, und er wusste: Ein Steinway-Flügel gehört ohnehin zum Standard, mehrere Fender Stratocaster Gitarren ebenfalls, Roland-Keyboards, ein Gong und eine Reihe gülden glänzender Blasinstrumente. Das ureigene Blasinstrument des Rainer W. verbarg sich unter grosszügig geschnittenen, stylishen Cordhosen.
Rainer W. liess einrichten. Liess seine Villa am Stadtrand, mit schmiedeeisernem Zufahrtstor, einrichten. Er verbrachte die Zeit in Sardinien, an der Costa Smeralda, und freute sich auf seine Rückkehr. Er würde eine absolut perfekte Location beziehen können, mit jedem erdenklichen Luxus. Die Villa verfügte über mehrere Wohnungen, einen geräumigen Keller, einen noch geräumigeren Dachstock und Solarpanels auf dem ausladenden Dach, die alle Besucher und Passanten vor Neid erblassen lassen würden – Menschen, die sich bankrott sparten, weil die Gas- Erdöl- und Strompreise dermassen durch die Decke gingen.
Von der sardinischen Sonne gesättigt, kehrte Rainer W. im Spätsommer zurück – die eingerichtete Villa übertraf seine Erwartungen bei Weitem. Er legte sein Gepäck hin und testete den ausladenden Whirlpool – Element eines der vielen Baderäume, die ihm und vor allem seinen Musikschülerinnen zur Verfügung stehen würden. Selbstverständlich würde Rainer W. auch Männer ins Glück der Musik einführen – zumindest am Anfang. So schöpfte der Womanizer keinen Verdacht. Er wollte es unauffällig angehen, gründete einen LinkedIn-Account, vernetzte sich mit allen, die da wollten, unterliess es aber vor allem nicht, in den lokalen Lebensmittelgeschäften und Supermärkten Zettel am Anschlagbrett anzubringen. Zettel, analoge Zettel, von denen man eine Telefonnummer abreissen konnte.
Rainer W. kannte sich aus mit der Frauenseele. Obwohl es kaum eine zugab – aber Frauen liebten es, nach dem Familieneinkauf mit einem Blick das Anschlagbrett zu streifen – in der Hoffnung auf ein Massageangebot, das nie ausgeschrieben wurde, oder auf einen erschwinglichen Wäscheständer.
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Feinsinnige Fantasie
schreibt michael_direkt