Jaguar

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Jaguar

Jaguar

Zina Straudt

Ruth fluchte herzhaft.
Dieser gottverdammte Bus ließ sich so elegant manövrieren wie ein Betonklotz.
Zum dritten Mal nahm sie Maß und rangierte ihn vorsichtig rückwärts in die Parklücke zwischen den Jaguar und den Mercedes, die natürlich, wie konnte es auch anders sein, beide mitten auf den weißen Begrenzungslinien standen und so den ihr zugewiesenen Parkplatz stark einengten. Ein hastiger Blick in die Außenspiegel zeigte ihr, dass sie das Lenkrad diesmal zu weit nach links eingeschlagen hatte und seufzend legte sie wieder den Vorwärtsgang ein.
Stöhnend wischte sie sich den dünnen Schweißfilm vom Gesicht und schalt sich eine dumme Kuh, dass sie das Angebot des Empfangschefs, ihren Wagen in der Tiefgarage einparken zu lassen, abgeschlagen hatte.
Aber zum einen hatte ihre Schwester ihr eingeschärft, bloß keinen Unfall zu bauen, da ihre ach so supergünstige Haftpflichtversicherung erlosch, sobald jemand anders als sie selbst den Wagen fuhr und zum Zweiten hatte sie sich geniert, dieses heruntergekommene Stück Blech an einen Hotelangestellten zu übergeben. Sie hatte sich ja schon für sich selbst geschämt, als sie, nur mit einem einfachen Sommerkleid bekleidet und mit ihrem leicht abgeschabten Koffer in der Hand an der Rezeption dieses Nobelschuppens eingecheckt hatte. Leider war kurzfristig während der Messe keine billigere Unterkunft zu bekommen gewesen und Ruth konnte nur beten, dass ihr morgiger Termin erfolgreich verlaufen würde, um die hohen Kosten rechtfertigen zu können und ihre Chefin, für die sie kurzfristig eingesprungen war, nicht enttäuschen zu müssen.

Zum wiederholten Mal setzte sie langsam zurück und diesmal schien sie den Einschlagwinkel besser berechnet zu haben. Gerade, als sie erleichtert aufatmen wollte, blendeten sie die Scheinwerfer eines Wagens, dessen Durchfahrt sie blockierte. Dieser begann auch sofort ungeduldig zu hupen um sie zur Eile zu bewegen. Ruth knirschte erbost mit den Zähnen und wagte es, das Gaspedal ein klein wenig tiefer zu drücken. Genau in dem Moment, als die vor ihrem Wagen entstandene Lücke eben groß genug war, schoss der eilige Fahrer mit quietschenden Reifen hindurch und Ruths Fuß rutschte vor Schreck von der Kupplung. Der Bus machte einen Satz nach hinten und das grässliche Geräusch von schleifendem Metall ließ sie erbleichen. Sofort brachte sie den Bus zum Stehen und sprang hinaus.
„Scheiße!“
Die Stoßstange des Kleinbusses hatte dem Jaguar neben ihr eine hässliche, handbreite Schramme von der Motorhaube bis zum Heck in den schwarzen Lack gefräst.
Ruth schlug vor Schreck die Hand vor den Mund und Tränen schossen ihr in die Augen.
Wie sollte sie das bloß Ella beichten und vor allem, wovon sollte sie den Schaden an dem Jaguar bezahlen?
Einen kurzen Moment lag erwog sie, sich einfach in den Bus zu setzen und sich aus dem Staub zu machen, verwarf den Gedanken aber sofort wieder. Jeder Parkplatz wurde einer bestimmten Zimmernummer zugewiesen und egal, ob der Bus nun hier stand oder nicht, der Schaden wäre immer auf sie zurückzuführen. Außerdem war sie sich darüber im Klaren, dass sie mit solch einer Geschichte im Nacken nicht mehr ruhig schlafen könnte.
Hastig strich sie sich die Tränen aus den Augen und schwang sich wieder auf den Fahrersitz.
Erstaunlicherweise schaffte sie es im nächsten Anlauf auf Anhieb, den Wagen ohne weitere Kollisionen einzuparken und danach suchte sie umgehend die Rezeption auf.
Unglücklicherweise traf sie hier auf denselben piekfein gekleideten und blasierten Empfangschef, der ihr auch angeboten hatte, den Wagen einparken zu lassen.
Ruth räusperte sich, bis er auf sie aufmerksam wurde.
„Würden sie mir bitte verraten, wem der Jaguar auf dem Parkplatz neben meinem gehört? Es gab da leider gerade ein kleines Malheur.“

***
Richard Löwenstein riss erleichtert seine Krawatte herunter und knöpfte sein Hemd auf.
Der Tag auf der Messe war die Hölle gewesen und er war froh, dem Chaos für heute entkommen zu sein. Er hatte sich nach kurzer Überlegung etwas zu Essen auf das Zimmer bestellt und hoffte, vorher noch eine Dusche nehmen zu können. Ein rascher Blick auf die Uhr sagte ihm, dass es gerade erst sieben war und er somit noch zwei Stunden Zeit hatte, bis die Dame vom Escort-Service bei ihm erscheinen würde.
Er grinste. Sein Freund und Geschäftspartner, auf Grund dessen Empfehlung er diese Agentur kontaktiert hatte, schwor Stein und Bein, das es keinen Wunsch gab, der von deren Damen nicht befriedigt wurde. In den höchsten Tönen hatte er ihm von der kleinen Geisha vorgeschwärmt, von der er bei der letzten Messe verwöhnt worden war und wie außerordentlich fantasievoll und kultiviert sie sich ihm angeboten hatte, während er ihm die Telefonnummer der Agentur aufgedrängte.

Richard hatte der Sache recht skeptisch gegenüber gestanden, bis er sich heute doch dazu entschlossen hatte, diese Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Einerseits weil er zugegebenermaßen neugierig war, Andererseits weil er bemerkte, dass ihm in den letzten Monaten wohl gewisse Aktivitäten zu fehlen schienen.
Spätestens, seit er gestern zu seinem Entsetzten festgestellt hatte, dass ihm die hübschen, blutjungen Praktikantinnen, die zur Bedienung der Kunden eingesetzt waren und außerdem für ein wenig Glanz auf dem Messestand sorgen sollten, mit jedem Tag auf der Messe anziehender erschienen. Langsam war es wohl wirklich an der Zeit, etwas gegen seine Mangelerscheinungen zu unternehmen, bevor er einen Fehler beging und mit einem Mädchen anbandelte, dass locker seine Tochter sein könnte.
Um die Sache noch interessanter zu gestalten, hatte er es abgelehnt, sich via Internet eine bestimmte Frau auszusuchen und lieber am Morgen ein längeres Telefonat mit der Begleitagentur geführt, in dessen Verlauf er eine genaue Beschreibung des von ihm bevorzugten Typs abgeben musste. Nun war er gespannt, was ihn erwarten würde. Vor allen Dingen darauf, welche Geschichte sich die Frau ausdenken würde, um sich ihm elegant zu präsentieren, ohne den Anschein von einem gekauften Vergnügen zu wecken.
Als er sich gerade seines Jackett entledigt hatte und sich an der Bar der Suite einen Drink einschenken wollte, ertönte der Türgong.
Richard runzelte die Stirn. Für das Essen war es noch etwas zu früh und er hoffte nur, dass es sich um keine dringende Firmenangelegenheit handelte.
Leicht verärgert über die Störung riss er den Türflügel auf und stutzte im ersten Moment, als er die zierliche Frauengestallt im Flur erblickte. Hatte er sich am Telefon versprochen oder hatte sie einfach neun mit neunzehn Uhr verwechselt?
Egal, zumindest entsprach ihre äußere Erscheinung genau dem, was er sich bestellt hatte.
Schätzungsweise Mitte dreißig, schlicht gekleidet und ungeschminkt. Klein, schlank, schmale Hüften, kleine Brüste. Dazu eine kecke Nase, langes Haar, große dunkle und von atemberaubend langen Wimpern umrahmte Augen sowie sinnlich geschwungene Lippen. Eine Frau, der er zwar jederzeit einen zweiten Blick zuwerfen würde, die er aber im Traum niemals für eine Prostituierte gehalten hätte.
Angenehm überrascht schenkte er ihr ein freundliches Lächeln und bemühte sich, sie nicht allzu offensichtlich zu mustern, als er sie höflich begrüßte.
„Guten Abend, meine Dame. Was kann ich für sie tun?“

