Juan verfallen

Tinas Geschichte - Teil 15

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Juan verfallen

Juan verfallen

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Doch in meinem Entsetzen wuchs nur die Wut auf ihn, dass er fortwährend danach trachtete, mich zu brechen als Person. Natürlich hatte ich meinen Anteil an diesem dunklen Streben in ihm, hatte ich ihn doch ermutigt mit meiner Lust. Aber er hatte es nie verstanden, dass dies von mir ein äußerst großes Wagnis an Vertrauen ihm gegenüber gewesen war und nicht die Sehnsucht nach Zerstörung meiner Seele. Er setzte dieses mörderische Instrument zwischen meinen Brüsten auf meine Haut, die scharfe Spitze ritzte sie schmerzhaft und es blutete schon ein wenig. Ich hasste Juan und fauchte ihn an: Du wagst es nicht! Mach mich los! Die düstere Kraft in seinen Augen glühte auf, wie ich noch nie gesehen hatte.

Und dann stach er zu.

*

Zwischen meinen Brüsten verläuft noch heute eine kleine senkrechte Narbe mit einigen Einstichen vom Nähen und sie sieht fast aus wie ein verblasstes, skurriles Tattoo. Die Wunde in meiner Seele ist nie mehr verheilt. Juan hatte sich im letzten Moment eines Besseren besonnen in den verzweifelten Schreien meiner Todesangst. Ich hatte mich ihm widersetzt und das konnte er nicht ertragen. Ich hatte wirklich geglaubt, dass er mich tötet. Nachdem er meine Fessel geöffnet hatte, musste ich selbst notdürftig die Blutung stillen und bin ins Krankenhaus gefahren. Es hatte in der Notaufnahme wirklich eines sehr souveränen Auftritts bedurft, um einen kleinen Unfall bei etwas ungewöhnlichen Sexualpraktiken glaubhaft zu machen. Diese Aufgabe habe ich mit Bravour gemeistert, geheult habe ich erst im Auto. Seit diesem Abend hatte ich Albträume. Nichts von dem Ganzen, was mich so lange so beflügelt hatte, hatte noch irgendeinen Reiz. Ich hatte nur noch panische Angst vor Juan, der ganz sicher irgendwann wirklich ganz durchknallen würde. Nie wieder durfte ich mich ihm ausliefern.

In diesem Irrsinn blieb auch noch meine Regel aus.

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