Johanna und die Lady in Black

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Johanna und die Lady in Black

Johanna und die Lady in Black

Stayhungry

„Soso!“ tadelte Johanna K. mit strengem Blick, der sie im Arm hielt, an den Tresen im Übungsraum seiner Band gelehnt. „Eure Sängerin sieht ja aus wie Daria Zaritskaya, singt wie sie und wackelt zur Musik stundenlang ihren Hintern vor dir rum, wenn du am Schlagzeug sitzt! Und da willst du behaupten, du bist mir treu!“ Patrizia, die offenherzig in enges, schwarzes Leder gekleidete Dame mit langem, schwarzem Haar, wandte sich lachend vom Mikroständer um, kam auf die beiden zu und legte mit laszivem Blick ihren Arm und ihren Kopf auf K.s freie Schulter. „Kindchen, das war jetzt echt ein Kompliment an mich! Na, K., möchtest du uns nicht einander vorstellen? Deine Tochter?“
„Nein“, antwortete er auf das schon Tradition gewordene Missverständnis. „Johanna, meine Freundin, Patrizia, unsere Sängerin.“
„Oh! Schade, Johanna, dass du schon vergeben bist!“ spottete Patrizia in sympathischster Weise, beugte sich vor, gab ihr ein zartes, inniges Küsschen auf den vor Erstaunen offenen Mund und schritt anbetungswürdig zurück an ihren Arbeitsplatz, nicht ohne Johanna noch lachend zuzuzwinkern.

Kindchen mochte Johanna eigentlich nicht genannt werden, doch Patrizias unerwartete und irritierende Charmeoffensive nahm ihr allen Wind aus den Segeln. Patrizia war mehr als zehn Jahre jünger als K. und hätte damit eben gerade noch Johannas Mutter sein können. Diese hatte sich im Übrigen auch schon in gleicher Weise über Patrizia geäußert, noch bevor Johanna auf die Welt gekommen war. Das wusste Johanna aus deren Tagebuch, dem sie so manches über K. entnommen hatte. Nicht im Traum hatte sie geahnt, dass sie beide mal ein Paar werden würden. Überhaupt, Patrizia hatte was von ihrer Mutter, ähnelte ihr im souveränen Auftreten und ihrer energiegeladenen, durchtrainierten, hellwachen Art.

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