***
Ruth hatte fast fünf Minuten vor der Tür gestanden, bevor sie den Mut gefunden hatte, die Klingel zu betätigen. Ausgerechnet eine von den Penthaus-Suiten!
Nervös zupfte sie an dem Ausschnitt ihres Kleides herum und wischte hastig etwas Staub von ihren Ballerinas.
Oh Gott, wie sollte sie das bloß hinter sich bringen?
Ihre Handflächen waren feucht und sie kaute unsicher auf ihrer Unterlippe herum.
Was sollte sie nur machen, wenn sich der Kerl als Ekelpaket herausstellte und die Polizei rief?
Und wie konnte sie den angerichteten Schaden überhaupt bezahlen?
Als zum zweiten Mal das Zimmermädchen mit ihren Wäschewagen an Ruth vorbeischob und sie neugierig musterte, fasste sie sich ein Herz und drückte auf den Türgong.
Tief holte sie Luft und schrak doch zusammen, als die Tür schwungvoll geöffnet wurde.
Glücklicherweise war der Besitzer des Jaguars eine nicht ganz so furchteinflößende Erscheinung, wie sie es befürchtet hatte.
Gewiss, er sah mit seinem halboffenen, leicht zerknitterten Hemd und den verstrubelten blonden Haaren etwas verwegen aus, aber seine blauen Augen blitzten freundlich und er schenkte ihr ein wohlwollendes Lächeln, als er sie nach ihrem Ansinnen fragte.
Ruth knetete unruhig ihre Hände und trat verlegen von einem Fuß auf den Anderen.
„Guten Abend, Herr Löwenstein.“ Sie räusperte sich unsicher. „Sind sie der Besitzer des schwarzen Jaguars auf dem Stellplatz 712?“
Als er nickte, fuhr sie hastig fort.
„Mein Name ist Ruth Weber und es tut mir schrecklich leid, aber mir ist da leider ein kleines Unglück beim Einparken passiert. Ich…“ Ruth stockte und schluckte schwer. „Ich habe, äh, ich bin, ich meine…“
Sein schelmisches Grinsen und das amüsierte Funkeln in seinen Augen verunsicherte sie über alle Maßen, so dass sie vollkommen den Faden verlor. All die schönen, wohlformulierten Sätze die sie vorbereitet hatte, waren komplett aus ihrem Geist verschwunden und so stand sie nur bebend vor ihm und sah ihn sprachlos an.
„Na!“ brach er das Schweigen, „jetzt kommen sie erst mal rein und beruhigen sie sich. Wir werden uns schon einig werden, da habe ich nicht die geringsten Zweifel!“
Er zwinkerte ihr aufmunternd zu, umfasste sanft ihren Ellbogen und zog sie in seine Suite.
Ruth, die immer noch mit den Worten rang, folgte ihm gehorsam und ließ sich zu einer Sitzgruppe führen.
„Bitte, nehmen sie Platz. Darf ich ihnen etwas zu trinken anbieten? Sie sehen so aus, als ob sie es gebrauchen können.“
Er trat an die Bar und blickte sie fragend an.
„Nein danke.“ Ruth schüttelte den Kopf. „Auf nüchternen Magen würde mir das nicht gut bekommen.“
Richard ignorierte ihre Absage einfach, mixte zwei Martini und stellte ein Glas vor sie auf den Couchtisch.

„Oh, dass trifft sich hervorragend. Ich habe schon ein Diner bestellt und würde mich freuen, wenn sie mit mir essen würden. Sollten sie allerdings eine Abneigung gegen Krustentiere haben, dann kann ich gerne etwas Anderes für sie ordern.“
Ruth sah ihn verblüfft an. Hatte er ihr nicht zugehört oder hatte sie so unverständlich gestammelt?
„Herr Löwenstein, ich glaube, sie haben mich nicht ganz verstanden. Ich bin hier, weil ich ihren Wagen gerammt habe!“ würgte sie hervor.
Richard grinste. Die Kleine machte ihre Sache wirklich gut. Ihre Geschichte war einfach, aber ließ ihm alle Möglichkeiten, sie in sein Bett zu bekommen, ohne dass sie sich ihm plump anbieten musste.
„Bitte sagen sie Richard zu mir. Und machen sie sich keine Sorgen, Ruth.“
„Lassen sie uns zuerst essen“ fuhr er fort, „und danach werden wir die Sache in aller Ruhe besprechen. Was halten sie davon?“
Zögerlich nickte sie. Wie konnte sie ihm seine Bitte abschlagen, ohne unhöflich zu wirken und ihn zu verärgern? Wo sie doch so dringend auf sein Wohlwollen angewiesen war.
„Wie sie wünschen. Aber“ Ruth stockte kurz und spielte verlegen mit ihrem Martiniglas, „was meinen sie mit Krustentieren?“
Richard grinste wieder.
„Hummer. Natürlich nur, wenn sie mögen.“
„Ich weiß nicht, ich hatte noch nie welchen, Und“ jetzt wurde es ihr wirklich peinlich, „ich habe keine Ahnung, wie man ihn isst.“
„Oh“ er lehnte sich entspannt zurück und hob sein Glas. „Dem kann ich abhelfen. Das passende Werkzeug liefert das Hotel und ich würde mich freuen, wenn ich ihnen heute Abend behilflich sein dürfte.“
Richard stieß auffordernd mit seinem Glas gegen das ihre und Ruth sah sich genötigt, seinen Toast zu erwidern und einen Schluck zu trinken. Sofort spürte sie, wie der Alkohol ihre Kehle hinab rann, sich warm in ihrem Magen ausbreitete und ihr zu Kopf stieg. Mist. Sie war noch nie eine große Trinkerin gewesen und hatte heute außer einem Croissant zum Frühstück nichts zu sich genommen, was ihr als Unterlage für den Martini dienen könnte.
„Möchten sie lieber einen anderen Aperitif? Martini scheint nicht ihr bevorzugtes Getränk zu sein“ bot ihr Löwenstein zuvorkommend an.
„Nein danke“ beeilte Ruth sich abzulehnen und nahm schnell noch einen großen Schluck um nicht unhöflich zu wirken. Sie musste auf alle Fälle dafür sorgen, ihn nicht zu verärgern und bemühte sich trotz ihrer Angst, entspannt zu wirken.
Allerdings verunsicherte er sie mit seinem verschmitzten Grinsen und dem schelmischen Blitzen seiner Augen so, dass ihre Hände zitterten und sie fast ihr Getränk verschüttet hätte.
Auch Löwenstein bemerkte verwundert ihre Nervosität.
„Sie machen das nicht oft, nicht wahr?“ konnte er sich nicht verkneifen zu fragen.
Ruth schoss das Blut ins Gesicht und sie senkte schnell den Kopf, damit er ihren aufkeimenden Zorn nicht sah.
Glaubte er denn, dass sie so eine miserable Fahrerin war, dass ihr das öfter wiederfuhr?
„Nein“ antwortete sie leise. „Das ist das erste Mal!“
Er fuhr erstaunt zurück und verbarg seine Verblüffung gekonnt, indem er an die Bar ging und zwei weitere Martinis mixte.
Donnerwetter! Er hatte sich eine Dame mit zurückhaltendem Auftreten gewünscht, da er die Zügel gerne selbst in der Hand hielt, aber niemals erwartet, dass ihm die Agentur eine vollkommene Anfängerin schicken würde. Andererseits, und hier stahl sich ein amüsiertes Grinsen auf seine Lippen, war es auch für ihn die erste Erfahrung mit einem Escort-Service und so passte es wohl ganz gut zusammen.
Außerdem fand er Ruth außerordentlich ansprechend und ihre Ängstlichkeit reizte ihn sehr.
Das Eintreffen des Zimmerservice unterbrach glücklicherweise die unangenehme Stille, die nach seiner indiskreten Frage eingetreten war und er atmete erleichtert auf.
Formvollendet wurde das Diner serviert und auch sein Wunsch nach einem zweiten Gedeck für seinen Gast wurde unverzüglich erfüllt, während der Sommelier kunstgerecht den bestellten Wein dekantierte.
Richard geleitete Ruth zu ihrem Platz und schob artig ihren Stuhl zurecht.
Er bemerkte die leichte, verlegene Röte die ihre Haut überzog und er bemühte sich, das Hotelpersonal so schnell wie möglich wieder hinaus zu komplementierte.
Das anzügliche Grinsen des Kellners, bei dem er noch eine Flasche Champagner orderte, war ihm nicht entgangen und er konnte sich vorstellen, wie unwohl sich Ruth dabei fühlen musste.
Mit einigen leise gemurmelten, warnenden Worten an den Oberkellner machte Richard seinem Unmut Luft und er war sich sicher, dass das Abräumen des Geschirrs und das Servieren des Champagners erheblich diskreter verlaufen würden. Vor allem, da er seinen Worten mit einem großen Geldschein Nachdruck verliehen hatte.
Richard bemühte sich um ein aufmunterndes Lächeln als er Ruth Wein einschenkte und sparte nicht mit Scherzen und lustigen kleinen Geschichten über seine eigenen, vergangenen Missgeschicke, während er ihr zeigte, wie man das köstliche Hummerfleisch aus der Schale löste. Glücklicherweise hatte er zwei Hummer bestellt, denn Ruth entspannte sich während des Essens zusehends und langte schließlich herzhaft zu. Er schaffte es, ein angenehmes Tischgespräch in Gang zu bringen und Richard war fasziniert, als er feststellte, dass Ruth sowohl in Politik und Literatur wie auch in Kunstgeschichte und Wirtschaft mit einem reichhaltigen und fundierten Wissen aufwarten konnte.

