Isa und der Kühlschrank

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Isa und der Kühlschrank

Isa und der Kühlschrank

Anita Isiris

Isa hatte eine unbestrittene Affinität zu ihrem Kühlschrank. Oft huschte sie des Nachts mit nackten Füssen über die kühlen Küchenfliesen und zog erwartungsvoll am messingglänzenden Haltegriff. Jedes Mal durchfuhr sie ein Adrenalinstoss – obwohl Isa doch genau wusste, was sich hinter der Kühlschranktür befand. Verschiedene Gemüsesorten nämlich, Marmelade, Butter, ein paar Eier. Das war aber nicht der Grund, wieso Isa des Nachts mit nackten Füssen über die kühlen Küchenfliesen huschte.

Es war der Kältestoss, der sie erregte. Das Klima war längst nicht mehr, was es einmal gewesen war – und nur, wenn Isa auf sehr frühe Jugenderinnerungen zurückgriff, war da so etwas wie eine kühle Brise, wenn sie aus der Haustür trat. Ein Regenschauer. Ein Nebelherbst. In der Zwischenzeit war das Klima gekippt und eine sengende Sonne buk den Boden so, dass Wasser, so es dann doch einmal regnete, kaum darin versickerte, sondern sogleich wieder verdunstete.

Die Klimaanlage hatte längst den Geist aufgegeben – vielleicht aus rein funktional-technischen Gründen, vielleicht aber auch, weil Isa nicht mehr für alle Nebengebühren aufkommen konnte, die ihr das gekippte Klima auferlegte. Die Wasserpreise waren horrend, Solardächer Pflicht und Indoor-Gewächshäuser «daily business», weil draussen alles verdorrte. Das alles trieb die Kosten in die Höhe – und so war da kein finanzieller Spielraum für Klimaanlagen mehr vorhanden.

Isa war so um die 30, drall gebaut, und sie trug hauchzarte, durchsichtige Nachthemden – nicht etwa um Männer spitz zu machen, sondern weil die Seide so kühl und zart um den Körper floss. Isas Körper: Gut sichtbare, verheissungsvolle Schlüsselbeine. Runde Oberarme, rund und köstlich, so, als wären sie in einer Bäckerei hergestellt worden. Pralle Melonenbrüste, ganz ohne Silikoneinlagen, Brüste mit hochempfindlichen Nippeln, die sich vor der offenen Kühlschranktür augenblicklich aufrichteten. Wohlgeformte Hüften. Ein hübscher Busch aus feinem Kraushaar. Isa war eine moderne Frau und rasierte sich daher nur noch die Bikinizone aus, damit das Dreieck gepflegter aussah. Nackte Schamlippen, meist mit kleinen Pickeln geschmückt, erschienen ihr altmodisch – und ihre Freundinnen sahen das genauso.

Frau hatte die thermische, schweissabsorbierende Bedeutung von Achsel- und Schamhaar wiedererkannt – es gab nichts Unangenehmeres als wenn sich in den Achseln Schweisstropfen bildeten und seitlich am Körper hinunterrannen. Wie Ameisenlaufen war das, und weder Isa noch ihre Freundinnen konnten sich vorstellen, wieso Frauen sich über Jahrzehnte diesem Totalrasur-Modediktat unterworfen hatten.

So stand Isa also mal wieder mit aufgerichteten Armhärchen und spitzen Brustwarzen vor ihrem Kühlschrank und befühlte das Himbeermarmeladeglas. Es war eine sinnliche Berührung. Die angenehme Kühle an ihren Handinnenflächen erregte Isa sexuell. Sie war eine ausgesprochen taktile Frau, und die letzte Sinneserfahrung, die der aussterbenden Spezies Mensch vorbehalten blieb, war die der Temperatur auf möglichst nackter Haut.

Alle hatten es sich angewöhnt, fast nichts mehr anzuziehen und die Scham gegenüber fremden Menschen komplett abzulegen. BHs wurden entsorgt, Strümpfe in die Altkleidersammlung geworfen, und gestrickte Socken wurden höchstens noch aus Gründen der Nostalgie aufbewahrt.

Mehrere Stürme hatten den eurasischen Raum nahezu leergefegt – die Menschen waren entweder kläglich ertrunken, von Baumstämmen und Laternenmasten brutal erschlagen oder bei Plünderungen kaltblütig erschossen worden.

Nordamerika war eine Todeszone, seit durch islamische Luftangriffe im Jahr 2030 zwei Drittel aller Atomkraftwerke pulverisiert worden waren.

In Brasilien, im Mato Grosso, hielten sich noch vereinzelt Menschen auf, Freaks, Hippies, Überlebenskünstler. Sie bemalten sich gegenseitig mit Naturfarben und genossen freie Liebe ohne Perspektive.

Afrika war innerhalb von fünf Jahren zur Wüste geworden, und sogar Klimazonen, die aus europäischer Sicht «lebbar» waren, hatten sich in Richtung des südlichen Wendekreises verschoben. Mauretanien, Mali, Niger, Tschad. Leblos. Sand- Stein- und Geröllwüsten. Hamada. Serir. Erg.

