sagt sie plötzlich.
„Und die wäre?“, gespannt sehe ich sie an.
„Wir nutzen das aus, dass sich bei diesem Wetter niemand hierher verirrt und spielen das mal durch…“, herausfordernd sieht meine Freundin mich an.
„Wie, wir spielen das durch?“, hake ich mit einer Mischung aus Skepsis und Neugier nach.
„Na ja, wir machen aus Irena und Lena einfach Inga und Lisa, verstehst du?“
„Klar“, antworte ich, „so schwer von Begriff bin ich ja nun auch nicht. Aber dein Mann wartet doch auf uns…?“
„Der schläft eh über seiner Segelzeitschrift ein“, grinst Lena. „Also, ich komme jetzt rein und bin Lisa und du bist Inga und wartest hier auf mich!“
Bevor ich antworten kann, ist sie aufgestanden Lena und geht zurück zur Treppe. Und noch während ich kopfschüttelnd lachen muss, ruft sie außer Atem:
„Inga, gut dass du hier bist, ich muss dir unbedingt was erzählen!“
„Setz dich erstmal, du bist ja ganz aufgeregt…wo hast du denn Britta gelassen?“
„Das ist es ja, was ich dir sagen muss: Britta hat Hausarrest –stell dir vor, Mama hat sie in unserem Zimmer erwischt. Sie hatte die Hand unter dem Rock, so richtig im Schlüpfer und hat dabei die Augen verdreht, du weißt schon…“
Ich kichere wie eine Dreizehnjährige: „Nein! Du meinst, sie hat…“
„…sich schöne Gefühle gemacht, ja. Mama war richtig sauer und hat total geschimpft!“
„Oh je“, sage ich mitfühlend, „arme Britta.“
„Sie ist verliebt, das hat sie mir gestern Abend gesagt, als das Licht aus war. Soll ich dir verraten in wen?“
„Na los Lisa, mach es nicht so spannend!“
„In Ole!“
„Ausgerechnet in Ole, warum denn das?“ Ich spiele die Entsetzte.
Lena reagiert darauf nicht. „Meinst du, sie hat sich schöne Gefühle gemacht und sich vorgestellt, er würde sie da anfassen?“
Wir kichern beide.
„Ist Ole denn auch verliebt?“, will ich wissen.
„Davon hat Britta nix gesagt. Aber sie hofft, dass sie bald eine Gelegenheit hat, ihn zu fragen. Wenn Mama sie wieder aus ihrem Zimmer lässt…Du Inga, fasst du dich auch manchmal an, da unten meine ich?“
„Mhm“, nicke ich verlegen und sie sagt leise: „Ich auch…Hast du schon mal jemanden geküsst, Inga?“, will sie dann wissen und ich schüttle den Kopf.
„Und du?“
„Nö“, sie lässt sich mit ausgebreiteten Armen ins Heu zurückfallen, „aber ich würde so gerne mal. Es fühlt sich bestimmt toll an…“
„Ich habe ein bisschen Angst davor!“
„Ehrlich?“ Sie richtet sich wieder ein Stück auf und sieht mich erstaunt an.
„Warum denn?“
„Na ja, vielleicht stelle ich mich dumm an oder so. Ist ja schon was anderes, als ein langweiliger Gute Nacht Kuss auf die Wange.“
„Wollen wir es ausprobieren?“ Meine Freundin grinst mich an und ich fühle ein leises Kribbeln im Bauch und überlege, ob das noch ein Spiel ist.
„Mensch Lisa“, sage ich, ein Mädchen küsst doch nicht ein anderes Mädchen!“
„Bitte Irena, nur einmal…“ Sie hat meinen echten Namen benutzt! Mir wird langsam klar, dass das kein Spiel mehr sein kann. Irgendwie erregt mich der Gedanke, Lena zu küssen und ich nicke langsam, stehe auf und setze mich neben sie ins Heu. Einen Moment sehen wir uns tief in die Augen, dann beginnen unsere Münder sich einander zu nähern. Ich fühle ihre Hand in meinem Haar und streichle sanft über ihre Wange.
„Oh Irena“, stöhnt Lena und ihre Zunge macht sich auf den Weg in meinen Mund, um meine Zunge sanft zu liebkosen. Mit geschlossenen Augen sitze ich da und lasse geschehen, was ich nie zu träumen gewagt hätte. Schließlich ist Lena eine verheiratete Frau!
„Das ist noch schöner, als ich mir vorgestellt habe“, sagt sie und öffnet ganz langsam, wie um Erlaubnis bittend, meine Bluse, um meine Brüste zu streicheln. Als ich sie nicht davon abhalte, drückt sie mich sanft ins Heu und beginnt, meinen nackten Oberkörper mit einem getrockneten Grashalm zu kitzeln.
„Du hast Pech, ich bin nicht kitzelig und wie ist es mit dir?“
Da Lena unter ihrer Jeansjacke ein bauchfreies Top trägt, habe ich ein leichtes Spiel!
Als wir Oliver nach uns rufen hören, liegen wir beide nackt im Heu und lieben uns.
Entsetzt sehe ich Lena an, die jedoch lächelnd ruft: „Auf dem Heuboden, Schatz!“ Zu mir sagt sie leise: „ Entspann dich, der Gedanke gefällt ihm schon seit langem…es macht dir doch nichts aus?“
Etwas irritiert ringe ich mir eine Lächeln ab: „Hey Lisa, ich glaube OLE kommt!“
„Wollen mal gucken, ob er wirklich kommt oder nur erscheint“, flüstert sie und ich beginne, sie vom Bauchnabel abwärts zu küssen, ohne dabei die Tür aus den Augen zu verlieren.
Oliver braucht nur einen kleinen Moment, um sich an das Dämmerlicht zu gewöhnen und die Situation zu erfassen. Er macht es sich zunächst neben der Tür auf einem Berg Heu bequem und schaut einfach zu, wie wir einander verwöhnen.
Nachdem Lena mir mit ihrer Zunge in meinem Schoß einen unvergesslichen Höhepunkt bereitet hat, gibt sie ihm ein Zeichen.
„Oliver, du bist Ole!“
„Ole ist einer von den Bullerbü Jungen, nicht?“, vergewissert er sich zögernd.
„Genau! Und er erwischt Inga und Lisa zusammen im Heu…“
Olli steht daraufhin von seinem Platz auf, kommt noch einmal durch die Tür und tut so, als hätte er uns zuvor nicht gesehen.
Entsetzt schaut er uns an.
„Hey Mädels, was macht IHR denn hier?“, fragt er amüsiert und lacht uns aus.
Wir tun, als wäre uns die Situation peinlich.
„Willst du mal richtig geküsst werden, Lisa?“ Herausfordernd schaut er sie an.
Lena lächelt beschämt und nickt. Er setzt sich neben sie und ich sehe interessiert zu, wie er ihr Gesicht zu küssen beginnt und sich langsam ihrem Mund nähert.
Ich muss an die Hochzeit der beiden vor vier Monaten denken und daran, dass ich Olli beneidet habe, als er seine Braut vor dem Altar küsste.
„Inga küsst aber besser als du“, sagt sie plötzlich frech und Ole ist ein wenig pikiert.
„Pah“, meint er gelassen, um dies zu überspielen, „dafür habe ich etwas, dass kann dir deine Inga nicht bieten!“
„Und das wäre?“ Lena ist voll in der Rolle der schnippischen, pubertären Zicke.
„Hier? Ich meine…vor Lena?“, fragt er leise und wir nicken beide.
„Ich habe ihr von unsere Phantasie erzählt“, sagt sie zärtlich zu ihm und als er lächelt, sagt sie: „Lisa und ich haben keine Geheimnisse voreinander, Ole!“
Oliver tut, als würde er zögern. Dann nimmt er all seinen Mut zusammen und fragt: „Möchtest du mal meinen Schwanz sehen?“
„Traust dich ja doch nicht, ihn aus der Hose zu holen“, neckt sie ihn.
Damit spornt sie ihn an. Ein paar Sekunden später steht er in Boxershorts vor ihr, die er dann genüsslich langsam, wie bei einem Striptease, hinunterzieht. Da wir schon öfter gemeinsam in der Sauna waren, weiß ich, dass Olli gut bestückt ist und fühle, dass mich der Anblick der beiden mehr erregt, als ich gedacht hätte.
„Oh…“, stammelt Lisa, „so groß hatte ich mir den gar nicht vorgestellt!“
Sie tut, als fürchte sie sich ein wenig.
„Wenn du willst, kannst du ihn anfassen“, bietet Ole ihr an.
„Und wenn ich davon schwanger werde?“ Lisa scheint sich mit den Sorgen eines jungen Mädchens noch gut auszukennen.
„Richtig“, murmelt Olli, „wir lesen hier ja nicht die BRAVO, oder? - Beim ersten Mal passiert nix“, beruhigt er sie mit einem weiteren Klischee.
„Der ist ja ganz hart, tut das nicht weh, Ole?“
Ich muss lachen, das ist ein bisschen wie Kabarett!
„Mhm, so weiche Haut…fühlt sich gut an…“
„Willst du auch, Inga?“, bietet er mir an. Fragend schaue ich zu meiner Freundin, die mir mit einem Nicken grünes Licht gibt.
Nun sitzen wir beide im Stroh und verwöhnen ihren Mann, dem das sichtbar gut gefällt.
Einen Moment später wurden Lena und Inga also zum ersten Mal mit dem Samen eines Mannes konfrontiert und hätten sie sich nicht ganz plötzlich anziehen müssen, weil oben an der Straße ein Touristenbus hielt, wer weiß, vielleicht hätten sie auch in jener Scheune ihre Unschuld verloren…

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