Im Verlauf des hervorragenden Essens und nicht zuletzt durch die Wirkung des exquisiten Weins, den Richard ihr ständig nachschenkte, fiel die Anspannung langsam von Ruth ab. Löwenstein war ein interessanter Gesprächspartner und sie stellte fest, dass er sie durch seinen Humor, seiner Gewandtheit und seinem Charme stark für sich einnahm. Ihre anfängliche Angst wich einer heiteren Stimmung und erstaunt bemerkte sie, dass er ganz unverblümt mit ihr flirtete und ihr dieses kleine Spiel begann, Spaß zu machen.
Schließlich lehnte sie sich zufrieden seufzend in ihrem Stuhl zurück und hob abwehrend die Hände, als Richard ihr ein weiteres Stück Hummer offerierte.
„Danke, es war wirklich köstlich. Aber wenn ich auch nur noch einen einzigen Bissen nehme, muss ich platzen.“
Richard lachte herzlich.
„Ich freue mich, dass es ihnen geschmeckt hat. Bei ihrer hübschen Figur hatte ich schon befürchtet, sie gehören zu den Damen, die eine Dauerdiät halten. Aber anscheinend scheinen sie ein gutes Essen ebenso zu genießen wie ich es tue.“
Er erhob sich und trat galant zu ihr, um ihr eine silberne Schale, die mit Wasser und Zitronenscheiben gefüllt war, zu reichen. Erstaunt sah Ruth zu ihm auf, bis er die Schale vor ihr abstellte, sanft ihre Hand ergriff und ihre Fingerspitzen hinein tauchte.
Vor Verlegenheit errötend biss Ruth sich auf die Lippen.
Natürlich, eine Fingerschale! Für wie dumm musste er sie nur halten!
Beschämt wollte sie ihm ihre Hand entziehen, aber er hielt sie fest, strich aufreizend leicht mit dem Daumen über ihren Handrücken und bat:
„Wenn sie erlauben? Es wäre mir ein Vergnügen!“
Ruth nickte stumm und ließ ihn gewähren.
Behutsam tauchte er nacheinander ihre Hände zusammen mit den seinen in das Wasser und trocknete sie schließlich zart mit einem weichen Tuch ab. Sein Griff um ihre Rechte verstärkte sich und ehe Ruth es verhindern konnte, hob er ihren Arm und fuhr mit seinen Lippen über die empfindliche Innenseite ihres Handgelenks.
Ein warmes Prickeln lief über ihre Haut und überrascht keuchte sie auf, als er sie sanft auf die Füße zog und Anstalten machte, sie sie in seine Arme zu ziehen.
Nur das Läuten des Zimmerservice rettete sie in diesem Moment.
Weltmännisch trat er einen Schritt zurück, drückte noch einen leichten Kuss auf Ruths Fingerspitzen und führte sie zu der ledernen Sitzgruppe vor dem Kamin, während das Hotelpersonal den Tisch abdeckte und den Champagner öffnete.
Als sich die Tür hinter dem letzten Kellner geschlossen hatte, trat er mit einen gefüllten Glas in jeder Hand zu ihr.

Ruth war völlig durcheinander.
Gebannt starrte sie in die künstlichen Flammen des Kamins und wandte Richard bewusst den Rücken zu, so dass er die Verwirrung, die sich in ihren Zügen spiegelte, nicht sehen konnte.
Gewiss, Löwenstein war ein äußerst attraktiver Mann und er gefiel Ruth sehr. Er war gebildet, hatte hervorragende Manieren und war augenscheinlich auch sehr vermögend, aber das Tempo mit dem er ihre Bekanntschaft vorantrieb, raubte Ruth schlichtweg den Atem.
Vor allem, da sie die Sache mit seinem Jaguar noch immer nicht geklärt hatten.
„Ruth?“
Sie zuckte leicht zusammen, als seine warme Stimme dicht an ihrem Ohr ertönte und wandte sich zu ihm um.
Sein herzliches Lächeln entblößte sein strahlendes Raubtiergebiss und er reichte ihr ein Glas Champagner.
Ruth schluckte schwer. „Herr Löwenstein…“ begann sie, wurde aber sofort von ihm unterbrochen.
„Na, ich dachte, wir hätten uns auf Richard geeinigt?“
„Also gut, Richard.“ Wieder musste Ruth schwer schlucken, aber sie riss sich zusammen und fuhr fort, wobei sie aufgeregt mit dem Glas in ihren Händen spielte. „Ich danke ihnen für dieses wundervolle Essen, aber ich würde jetzt gerne besprechen, wie wir den Schaden an ihrem Wagen regulieren können!“

Ah! Richard grinste schief. Jetzt kam der geschäftliche Teil des Abends. Eigentlich hatte er sich damit noch etwas Zeit lassen wollen, denn sie war für die ganze Nacht gebucht und bereits bezahlt, aber vermutlich war Ruth so nervös, dass sie die Angelegenheit etwas vorantreiben wollte.
Na gut, so war es ihm auch recht, denn er musste zugeben, dass ihn ihre Nähe bereits sehr erregt hatte und er keinerlei Vorbehalte hegte, ihr sofort noch etwas näher zu kommen.
Er hob sein Champagnerglas zum Toast, nahm einen großzügigen Schluck und stellte es schließlich auf einen kleinen Beistelltisch, wobei ihm nicht entging, dass Ruths Augen jeder seiner Bewegungen folgten. Dann trat er hinter sie, legte vorsichtig seine Hände auf ihre Schultern und beugte den Kopf herab, so dass er den wundervollen Duft ihres Haars einatmen konnte. Sanft strich er eine Strähne beiseite und senkte seine Lippen auf die zarte Haut unterhalb ihres Ohrläppchens.
„Mir schwebt da schon ein ganz bestimmter Schadenersatz vor“ murmelte er leise und ließ dabei seine kräftigen Hände ungeniert über ihre Arme wandern, bis sie auf ihren Hüften zu liegen kamen. Er zog sie an sich und brummte zufrieden, als sich ihr kleines Hinterteil an seine Oberschenkel schmiegte und ihr Rücken gegen seine anschwellende Männlichkeit drückte.

