Juan verfallen

Tinas Geschichte - Teil 15

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Juan verfallen

Juan verfallen

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Es war meine Zurückweisung, die ihn um mich werben ließ, nicht eine ureigene Sehnsucht nach einem anderen Leben, einem Leben mit mir und unserem gemeinsamen Kind. Diese Erkenntnis gab mir die Kraft, es wirklich zu beenden.

Der Prozess der Loslösung von ihm war schmerzlich, doch die sehnsüchtige Erinnerung an den Taumel der Lüste wurde mit der zeitlichen Distanz zunehmend überlagert von meiner Abscheu gegenüber den Verletzungen, die er meiner Seele zugefügt hatte. Ich bereute nichts. Aber so unrealistisch diese Gefühle auch waren, ich war tief traurig darüber, dass ich in ihm nicht die Liebe hatte wecken können, ohne die jegliche Form erotischer Gemeinschaft letztlich ohne Zukunft ist. Mein Weg führte mich zurück zu jener mir eigenen Zurückhaltung, die mit wachem Blick darauf achtete, wann es sich lohnte, mich wieder zu öffnen, ohne mich zu vergeuden. Das Scheitern dieser Liebe hinterließ schmerzhafte Narben, doch es war keine Kapitulation. Ich hatte mich selbst gerettet und daraus erwuchs mir stiller Triumph.

Kurz vor der Geburt unserer gemeinsamen Tochter verabschiedete er sich von mir, da er im Auftrag seiner Firma ins Ausland ging für die nächsten Jahre. In seinem düsteren Blick glaubte ich einen inneren Kampf zu entdecken. Doch der Hauch von emotional verwirrter Hoffnung, der in mir angesichts dieser Regung fatalerweise aufblitzte, er möge sich doch für sein Kind erwärmen, erlosch unverzüglich wieder. Ich spürte, ich wollte seine Nähe gar nicht mehr, und eigentlich erwies er mir mit seiner Flucht aus der Verantwortung nur einen Gefallen. Bei der anstrengenden Geburt war ich also allein, aber eins mit mir selbst. Ich war glücklich, nicht einen Moment daran gezweifelt zu haben, dass ich mein Kind bekommen wollte. Und dass ich dies über alles andere gestellt hatte, hatte mich aus seinen Fesseln befreit. In gewisser Weise war ich Johanna, meiner kleinen, süßen Tochter, noch dankbarer als andere Mütter, dass sie nun da war.

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