Es war kaum zu glauben, aber je mehr solche Nachrichten Isa zugetragen wurden, je tiefer der Schock sass, je rarer überlebende Menschen wurden, desto stärker keimten in Isa Lust und Leidenschaft. Keine Nacht, in der sie sich nicht in den Schlaf hinein befriedigte, kein Morgen, an dem sie sich nicht den Solarvibrator reinschob.

Isas Vagina war eine einzige verlangende, sich sehnende, sich dehnende und sich zusammenziehende Lustzone, offen für Fingerspiele, eingeölte Gurkenspitzen oder eine elektrische Zahnbürste – ein rares Exemplar, das Isa aus den Jahren vor 2030 hatte hinüberretten können.

Ihr grösstes Problem waren die Männer. Wie gerne sie sich wieder einmal lustvoll hätte ficken lassen, vermochte Isa kaum zu beschreiben. Aber die Männer waren durch übermässigen Internet-Porno-Konsum derart abgestumpft, dass sie nur dank autogenem Training ihre Schwänze überhaupt zum Stehen brachten. Kurz vor dem Eindringen in Isas geile, feuchte, zarte Scheide erschlafften die Penisse aber, sozusagen im Kollektiv, weil der durch autogenes Training in Wallung gebrachte Blutfluss viel zu früh erlahmte.

So lag sie dann da, mit offenen Schenkeln und zurückgeschobenem Nachthemd, hilflos lächelnd, während vor ihr ein verlegener Mann an sich herummachte, sich den Hoden massierte, sich den Penisschaft rieb, in schwacher Erinnerung an Zeiten, in denen noch nächtelang gerammelt wurde.

Darum war Isa auf Hilfsmittel angewiesen. Fingerspiele. Gurkenspitzen. Elektrische Zahnbürste. Und, klar, auf ihren regenbogenfarbenen Solardildo.

Dann hatte sie sich entschlossen. Sie entnahm ihrem geliebten Kühlschrank die Himbeermarmelade und schob liebevoll die Kühlschranktür zu. Mit einem sanften «Klack» saugte sich die Dichtung fest und bewahrte die Kälte, dieses kostbare Gut, im Inneren des Kühlschranks – bis Isa ihn das nächste Mal begierig öffnen würde.

Isas Scheide brannte vor Lust. Sie wollte es sich ausgiebig machen. Hier. Jetzt. Die kühlen Küchenfliesen nie mehr verlassen. Keineswegs. Sie löschte das Licht, zog sich ihr seidenes Nachthemd über den Kopf und stand da, mit ihrem milchigweissen Prachtskörper, der noch im vorderen Jahrzehnt ausnahmslos alle Männer zum Rasen gebracht hätte. Der Mond beschien ihr dunkles, zurückgebundenes Haar, und Isas Lippen bebten vor Erregung, als sie sich mit dem Marmeladeglas auf den Boden setzte. Glücklich seufzte sie, als ihre nackten Pobacken den kühlen Stein berührten. Sie öffnete das Marmeladeglas, legte sich entspannt hin, wobei ihr die Kühle des Steinbodens mehr Bequemlichkeit vermittelte als eine milbendurchsetzte Matratze. Sie tunkte den Finger in die Marmelade und schob ihn tief in ihr Inneres. Die frische Marmelade liess sie in Wonneschauern zucken, und das Bild war eine wahre Augenweide: Isa, neben sich das ausgebreitete Seidennachthemd, das sich auf dem grauen Steinboden ausnahm wie ein kleiner mondbeleuchteter See. Ihre schweren, milchweissen Brüste mit den beiden süssen, runden Schokoklecksen. Das glitzernde Nabelpiercing. Isas halboffener Mund, in den sie einen ihrer bekleckerten Marmeladefinger schob. Isas liebesfreudige hellrosa Muschi, umrahmt von sorgfältig zurecht rasiertem Schamhaar. Isas Marmeladehände, die ihren Unterleib mit Himbeerzucker verwöhnten. Isa masturbierte, ihr Oberkörper hob und senkte sich, als ginge es um eine Symphonie, und dann liess sie ihre Hüften kreisen. Das Kühl-Klebrige tat ihr gut, so gut… Sie drückte sich das Marmeladeglas zwischen die Schamlippen und spielte mit dem Vakuum. Ihre Clit war bis zum Gehtnichtmehr erregt. Isas sexuelle Raserei auf dem Küchenboden, vor dem Kühlschrank.

Marmelade allüberall.

Bereits um 06:00 Uhr sengte die Sonne. Eine weitere Million Inder versank in den Fluten. Hunderttausend Klimaflüchtlinge wurden innert Minuten vom Mittelmeer verschluckt. Über Tel Aviv detonierte eine Neutronenbombe.

Aber Isa hatte es kühl, gemütlich und geil.

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