Ruth versteifte sich, als sie die Berührung seiner Hände und die Nähe seines Körpers spürte. Seine Lippen an ihrem Hals verursachten ihr eine wohlige Gänsehaut und die Härte seiner Erektion, die sie nur zu deutlich durch den dünnen Stoff ihres Kleides spürte, erregte sie, doch seine Worte ließen sie zittern.
So war das also.
Verunsichert von seinem Angebot senkte sie das Gesicht und die Gedanken überschlugen sich in ihrem Kopf. Wahrscheinlich würde die Reparatur seines Jaguars ein paar tausend Euro kosten, Ellas Versicherung würde für den Schaden nicht aufkommen und ihr eigenes Konto war heillos überzogen. Ruth seufzte lautlos als sie erkannte, dass ihr keine Alternative zu seinem Angebot offen stand.
Immerhin hätte sie es schlimmer antreffen können. Löwenstein war ein gutaussehender, kultivierter und charmanter Mann und bot ihr einen fürstlichen Gegenwert dafür, dass sie mit ihm schlief. Ganz abgesehen davon, dass sie seine Annäherung wirklich nicht unangenehm fand. Und unter anderen Umständen würde sie diese sogar sehr genießen.
„Und sie würden sich wirklich mit diesem Schadenersatz zufrieden geben?“ flüsterte sie schließlich tonlos.
„Natürlich!“ hauchte Richard warm in ihr Ohr. „Ich gebe dir mein Ehrenwort!“
Ruth setzte ihr Glas ab und drehte sich mit zitternden Knien zu ihm um.
Das warme Leuchten, das in seinen Augen erschien, als sie ihre Hände auf seine Brust legte und den Kopf zu ihm hob, überzeugte sie von seiner Aufrichtigkeit, doch mehr als ein schwaches, wortloses Nicken brachte sie nicht zustande.
Behutsam strich er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und fuhr anschließend zart mit den Fingerspitzen über ihre Wange und ihren Mund.
Ruth schloss die Augen und ihre Lippen bebten leicht, als sich sein Mund heiß auf den ihren senkte. Er küsste sie erst sanft und dann immer fordernder, bis sie schließlich ihre Lippen öffnete und seine Zunge begann, die ihre neckend zu umkreisen.
Dabei hielten seine Arme sie fest umfangen und Ruth musste sich ganz auf seinen Halt verlassen, als sich ihre Knie unter seinem starken Drängen in Pudding zu verwandeln schienen und ihr Herz zu rasen begann.
Schließlich wanderte sein Mund über ihren Hals und während er sanft an ihrem Ohrläppchen knabberte, flüsterte er: „Ich würde ganz gerne vorher duschen, wenn du nichts dagegen hast. Noch angenehmer fände ich es, wenn du mich begleitest.“
Ruth biss sich unsicher auf die Lippe und nickte zögerlich. Doch als sie Anstalten machte, sich von ihm zu lösen, umschlangen seine Arme sie erneut und sie keuchte überrascht auf, als er sie mit einer schwungvollen Bewegung auf seine Arme hob.
Lausbubenhaft grinsend trug er sie in das überaus luxuriöse Badezimmer und begann, sofort nachdem er sie wieder auf ihre Füße gestellt hatte, die Knöpfe ihres Kleides zu öffnen.
Erstaunt bemerkte Ruth, dass auch seine Hände dabei nicht sonderlich ruhig blieben.

Richard knurrte ungeduldig, als ihm dieser widerspenstige Knopf zum zweiten Mal durch die Finger schlüpfte. Seine Erregung war mittlerweile so übermächtig, dass seine Finger leicht zitterten und er verspürte den fast schon schmerzhaften Druck seiner Erektion. Verdammt, er hatte schon viel zu lange keine Frau mehr gehabt und nun war er so angespannt wie ein Teenager. Als ihm der Knopf zum dritten Mal aus den Fingern glitt, stand er kurz davor, Ruths Kleid einfach zu zerreißen, bevor sich ihre Hände sanft über die seinen schoben.
„Lass mich das machen“ flüsterte sie und öffnete ihr Oberteil, so dass Richard es aufatmend über ihre Schultern streifen konnte. Leise raschelnd sank das Kleid zu Boden während Ruth aus ihren Schuhen stieg und beides mit einem kleinen Tritt zur Seite beförderte.
Richard umfasste Ruths Unterarme und schob sie ein Stück von sich um sie ungehindert betrachten zu können.
Bewundernd ließ er seine Augen über ihren schlanken Körper, der nur noch von einem winzigen Slip aus Spitze und einen ebensolchen Büstenhalter bedeckt wurde, streifen.
Heiße Röte kroch über Ruths Haut, als sie seinen brennenden Blick spürte und um ihre Verlegenheit zu überspielen, begann sie, sein Hemd aufzuknöpfen. Zart strichen ihre Hände über seine muskulöse, von blondem Kraushaar bedeckte Brust und wie von selbst folgten ihre Finger kraulend dem lockigen Streifen Haars bis hinunter zum Bund seiner Hose, womit sie ihm ein sehnsüchtiges Seufzen entlockte.
Unübersehbar trat die harte Wölbung in seinem Schritt hervor und als Ruth leicht ihre Hand darüber schob hörte sie, wie er scharf Luft durch die Zähne einzog.
„Ruth!“ Sie erschrak, als er sie plötzlich ansprach und hob schnell die Augen.
„Ruth, ich…“ Er stockte, räusperte sich und zog vorsichtig ihre Hand fort, um sie anschließend auf seine Brust zu legen und mit seiner zu bedecken. Verwundert stellte sie fest, dass sich nun ein leichter Hauch von Verlegenheit über seine männlichen Züge legte.
„Ruth, ich habe dieses Vergnügen schon lange nicht mehr genossen. Bitte vergib mir, wenn ich ein wenig“ er grinste schief, „eilig bin.“

Ein verschmitztes Lächeln kräuselte Ruths Lippen.
Sieh an, dachte sie, selbst dieses Raubtier ist nicht so selbstsicher, wie er tut.
Wobei er ihr durch dieses verlegene Geständnis noch sympathischer wurde, als das zuvor schon der Fall gewesen war.
Sie senkte ihre Lippen auf seine Brust und knabberte zart an seiner Haut, bevor sie erwiderte:
„Ist schon in Ordnung, Richard. Aber wenn du wirklich vorher duschen möchtest, sollten wir uns vielleicht ein wenig damit beeilen!“

Ein breites Grinsen zog über sein Gesicht als er blitzschnell den Verschluss von Ruths Büstenhalter löste und ihr diesen auszog. Ebenso schnell streifte er ihr Höschen herunter so dass sie keinerlei Gelegenheit bekam, Widerspruch dagegen zu äußern.
Sie spürte, wie seine Augen begehrlich über ihre kleinen Brüste mit den bereits harten Warzen glitten und schließlich an dem sorgfältig gestutzten Dreieck ihres Schamhaars hängen blieben.
Um nicht der Versuchung nachzugeben, ihre Blöße mit den Händen zu bedecken, hob Ruth die Arme und steckte ihre Haare auf, wobei sie sich darüber bewusst war, dass sie ihm so ihre Brüste und ihre schlanken Statur besonders gut präsentierte.
Richard nutzte die Gelegenheit, um sich selbst aus Schuhen und Hosen zu befreien und Ruth lief ein Schauer der Erregung über den Rücken, als sie aus den Augenwinkeln sah, wie sein bereits prächtig erigierten Schwanz zum Vorschein kam. Sie spürte, wie ihr das Blut heiß in den Unterleib schoss und auch ihre Wangen brannten. Noch immer unsicher, wandte sie Richard den Rücken zu und trat als Erste in die Dusche, die alleine schon fast so viel Raum einnahm, wie ihr ganzes Hotelzimmer. Nervös und von der Anzahl der Hebel und Knöpfe überwältigt, betätigte sie aufs geradewohl einige der Armaturen und stieß einen kleinen, spitzen Schrei aus, als plötzlich von allen Seiten kaltes Wasser auf sie einströmte. Richards tiefes Lachen ertönte und er bemühte sich, sie so gut wie möglich mit seinem eigenen Körper abzuschirmen, bis er die Temperatur auf eine angenehme Wärme reguliert hatte.
Fröstelnd schmiegte sie sich an Richard, der seinen Arm um sie legte und ihr die nassen Haarsträhnen aus dem Gesicht strich, während er leise lachte.
„Du dachtest wohl, ich könnte eine kleine Abkühlung gebrauchen, hm?“ fragte er sie und zog sie noch ein wenig enger an sich, bis ihre harten Nippel gegen seine Brust drängten und sein Schwanz zuckend an ihren Bauch stieß.
Ruth grinste verlegen.
„Gebrauchen könntest du sie bestimmt, aber ich glaube nicht, dass dir kaltes Wasser alleine noch helfen würde.“
Mittlerweile rieselte warme Tropfen wie ein kräftiger Sommerregen auf sie herunter und Ruth befreite sich aus seiner Umarmung, ergriff eine Flasche Shampoo und einen flauschig weichen Schwamm. Vorsichtig begann sie, Richard einzuseifen und sie wurde von seinem wohligen Seufzen belohnt, als sie mit kleinen, kreisenden Bewegungen über seine Schultern und seine Brust rieb. Mehrmals musste sie ihm sanft aber bestimmt auf die Hände klopfen, wenn er sie völlig aus dem Takt brachte, indem er über ihre Brüste strich und ihre bereits harten Knospen zwischen seinen Fingern zwirbelte oder sich seine Hand zu dem kleinen, pelzigen Dreieck ihrer Scham verirrte. Jeder dieser sanften Übergriffe schickte heiße Wellen von Lust durch Ruths Körper und ihre Knie begannen wieder zu zittern. Nicht nur er hatte dieses Vergnügen schon lange nicht mehr genossen und zu ihrem Erstaunen bemerkte Ruth, wie ausgehungert sie selbst nach Zärtlichkeiten und Sex war.
Als sie seinen Oberkörper zu ihrer Zufriedenheit gesäubert hatte und ihr der Mut fehlte, sich mit dem Schwamm tiefer vorzuarbeiten, bat sie ihn, sich umzudrehen und begann, seinen Rücken zu schrubben. Richard stützte sich mit beiden Händen gegen die Wand und bewundernd fuhr sie über die Muskeln, die an seinen Armen und Schultern hervortraten. Forscher geworden, ließ sie es sich auch nicht nehmen, seine knackigen Hinterbacken mit Schaum zu streicheln und erntete dafür von ihm ein tiefes, zufriedenes Brummen.
Als Richard sich unerwartet zu ihr umdrehte, streifte ihre Hand versehentlich über sein prall erigiertes, steil emporragendes Glied und er stöhnte kehlig auf. Vor Schreck hätte Ruth fast den Schwamm fallen lassen und die Muskeln in ihrem Unterleib zogen sich köstlich zusammen, als sich ihre Blicke trafen und sie das tiefe, wilde Verlangen in seinen Augen las.
Richard nahm ihr den Schwamm aus der Hand, warf ihn zur Seite und das schelmische Grinsen erschien wieder in seinem Gesicht.
„So, meine Hübsche“ sagte er lächelnd, „nun bist du an der Reihe.“
Genüsslich goss er eine große Portion Shampoo in seine Handfläche und begann mit zarten Bewegungen, Ruths Schultern einzuseifen. Sanft kneteten seine Finger dabei ihre Muskeln und Ruth schloss selig die Augen, als er seine Hände tiefer wandern ließ. Andächtig umkreiste er langsam ihre Brüste, bis er sich spiralförmig nach innen vorarbeitete und schließlich mit den Fingerspitzen ihre harten Knospen umspielte, bis sie sich auf die Lippen beißen musste, um nicht laut und wollüstig zu stöhnen.

