Johanna und die Lady in Black

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Johanna und die Lady in Black

Johanna und die Lady in Black

Stayhungry

War sie allein schon deshalb froh gewesen, das Gotthard-Konzert auf dem Tollwoodfestival besucht zu haben, weil sie da K. wiedergetroffen und lieben gelernt hatte, so wurde ihr bei Rock live immer klar, dass diese Musik ihrem Innersten am besten entsprach, so sehr sie Tango, Salsa, Jazz und Pop auch liebte.

Nach gut einer Stunde pfiffen Johanna die Ohren vom Lärm, aber sie hatte es wirklich genossen, hier zuzuhören. K. war ein bisschen erschöpft, als er sich in der Pause zu ihr gesellte. Er hatte sich ohne große Showeffekte doch ordentlich ins Zeug gelegt. Wenn er so richtig ernst dreinblickte, dann konnte man ihn für muffig halten, aber Johanna kannte diesen Gesichtsausdruck mittlerweile schon sehr gut. Der bewies nur, dass er ganz bei sich und dem war, was er tat. In besonderen Momenten an besonderen Stellen der Lieder wurde diese Mimik sehr lebhaft und er warf den Kopf in den Nacken, kurz nur, dann kehrte wieder Ruhe ein. Genauso kannte sie ihn, wenn er sie liebte. Aber Johanna war nicht unruhig, weil sie K. nun einmal aus der Distanz bei intensiven Gefühlen beobachtete. Der Grund war ganz ein anderer. Patrizias charmante Anmache ließ sie nicht mehr los. Mit dem letzten Song des Sets, Chez Kane, „The things we do when we're young in love“, hatte Patrizia sie unverhohlen angelacht und angesungen, Stimme, Körper, Bewegungen alles nur reine Energie und Lebensfreude. Johanna mit ihrem matial arts trainierten Körper kam sich in Jeans und Lederjacke vor wie ein Mädchen vor dem ersten Date.

*

Vom Bauernhof aus, in dem sich der Übungsraum befand, fuhr die Band in eine Kneipe in LA, in der sich dicht gedrängt Menschen jeden Alters tummelten und in lärmender Geräuschkulisse angeregt unterhielten. Johanna hatte nicht gedacht, dass es so etwas in der Provinz geben könnte.

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