Intime Beichten - Teil 5

Neunter Tag.

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Intime Beichten - Teil 5

Intime Beichten - Teil 5

Joana Angelides

Es war elektrisierend, ich konnte es am ganzen Körper fühlen.
Die Wärme des Stammes durchdrang mich, die rauhe Oberfläche erinnerte an Seefahrer, wilde See und Schiffe, weit draußen am Meer, kämpfend mit Sturm und Wellen. Waren es diese alten Geschichten, die er versuchte mir zu vermitteln, mir zuflüsterte?
Ich fühlte mich eins mit dem Stamm, mit dem Baum, fühlte mich im Geiste mit ihm verwoben, integriert, für ewig an ihn gebunden.
Ein Maler würde mich in diesen Augenblicken, aufgehend in den Stamm, mit den Armen nach oben strebend, teilweise von Holz und Zweigen bedeckt, darstellen.
Lieber Freund, kannst du dir einen Baum als zärtlichen Liebhaber vorstellen? Es ist eine faszinierende Vorstellung.
Durchdrungen von all diesen Eindrücken, Gefühlen und Sehnsüchte befand ich mich in einem halbwachen Zustand und gab mich meinen Empfindungen hin.
"Ja sag einmal, du liegst einfach da und träumst vor dich hin. Hast du keine Angst es könnte jemand kommen?" Es war Pauls Stimme, die mich in die Wirklichkeit zurückholte. Er war nur mit einem Handtuch ebenfalls zum Strand gekommen und hat mich hier gefunden.
"Komm, setze dich zu mir. Ich träume gerade, dieser Olivenbaum liebt mich, liebkost mich und flüstert mir Geheimnisse ins Ohr."
Er setzte sich neben mich, nahm mich in den Arm und seine Finger strichen über meinen, von der Sonne aufgeheizten Körper.
"Darf ich dein Olivenbaum sein?"
Ich rutschte den Stamm hinab, bis ich ganz flach auf dem Rücken lag und schloß meine Augen.
"Ja, wenn du auch so zärtlich sein kannst wie er!" Ich lächelte ihn an.
Weißt du, mein Freund, wie es ist, wenn alles ruhig ist und plötzlich ein Sturmwind daher braust, alle Dämme brechen und die Flut über das Land schießt? Genau so kam es mir vor.
Wir liebten uns unter dem Olivenbaum mit einer Leidenschaft wie schon lange nicht. Er nahm mich wild und fordernd, es war als ob wir im aufgewühlten Meer kämpften, nachdem sich die Gewalten der Natur das Universum untertan gemacht haben.
Nachdem wir wieder halbwegs zu Atem gekommen waren, hob er mich auf, trug mich zum Strand und wir tauchten mit unsere Körper ins Meer. Wir ließen uns von den Wellen umspielen, ich spürte das kühle, sich kräuselnde Wasser auf meiner Haut und begriff das wunderbare Zusammenspiel von Natur, Leidenschaft und Rauschen des Blutes.
Mein Freund, das war vor drei Tagen und jeder dieser Tage brachte uns auch wundervolle Nächte, inspiriert von Sonne, Meer und diesem alten, nun so vertrauten Olivenbaum.Vorläufiges Ende

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