Entzück betrachtete Richard ihre Gesicht.
Ihre ebenmäßigen kleinen Zähne gruben sich in ihre Unterlippe und sie hatte den Kopf entspannt in den Nacken gelegt während sich ihre Brüste seinen Händen lustvoll entgegen reckten. Ihm entging weder ihr leichtes Zittern, noch das sich ihre Atmung merklich beschleunigt hatte, seit er mit ihren harten Nippeln spielte und er war bereit, sein gesamtes Vermögen darauf verwetten, dass sie wirklich Lust empfand und diese nicht nur gut spielte, um einem zahlenden Kunden zu gefallen.
Langsam ließ er eine Hand tiefer gleiten, streichelte mit kreisenden Bewegungen über ihren flachen Bauch und kraulte durch die kurzen Löckchen, bis seine Finger schließlich den Weg zu ihrer Scham fanden. Er schob vorsichtig seine Hand zwischen ihre Schenkel und sie spreizte bereitwillig ihre Beine ein wenig, um ihm leichter Zugang zu gewähren.
Ein inniges Stöhnen drang an sein Ohr, als seine Fingerspitzen gegen ihre geschwollene Perle stießen und er lächelte, als er ihre prall durchbluteten Schamlippen teilte und die reichlich vorhandene Nässe dazwischen ertastete.
Die Gewissheit, dass Ruth genau so gierig wie er selbst war, brachte ihn fast um den letzten, kläglichen Rest seiner Beherrschung. Am liebsten hätte er sie sofort hier in der Dusche genommen, aber er riss sich eisern zusammen. So erregt wie er war, würde es für sie beide nur ein kurzes Vergnügen werden und er bemerkte zu seiner eigenen Überraschung, dass er nicht nur sich selbst befriedigen, sondern auch dafür sorgen wollte, dass sie ihren Spaß hatte.
Während das Wasser den letzten Rest Schaum von Ruths Haut spülte, drang er sanft mit zwei Fingern in sie ein und erntete einen kleinen, lustvollen Ausruf, als er anscheinend genau den richtigen Punkt in ihr berührte.

Ruth riss die Augen auf und konnte nicht verhindern, dass sich ein Schrei von ihren Lippen löste. Ihre Knie gaben unter ihr nach und sie sank gegen Richard, der sie sofort mit den Armen umschlang und ihren Kopf an seine Brust zog. Keuchend lehnte sie sich an ihn und nahm dankbar war, wie er das Wasser abdrehte und ein großes, flauschiges Handtuch um sie beide schlang. Er half ihr, die Dusche zu verlassen und rubbelte sie sanft trocken, wobei er seinen heißen Mund immer wieder über ihre hochempfindliche Haut streifen ließ. Schließlich ging er vor ihr auf die Knie um ihre Beine abzutrocknen und Ruth musste sich gegen den Waschtisch lehnen, um nicht auf ihn zu stürzen, so sehr schlackerten ihre Beine.
Zart fuhr er mit dem Handtuch über ihre Glieder und als er ihre Schenkel mit sanftem Druck spreizte, hörte sie, wie er tief die Luft einsog.
Als er seinen Kopf zwischen ihre Schenkel schob und sie die erste, vorsichtige Berührung seiner Zunge an ihrer Perle spürte, glaubte sie, ihr Herz würde stehen bleiben.
Ihre Hände gruben sich in sein Haar und während er über ihre pralle Klit leckte, wobei er sie auch vorsichtig seine Zähne spüren ließ, drang er erneut mit seinen Fingern in ihre heiße, feuchte Grotte ein. Ruth, die in ihrer Lust nur noch hilflos zitterte, blieb nicht viel anderes zu tun, als ihre Schenkel weit für ihn zu spreizen und sich ihm stöhnend auszuliefern.
Noch nie hatte ihr ein Mann mit dieser Hingabe einen solchen Liebesdienst erwiesen, wie Richard es in diesem Moment tat und sie war vollkommen außer sich. Immer wieder drangen seine Finger in sie und sie war mittlerweile so feucht, dass kleine, schmatzende Geräusche dabei ertönten. Genüsslich fuhr seine Zunge durch ihre Nässe und er stöhnte heiser:
„Weißt du eigentlich, wie wundervoll du riechst und wie köstlich du schmeckst?“
Unfähig, ihm eine vernünftige Antwort zu geben, lehnte Ruth sich noch weiter zurück.
Richard schob seine Schultern unter ihre Knie und hob sie ein wenig hoch, so dass sie nun auf dem Waschtisch saß und er noch besseren Zugang zu ihrer Spalte fand. Sanft spreizte er ihre Schamlippen und als seine Finger tief in sie stießen und er gleichzeitig seine Zähne sanft um ihre Perle schloss, konnte Ruth sich nicht mehr beherrschen. In diesem Moment war es ihr vollkommen egal, ob das ganze Hotel Zeuge ihrer Lust wurde und sie schrie sich fast heiser, als die Wogen über ihr zusammen schlugen und sich ihr Unterleib zuckend verkrampfte. Kaum bekam sie noch mit, wie Richard zufrieden lächelnd aufstand, sie auf seine Arme hob und ins Schlafzimmer trug. Erst, als er sie vorsichtig auf den kühlen Laken ablegte, öffneten sich ihre Augen und Richard grinste, als er den verklärten Ausdruck darin sah. Sachte schob er sich über sie und stützte seine Hände neben ihrem Kopf ab, während er ihr unverwandt in die Augen sah.
Ein seliges Lächeln umspielte ihre Lippen als sie die Arme hob, die Hände um seinen Nacken legte und ihren Mund auf seinen presste. Ihre Schenkel öffneten sich für ihn und Richard sank seufzend auf sie herab. Als Ruth spürte, wie die Spitze seines Glieds gegen ihre heiße Pforte stieß, hob sie ihm ihr Becken entgegen und hieß ihn willkommen.

