Initialzündung

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Initialzündung

Initialzündung

Anita Isiris

Wenn Klaus reiste, dann richtig, nach Tokio oder so, und immer mit einer plausiblen wirtschaftlichen und fachlichen Begründung. Sexuell hatte Klaus seine Kari, wie er sie liebevoll nannte, nie so richtig befriedigen können. Er kam zu früh, und selbst nach den beiden Spontangeburten fühlte sich Karin noch immer wie eine Jungfrau. Ungevögelt, irgendwie.

In den einsamen Nächten sehnte sich Karin nach der Initialzündung.

Das Erste, was Rainer W. ihr zeigte, war der Quintenzirkel. „Ein bisschen Musiktheorie gehört mit dazu“, sagte er mit seiner sonoren Stimme. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Das Vergnügen bestand in ersten Übungen des Komponisten Béla Bartòk. Fingerspiele. Als Rainer W. Karins Finger spielen sah, bekam er nahezu eine Dauererektion, so geil wurde er. Ihre filigranen Finger an seiner Flöte. Oh mein Gott! Da war Karins rotes Kleid. Ihre grosszügige Oberweite. Ihre Zunge, die sie zwischen die Lippen presste, wenn sie sich konzentrierte. Ihre Körperhaltung. Rainer W. brachte den Frauen bei, dass es wichtig war, ins hohle Kreuz zu gehen und in den Bauch zu atmen. Genauso liebte er die Frauen auch anderweitig. Vierfüsslerstellung. Hohles Kreuz. Bauchatmung.

Nach wenigen Wochen entwickelte sich eine tiefe Vertrautheit zwischen dem Klavierlehrer und seiner Schülerin. Gleich zu Beginn der Lektionen offerierte er ihr Tee, machte ihr Komplimente zu ihrer schwarzen Lockenpracht und selbstverständlich auch zum musikalischen Fortschritt. Rainer W. wusste, dass viele Quartierfrauen in ihrem Innern verunsichert sind, Angst haben, nicht zu genügen. Seine Lobesworte waren Honig für die Frauenseelen, und folgerichtig würden sich diese Frauenseelen, und vor allem die dazugehörigen Körper, für ihn öffnen – wie Lippenblütler auf einer mit Bienen bevölkerten Wiese.

Dann war es so weit. Karin hatte eine von Rainer W.'s eigenen Kompositionen geübt, und er arrangierte für sie eine kleine Vortragsübung.

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Feinsinnige Fantasie

schreibt michael_direkt

Liebe Anita, hier ist wieder einmal eine Deiner Geschichten mit viel feinsinniger (oder -sinnlicher?) Fantasie! Das gefällt mir sehr! Das beflügelt die eignen Gedanken auf wunderbare Weise. Vielen Dank dafür! Dir alles Gute und lieben Gruß, Michael

Gedichte auf den Leib geschrieben