Johanna

Tinas Geschichte - Epilog

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Stayhungry

Doch wir werden diesen Kampf gewinnen, auch wenn wir meinen, dass man uns das Herz aus der Brust reißt, denn geliebte Menschen leben in uns fort. K. sprach ihr von der Liebe, der Sehnsucht und den großen Gefühlen, die uns beseelen, uns beglücken können, aber auch mitreißen dorthin, wo wir nicht mehr glücklich ankommen, und manchmal schlittern wir in die Katastrophe. Alles ist ein Wagnis, aber ohne dieses Wagnis und unsere Bereitschaft zu vertrauen, anderen und auch uns selbst, können wir die Tür zum Glück nicht öffnen. Und ihre Mutter war eine außergewöhnliche Frau, die oft glücklich war, weil sie das Leben geliebt hat, erfüllt war von Mut und bei den Menschen genau gehört und gespürt hat, was in ihnen schwingt, so dass sie sehr gut auf sie eingehen konnte. Verstand und Gefühl waren in ihr untrennbar verbunden, deshalb haben wir, die wir ihr nahe standen, sie so geliebt und die Menschen waren angetan von ihr.

Er beschrieb sie und ihr Leben, ohne die Einzelheiten und die Art ihrer besonderen Verbindung zu offenbaren. Er sprach langsam und er hörte nicht auf zu reden, entwarf ein Bild von ihr, so als läge sie nicht in der Erde vor unseren Füßen, sondern wäre irgendwo ganz nah voller Leben, so, wie sie sie bis vor Kurzem gekannt hatten, mit ihrem herzerfrischenden Lachen, ihrer großen Kraft, ihrem Lebensmut, ihrer bewundernswerten Achtung für sich und andere, ihrer unerschöpflichen Liebe, dem Glück, das sie an ihren Kindern verspürte, und der Angst, sie zu verlieren. K. nahm sie mit auf die Reise in die Jugend ihrer Mutter, ohne den Teil zu benennen, der schließlich auch zu ihrem Tod führte, gab ihrem Kind wieder, wie sie selbst sich ihm geschildert hatte in dieser langen Nacht vor eineinhalb Jahren und wie er sie kennen und lieben gelernt hatte als junge Frau. Irgendwann gab dieses junge Wesen, nicht mehr Kind und noch nicht Frau, dass so etwas Schreckliches noch lange nicht hätte erfahren sollen, seine verzweifelte Verkrampfung, seinen Kampf um Fassung auf, sank an seine Schulter und weinte haltlos, als hätte sie nicht schon so viele Tränen vergossen.

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