***
Zufrieden, aber müde öffnete Richard die Augen. Das unangenehme Schrillen seiner Uhr hatte ihn aus dem Schlaf gerissen und er wälzte sich zur Seite, um für Abhilfe zu sorgen.
Leicht enttäuscht fuhr seine Hand über den leeren Platz neben ihm und er seufzte, denn er hatte sich gewünscht, Ruth noch zu sehen und sie zum Bleiben überreden zu können.
Die Bettwäsche verströmte noch ihren köstlichen Geruch und er konnte es sich nicht verkneifen, seine Nase in eines der Kissen zu drücken und tief einzuatmen.
Wieder läutete seine Uhr, dieses Mal noch eindringlicher und fluchend schwang er die Beine aus dem Bett. Mist, er war schon ziemlich spät dran und hatte nach der vergangenen Nacht eine Dusche dringend nötig.

Gerade als er es geschafft hatte, den erregenden Geruch von Frau, Sex und Schweiß von sich zu schrubben und in seine Hosen gestiegen war, ertönte auch schon der Türgong.
Leise fluchend öffnete er und ließ seinen Partner ein, der, als er Richard halb angezogen erblickte, ziemlich schief grinste und ihm zur Begrüßung wuchtig auf die Schulter schlug.
„Na, alter Freund, hast wohl ne´ harte Nacht hinter dir, was?“
Richard brummte zwar nur eine undeutliche Antwort, erwiderte aber das Grinsen seines Freundes.
„Richard, du hast hoffentlich nicht über deinen Hormonschub vergessen, dass du heute den ersten Termin für mich übernehmen wolltest?“ fragte dieser vorwurfsvoll.
Richard stöhnte gequält auf und warf sich ein sauberes Hemd über.
„Verdammt, Thomas, ich hab es wirklich vergessen. Gib mir schnell nochmal ein paar Stichworte“ bat Richard und suchte nach seinen Schuhen.
„Also“ begann sein Freund „in Kurzfassung: wir haben die Anfrage einer Stiftung erhalten, ob wir bereit wären, ihre gute Sache zu fördern, indem wir auf den Verpackungen unserer Produkte für sie werben und natürlich am liebsten auch gleich einen Teil des Verkaufserlöses als Spende an sie abführen. Soweit ich informiert bin, handelt es sich bei dieser Stiftung um eine Vereinigung alter Damen, die ihr Vermögen dazu verwenden, Kinder aus sozial schwachen Familien zu fördern, sie in Sachen Bildung zu sponsern, dafür zu sorgen dass sie eine anständige warme Mahlzeit am Tag bekommen und so weiter und so fort. Wenn du mich fragst“ fuhr Thomas fort „bringt uns das nichts und du kannst den Termin schnell hinter dich bringen.“
Während Richard auf der Suche nach seinem Handy war, musterte er Thomas mit einem fragenden Stirnrunzeln.
„Warum stehst du der Sache so ablehnend gegenüber? Hört sich doch alles ganz gut an und würde uns bestimmt die Publicity bringen, die wir brauchen können.“
Thomas schnaubte abfällig.
„Gute Publicity bekommst du mit Fotos von halbverhungerten, großäugigen schwarzen Babys, nicht mit Bildern von verlausten Gören aus den Problemvierteln der Großstädte deren Eltern ihr Geld versaufen!“
Richard schenkte ihm ein weiteres, ungnädiges Stirnrunzeln, immer noch auf der Suche nach seinem Handy.
„Du bist ganz schön sarkastisch mein Freund. Und ich denke dass es nicht schaden könnte sich für einen wohltätigen Zweck zu engagieren, der in unserem eigenen Vorgarten liegt. Außerdem könnten wir es steuerlich geltend machen, denk auch mal daran!“
Thomas zuckte nur mit den Schultern und sah Richard dabei zu, wie er seine soeben gefundene Brieftasche einsteckte. Sein Freund schien ihm heute, entgegen seinem normalen Verhalten, ziemlich unorganisiert zu sein und er konnte sich nicht verkneifen zu fragen:
„Die Kleine muss ja echt eine Granate im Bett gewesen sein, so wie du heute Morgen durch den Wind bist, was?“
Das breite Grinsen, das über Richards Gesicht zog, sprach Bände.
„Du weißt doch, der Gentleman genießt und schweigt. Aber wenn ich endlich mein blödes Telefon gefunden habe, werde ich direkt ihre Agentur anrufen und sie mir für den Rest der Messe reservieren.“
Thomas Augenbrauen hoben sich überrascht und er musterte Richards Gesicht, bevor er versuchte, vorsichtig zu formulieren, was ihm durch den Kopf ging.
„Richard, nichts für ungut, aber du wirst dich doch wohl da nicht in irgendwas Unüberlegtes verrannt haben, oder?“
Als ihn Richards fragender Blick traf, beeilte er sich, fortzufahren.
„Du bist dir doch hoffentlich darüber im Klaren, dass die Kleine, so gut sie auch gewesen sein mag, eine Nutte ist. Eine Edelnutte zwar, aber doch eine Nutte.“
Der düstere Blick, den Richard ihm zuwarf, sprach Bände, aber noch bevor er Thomas eine hitzige Erwiderung geben konnte, ertönte der unverwechselbare Klang seines Handys und er zog es aufatmend unter einem Sofakissen hervor.
„Löwenstein“ bellte er in den Hörer und selbst Thomas, der nur neben ihm stand, zuckte bei dem erbosten Klang seiner Stimme zusammen. Der halbe Dialog, den er nachfolgend mithörte, gab ihm allerdings Rätsel auf.
„Nein, kein Grund sich zu entschuldigen“ sagte Richard gerade, „ich war hochzufrieden. – Nein, warum sollte das sarkastisch gemeint sein? - Da muss doch bestimmt ein Irrtum vorliegen. – Sind sie sich wirklich sicher? – Nein, ich meine ja, Herrgott nochmal!“
Erstaunt sah Thomas zu, wie Richard das Gespräch beendete und mit einem völlig entgeisterten Gesichtsausdruck reglos im Zimmer stand, bis er plötzlich rief: „Verflucht, mein Auto!“ und wie von der Tarantel gestochen aus der Suite stürmte. Thomas gelang es eben noch, hinter ihm in den Aufzug zu springen, bevor sich die Türen vor seiner Nase schlossen und er musste mit ansehen, wie Richard auf dem Knopf für die Tiefgarage herum hämmerte, als könne er die Fahrt des Lifts damit beschleunigen. Kein vernünftiges Wort war aus ihm heraus zu bekommen und auch Thomas vorsichtig vorgetragene Anregung, dass er doch wenigstens sein Hemd zuknöpfen möge, prallte ohne Reaktion an ihm ab.
So fasste er sich in Geduld und rannte schließlich hinter seinem aufgelösten Freund durch die Tiefgarage, bis dieser wie vom Donner gerührt vor seinem neuen Jaguar stehen blieb.
Thomas begutachtete den Wagen und pfiff durch die Zähne.
„Mein lieber Mann, da hat dir aber jemand einen schönen großen Kratzer verpasst. Dürfte nicht ganz billig werden der Spaß. Hat dich gerade der Verursacher angerufen?“
Richard schüttelte nur schweigend den Kopf, ließ die Schultern hängen und murmelte: „Ich erzähl es dir auf der Fahrt. Aber jetzt brauch ich erst mal einen Scotch.“

***
Ruth rührte nervös in ihrem langsam kalt werdenden Cappuccino und ging nochmals ihr sorgfältig ausgearbeitetes Konzept durch, um sich zu beschäftigen während sie wartete. Ihr schwerer Kopf und die dunklen Ringe unter ihren Augen kündeten davon, dass sie in dieser Nacht viel zu wenig Schlaf bekommen hatte und sie musste sich immens zusammenreißen, um nicht ständig zu gähnen.
Erst im frühen Morgengrauen war Richard eingeschlafen und Ruth hatte über eine halbe Stunde benötigt, um sich vorsichtig und ohne ihn zu wecken aus seiner Umarmung zu befreien, in ihre Kleidung zu schlüpfen und aus der Suite zu schleichen. In ihrem eigenen Zimmer hatte sie nur einen sehnsüchtigen Blick auf ihr unberührtes Bett geworfen und sich nach einer schnellen Dusche rasch präsentabel angekleidet, bevor sie das Hotel ziemlich hastig verlassen hatte. Auf keinen Fall wollte sie Richard an diesem Morgen noch einmal begegnen. Ihre Wangen brannten vor Verlegenheit wenn sie daran dachte, was er in dieser Nacht mit ihr angestellt hatte und die Röte wurde noch tiefer als ihr einfiel, wie sehr sie es genossen hatte. Unwillig schüttelte sie den Kopf, als ihre Gedanken Gefahr liefen, wieder zu seinem schönen Körper zu wandern und sie presste die Schenkel unter dem engen Rock zusammen, als ihr das Blut bei dieser Erinnerung heiß in die Lenden schoss. Verzweifelt versuchte sie, sich selbst einzureden, dass die Begegnung mit Richard sozusagen eine rein geschäftliche Angelegenheit gewesen war und sie rief die Schmetterlinge in ihrem Bauch streng zur Ordnung. Außerdem musste sie sich auf das schon längst überfällige Gespräch konzentrieren, immerhin war schon das teure Hotelzimmer völlig umsonst gewesen und sie wollte den Termin auf keinen Fall verpatzen.

