Invokation

4 4-8 Minuten 0 Kommentare
Invokation

Invokation

Elmar Woelm

Es galt als ein besonders gutes Omen.

Sie schloss die Augen und nahm die leuchtenden Strahlen in sich auf, diese Kraft, die in dieser Nacht in so besonderer Weise befruchtet war vom Herrn des Lichtes. Ihre Hände, ihre Arme, ihr gesamter Körper durchflutet. Die Strahlen trafen sie wie Schauer des Lichtes, Wellen, die sie im Glanz der Nacht erglühen ließen. Der jungfräuliche Gott umspielte die jungfräuliche Göttin und die Kraft dieser Vereinigung ließ eine neue Weise gebären, die noch nichts von ihrer großen Bestimmung wusste. Sie ließ es geschehen. Es gab nichts mehr, was sie kontrollieren wollte. Sie war bereits das Werkzeug einer höheren Macht, einer Macht, die sie erwählt hatte. Die junge Frau streifte das weiße Gewand von den Schultern und stand nun nackt da. Ihr elfenbeinfarbener Körper glänzte im Schein der Nacht. Einige Male schöpfte sie das Wasser der Quelle und ließ es sich über den Körper rinnen. Nun war sie bereit, beide zu empfangen, die Göttin, und auch ihn. Während die rechte Hand auf ihrer Brust ruhte, glitt die Linke hinab zu ihrer Scham. Sie musste diese Vereinigung vollenden. Ihre Freundin, die Hagedisse, hatte sie rasiert, zum Zeichen ihrer Jungfräulichkeit. Es war ungewohnt, die nackten Schamlippen zu berühren. Es erinnerte sie an ihre Kindheit, und plötzlich wusste sie, wie oft sie dieses Ritual schon auf die eine oder andere Weise vollzogen hatte ohne es verstanden zu haben. Doch sie hatte keine Zeit darüber nachzudenken. Der Rhythmus nahm sie ein, bis sie alle Gedanken, jede Erinnerung verlor. Sie nahm die Mondin in sich auf, sie wurde zu ihr. Es geschah, was geschehen musste. Es geschah, was sie seit so jungen Jahren bereits kannte, doch es geschah auf eine Weise, als gäbe sie sich ihm das erste Mal hin. Dies war jenseits allen Irdischen …

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 2686

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben