“ K. lächelte stumm. Das Kompliment war angekommen, nur helfen konnte er ihr in diesem Dilemma nicht.
*
Im Lokal stellte sich K. an der Theke an, orderte ein paar Sandwiches und alkoholfreies Bier und gesellte sich zur Band an dem Stehtisch, an dem Johanna schon in eifrigem Geschnatter mit Patrizia lachte und diskutierte. K. kannte Patrizia schon ein halbes Leben. Abgesehen von ihrem kernigen, selbstbewussten und humorvollen Auftreten hatte er sie als sensible, einfühlsame Freundin erfahren und schätzen gelernt. Aber sie hatte einfach zu viel Power, als dass ihre dunklen Tage sie unterkriegen könnten. Von Johannas Unsicherheit ihr gegenüber war in der fröhlichen Runde nichts mehr zu merken, in diesem Trubel lagen Blödsinn und Ernst nah beieinander und es wurde ausgelassen in die Nacht hinein gefeiert. So wie K. Johanna jetzt wahrnahm, schien es ihm, als hätte sie eine kongeniale Freundin gefunden, eine, die sie unschwer auf Augenhöhe behandeln konnte, obwohl sie doch verschiedenen Generationen angehörten. Über der ein wenig beschwipsten Heiterkeit lag mehr und mehr ein Zauber, der nur noch sinnlich zu erfahren war und nichts mehr mit dem Inhalt ihrer Plaudereien zu tun hatte. K. spürte, wie sehr Johanna sich zu Patrizia hingezogen fühlte. Was nun in anderer Lage die Versuchung nahegelegt hätte, doch den Versuch einer Liebesnacht zu dritt anzustreben, hätte die Magie zwischen Patrizia und Johanna sicherlich zerstört. „Ich lass euch mal alleine,“ entschied K. für Johanna. „Danke!“, lächelte Patrizia. „Nix für ungut! Aber du weißt ja, ich hab's nicht so mit euch Männern!“ Das war jetzt etwas nüchtern direkt. Johanna sah ihn mit großen Augen an. Sie spiegelten einen Widerstreit in ihrem Innersten wider, den er ihr gar nicht abverlangte.
Johanna und die Lady in Black
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