***
Als Richard endlich auf der Messe eintraf, herrschte auf dem großzügig angelegten Stand seiner Firma bereits reger Andrang, aber sein grimmiger Gesichtsausdruck bewahrte ihn davor, sofort von Mitarbeitern oder Kunden mit Beschlag belegt zu werden.
Zu einem vernünftigen Gespräch wäre er im Moment sowieso nicht in der Lage denn alle seine Gedanken kreisten darum, wie er bloß Ruth wiederfinden könnte, denn sein Versuch, den Empfangschef zu bestechen, damit er ihm ihre Adresse gab, war leider kläglich gescheitert. Die einzige Möglichkeit, ihn zur Herausgabe ihrer Daten zu bewegen hätte darin bestanden, die Polizei zu verständigen und eine Anzeige wegen der Beschädigung seines Wagens zu erstatten, aber dazu war er beim besten Willen nicht bereit gewesen.
Nur seine langjährige Sekretärin wagte es, ihn anzusprechen als er sich durch die Menschenmenge auf dem Stand schlängelte und wies ihn vorsichtig darauf hin, dass die Dame von der Stiftung bereits seit einer geschlagenen halben Stunde im Besprechungsraum auf ihn wartete. Seufzend erklomm Richard die Treppe in den oberen Stock, öffnete schwungvoll die Tür und erstarrte mitten in seiner Begrüßung.
„Ruth!“
Die Frau, die bis zu diesem Moment am Besprechungstisch gesessen hatte, fuhr auf und sah genauso überrascht aus, wie er sich fühlte.
„Ruth!“
Er stürzte auf sie zu und ergriff ihre Hände. Kalt waren ihre Finger und in ihren Augen spiegelte sich seine eigene Verblüffung wieder.
„Richard“ stotterte sie, „das muss ein Irrtum sein. Ich bin mit Herrn Habermann verabredet.“
Ihr Gegenüber grinste erleichtert darüber, sie so unverhofft gefunden zu haben und erwiderte:
„Den vertrete ich. Aber ich sollte eigentlich Frau Wilhelms treffen.“
Ruth nickte „Frau Wilhelms ist leider erkrankt und ich bin statt ihrer hier.“
Richard grinste noch immer wie ein kleiner Junge, der gerade einen Jahresvorrat an Gummibärchen geschenkt bekommen hatte und hielt ihre Hände in den seinen.
„Ruth, ich bin so froh, dass ich dich sehe“ sprudelte es aus ihm heraus. „Gestern hat es ein schlimmes Missverständnis gegeben das ich sofort aufklären möchte.“
Noch immer erschrocken über Richards plötzliches Auftauchen und durch seine Worte misstrauisch geworden, wich Ruth ein Stück zurück und entzog ihm ihre Hände.
„Was meinst du damit, Richard?“
Er setzte sich auf die Kante des Besprechungstischs, fuhr mit der Hand durch seine widerspenstigen Locken und räusperte sich, bevor er sprach.
„Ruth, ich will ehrlich zu dir sein. Gestern Abend habe ich eine Dame von einem Escort-Service erwartet. Als du vor der Tür standest, und ich muss zugeben, dass du genau meinen Erwartungen entsprochen hast, habe ich dich für sie gehalten. Erst als mich die Agentur heute Morgen anrief und dafür entschuldigte, dass die Dame, die ich bestellt hatte, den Termin wegen einem Unfall nicht wahrnehmen konnte und ich mir danach meinen Jaguar angesehen habe, ist mir klar geworden, dass ich dich verwechselt habe. Ruth“ er stockte und sah ihr tief in die Augen, „was ich zu dir sagte, war ehrlich nicht ernst gemeint!“
Ruth wich noch ein Stück zurück bis sie die Wand in ihrem Rücken spürte und ihre Unterlippe begann zu zittern.
„Was hast du nicht ernst gemeint“ fragte sie ihn vorsichtig.
Richard lächelte entschuldigend „natürlich das mit dem Schadenersatz. Ich hätte dir niemals einen solchen Vorschlag gemacht, wenn ich gewusst hätte, wer du bist und das du wirklich meinen Wagen gerammt hast!“
Bestürzt senkte Ruth den Kopf und Tränen schossen in ihre Augen.
Dieser verdammte Schweinehund!
Und sie war drauf und dran gewesen, sich in ihn zu verlieben!
Dass er sie für eine Prostituierte gehalten hatte erschreckte sie zwar, war aber noch verkraftbar. Aber wo sollte sie denn jetzt bloß das Geld für die Reparatur seines Wagens hernehmen?
Salzige Feuchtigkeit lief über ihre Wangen und Richard erbleichte, als sie den Kopf hob. Hass und Schmerz blitzten aus ihren Augen und schlagartig wurde er sich bewusst, was er doch für ein riesengroßer Trottel war. Wie hatte er ihr nur erzählen können, dass er sie für eine Nutte gehalten hatte! Und was sollte er jetzt weiter sagen? Ruth, ich war zwar der Meinung, dass du eine Prostituierte bist, habe mich aber trotzdem in dich verliebt?
„Ruth“ er streckte bittend die Hand nach ihr aus, aber sie schlug sie mit einer hastigen Bewegung zur Seite.
„Nein“ flüsterte sie tonlos. „Fassen sie mich nicht an.“
Dann drehte sie sich abrupt um und ging hoch erhobenen Hauptes zur Tür. Richard sah ihr wie erstarrt nach und zuckte zusammen, als sie ihre letzten Worte zu ihm sprach, bevor sich die Tür des Besprechungsraums mit einem heftigen Knall hinter ihr schloss.
„Und keine Angst, Herr Löwenstein“ sagte sie eisig „ich werde den Schaden an ihrem Wagen regulieren und wenn es das Letzte ist, was ich tue!“

***
Hundemüde und sterbenselend war es Ruth, als sie aus der Straßenbahn stieg.
Gestern war sie Richard nur um Haaresbreite entwischt, als er aus Leibeskräften ihren Namen rufend, quer durch die Messehallen hinter ihr her gestürmt war und nur eine große Gruppe aufgeregt schnatternder und ununterbrochen fotografierender Asiaten hatte sie vor ihm gerettet. Da Richard anscheinend selbst zu höflich war, um mitten durch die Menge zu pflügen, hatte Ruth es mit äußerst unkultivierten Gerempel endlich geschafft, ihm zu entkommen.
Tränenüberströmt war sie die ganze Strecke bis zu Ellas Bus gerannt und hatte sich hupend einen Weg über den überfüllten Parkplatz gebahnt, bis sie schließlich sicher war, Richard abgeschüttelt zu haben. Erst da hatte sie gemerkt, dass sie bei ihrem hastigen Aufbruch die Konzeptmappe in Richards Besprechungsraum hatte liegen lassen, aber das machte nun auch keinen Unterschied mehr. Nachdem, wie konnte es auch anders sein, Ellas Bus schließlich mitten auf der Autobahn schlapp gemacht und Ruth ihr allerletztes Geld für einen Abschleppdienst und eine Fahrkarte aufbrauchen musste, war sie erst mitten in der Nacht zu Hause angekommen und hatte kaum noch die Energie aufgebracht um sich auszuziehen, bevor sie ins Bett fiel. Aber der Schlaf war ihr entwischt wie ein scheues Tier. Immer wieder musste sie an Richard denken und gerade wenn sie glaubte, sich endgültig ausgeweint zu haben, stellte sie sich aufs Neue die Frage, wie sie bloß das Geld aufbringen sollte, um ihm den Schaden an seinem Wagen zu ersetzen. Außerdem musste sie Ella noch erklären, warum ihr kaputter Bus viele Kilometer entfernt auf einer Raststätte stand und erneut brach sie in Tränen aus. Sie liebte ihren Job bei der Stiftung und die reizenden alten Damen, für die sie arbeitete, aber abgesehen davon, dass sie als Einzige überhaupt ein Gehalt für ihre Tätigkeit bezog, war dieses so karg bemessen, dass sie kaum damit über die Runden kam. Und so schlecht wie die Finanzen dort im Moment standen, hatte alle Hoffnung darauf geruht, dass sie Richards Firma als Sponsor gewinnen konnte, um das Überleben der Stiftung sicherten und den Damen zu ermöglichten, die bereits laufenden Projekte weiter finanzieren zu können.
Kreidebleich und mit rotgeweinten Augen stand Ruth nun vor der Eingangstür des Büros und seufzte tief. Ihr war todschlecht bei dem Gedanken, dass sie den alten Damen in wenigen Minuten beichten musste, wie abgrundtief sie die ganze Sache verbockt hatte, aber schließlich atmete sie tief durch, straffte die Schultern und trat ein.

Die aufgeregte, ja nahezu aufgekratzte Stimmung die ihr beim Eintreten entgegenschlug, ließ sie stutzen. Während sie noch verwundert im Flur stand und zu den ihr freundlich entgegenschallenden Begrüßungen nur wortlos nicken konnte, trat auch schon eine alte, weißhaarige Dame auf sie zu und fasste sie drängend am Arm.
„Kindchen, da sind sie ja endlich! Frau Wilhelms ist schon im Besprechungsraum und erwartet sie sehnsüchtig. Husch, husch“ und damit schob sie Ruth zur nächsten Tür, ohne ihr Gelegenheit zu einem Widerspruch zu lassen.
Völlig verdattert betrat Ruth den Raum und sah sich ihrer Chefin gegenüber, die sie trotz ihrem bandagierten Fuß freudestrahlenden aus ihrem Rollstuhl heraus begrüßte.
„Ruth, mein liebes Kind, da sind sie ja. Wir warten schon auf sie um dieses großartige Ereignis zu feiern. Kommen sie, nehmen sie Platz und stoßen sie mit uns auf die gute Zusammenarbeit in der Zukunft an!“
Ruths Mund klappte auf und sie fragte sich kurz, ob hier eventuell Altersdemenz im Spiel war, als eine Gestalt aus dem Schatten der Bücherregale auf sie zutrat.
Das warme, volltönende Timbre seiner Stimme ließ sie erschauern und vor Schreck fiel ihr die Tasche aus den Händen.
„Guten Morgen Ruth, ich freue mich, dich zu sehen“ sagte Richard lächelnd.

Epilog

Die Frau vor der imposanten Tür der Hotelsuite zupfte noch einmal ihren Trenchcoat zurecht bevor sie den Gong betätigte. Lange musste sie nicht warten, bis sich die Tür öffnete.
Der Mann im Rahmen betrachte sie verdutzt, doch die Frau ließ ihm keine Gelegenheit, sie nach ihrem Begehren zu fragen.
„Entschuldigen sie vielmals“ begann sie und bedachte ihn mit einem koketten Augenaufschlag, „ich glaube, ich habe gerade beim Einparken ihren Wagen touchiert. Darf ich eintreten oder möchten sie, das wir das hier im Flur besprechen?“
„Nein“ brachte er überrascht hervor, trat zur Seite und wedelte einladend mit der Hand, „natürlich nicht. Bitte kommen sie herein.“
Die Frau betrat aufreizend auf hohen Stöckelschuhen stolzierend die Suite und schenkte ihm einen kecken Blick über die Schulter, bevor sie sich elegant zu ihm umdrehte.
„Sie müssen entschuldigen, dass ich sie so überfalle“ säuselte sie, „aber die ganze Sache ist mir furchtbar peinlich. Mein Freund hat mir gerade erst diesen süßen Wagen geschenkt und er würde sich furchtbar aufregen, wenn er von dem Unfall erfährt.“
Der Mann schenkte ihr nur ein verdattertes Nicken und beobachtete fasziniert, wie sie beim Sprechen zuerst mit beiden Händen den Ausschnitt ihres Mantels aufzog, dann wie eine Katze um ihn herum strich, bis sie schließlich vor ihm stehen blieb und vertraulich eine Hand auf seinen Arm legte.
„Bitte rufen sie nicht die Polizei“ bettelte sie mit weit aufgerissenen Augen und er konnte seinen Blick nur mit Gewalt von ihrem Mantelausschnitt lösen.
„Nein, natürlich nicht. Bestimmt werden wir uns auch so einig“ krächzte er rau und trat dann zur Bar, wo er ein Glas Champagner für sie einschenkte.
Lächelnd nahm sie sein Angebot an und fuhr sich genüsslich mit der Zunge über die Oberlippe, nachdem sie einen tiefen Schluck getrunken hatte.
„Mhm“ schnurrte sie, „angenehm kühl“ und fächelte sich theatralisch Luft mit der Hand zu „denn es ist sehr warm hier drin, finden sie nicht auch?“ fuhr sie fort und öffnete noch einen Knopf ihres Mantels, wodurch sie ihren Busen bis zu den dunklen Höfen ihrer Brustwarzen entblößte. Nun schien auch ihm die Temperatur zu schaffen zu machen, denn kleine Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn und er nahm einen hastigen Schluck Champagner, bevor er ihr antwortete.
„Ja, sie haben recht. Möchten sie nicht ihren Mantel ablegen?“
„Gerne.“
Aufreizend langsam öffnete sie erst ihren Gürtel und dann, nach und nach die Knöpfe wobei sie ihm einen verführerischen Blick unter ihren langen Wimpern hervor schenkte. Als der Mantel von ihren Schultern glitt und sie nur noch mit halterlosen Strümpfen und ihren Pumps bekleidet vor ihm stand, stockte ihm der Atem.
„Vielleicht können wir uns ja jetzt auch besser über den Schaden an ihrem Wagen unterhalten“ hauchte sie, und trat so dicht an ihn heran, dass er den köstlichen Duft ihrer Haut riechen konnte während sie den Knoten seiner Krawatte aufzog und die Knöpfe seines Hemds öffnete.
„Aber mit dem größten Vergnügen“ brummte er und entlockte ihr einen kleinen, überraschten Schrei als er sie schwungvoll auf seine Arme hob und in sein Schlafzimmer trug. Behutsam legte er sie auf dem Bett ab, schob sich über sie und senkte seinen Mund zu einem langen Kuss auf den ihren.
„Vielen Dank für das hübsche Geschenk, Richard“ murmelte sie schließlich schelmisch lächelnd, als er seine Lippen von ihr löste.
„Gern geschehen“ brummelte er „ich freue mich, dass dir der Wagen gefällt, Ruth. Aber bitte sag mir, dass du nicht schon wieder mein Auto gerammt hast.“
„Nein“ sie schüttelte lachend den Kopf. „hab ich nicht.“
„Puh“ er streichelte über ihre Wange und grinste „da bin ich aber froh. Und was kann ich ansonsten für dich tun, wenn du dir schon solche Mühe gibst, mich zu überraschen?“
„Hm, lass mich überlegen.“ Ruth zog die Stirn kraus und schien angestrengt nachzudenken.
„Wir könnten noch einen kleinen Zuschuss für die Ausstattung der neuen Kindertagesstätte brauchen, wie wäre es damit?“
Richard machte ein leicht gequältes Gesicht, aber bevor er ihr antworten konnte, legte Ruth einen Finger auf seine Lippen und lachte.
„Hab keine Angst, das war nur Spaß. Dank der überaus großzügigen Unterstützung deiner Firma haben wir im letzten halben Jahr alle Projekte realisieren können, die geplant waren und haben noch Reserven für mindestens zwei Jahre gemeinnütziger Arbeit.“
„Nein“ sie strich ihm eine der widerspenstigen Locken, die sie so liebte aus der Stirn und sah ihm tief in die Augen „eigentlich wollte ich nur mal wissen, was dir besser gefällt: die vorsichtig-schüchterne oder die draufgängerisch-freche Ruth?“
„Hm“ er dachte lange nach und schließlich erschien ein spitzbübisches Glitzern in seinen Augen als er sagte „weder noch, mir gefällt eine ganz andere Ruth am besten!“
Ruth sah ihn fragend an und der amüsierte Zug um seine Lippen verstärkte sich, als er seine Lippen über die zarte Haut ihrer Brüste bis hinunter zu ihrem Bauch wandern ließ und dabei halblaut murmelte: „Am liebsten mag ich die Ruth, die so wundervoll meinen Namen stöhnt.“

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