Ich schloss meinen Frieden mit dem fernen Juan, der sich nicht mehr meldete und nicht nach ihr fragte, und mit allem, was sonst noch geschehen war.
*
Ich weiß nicht, woran es lag, aber mein so starker Hang zu gefährlichem Taumel der Lüste wurde mir selbst zunehmend unerklärlich. Waren es die hormonellen Veränderungen durch die Schwangerschaft und später, als mir die Milch einschoss? Ich konnte in meiner ferneren Vergangenheit nicht feststellen, dass ich direkt einen Hang zur Submission gehabt hätte und mit dem neuen Leben in mir, das ich instinktiv beschützen wollte, wuchs auch das Bedürfnis, mich zu schützen. Es war wohl tatsächlich die intensive Erfahrung des Tangotanzens mit Juan gewesen, die mich nach immer höheren Gipfeln der Lust trachten ließ. Vollgepumpt mit Adrenalin war die Angst keine Warnung, sondern Elexier und die Gefahr nicht abschreckend, sondern sirenenhafte Lockung. Das alles verschwand nun in einem Nebel verblassender Erinnerungen.
Ich hatte die Nase voll von den Männern und voll von meiner Gier nach ihnen. Finanziell war ich mit meinen Ersparnissen und der Aussicht auf Rückkehr an meinen Arbeitsplatz halbwegs unabhängig und konnte die Dinge auf mich zukommen lassen. Die Rolle der Mutter gefiel mir erheblich besser als ich damals K. gegenüber beteuert hatte. An den dachte ich öfter jetzt und der hätte mich sicher zurückgenommen in der Not. Nur eine solche hatte ich nicht und er wäre mir immer nur ergeben gewesen. Die Sache mit ihm hatte ich vergeigt und da gab es kein Zurück, das uns je wieder auf Augenhöhe gebracht hätte, selber schuld! Doch ich war glücklich! Meine Eltern waren verrückt nach ihrem einzigen Enkelkind, und so begann ich nach nicht allzu langer Zeit wieder zu arbeiten – und zu tanzen. Langsam wurde ich wieder zu jener selbstbewussten und unabhängigen Frau, die Juan so nachhaltig zu zerstören gesucht hatte. Aber ich war zurückhaltend gegenüber Männern, die sich um mich mühten. Es war nicht die Angst, ich könnte mich wieder verlieren. Ich fürchtete nur, meine Sehnsucht, das Leben intensiv zu spüren, könnte sich nicht erfüllen. So ließ ich mich anfangs nur auf Geschichten ein, die zwar Prickeln versprachen, aber Ernsthaftigkeit eher nicht befürchten ließen. Das stellte im Ergebnis auch meine rein sexuellen Bedürfnisse nicht wirklich zufrieden. Dazu brauchte ich zu sehr wahre Erotik als seelisch-sinnliche Beziehung.
Irgendwann schließlich fand ich diesen Blick wieder, die Augen eines Mannes, der die meinen suchte, der sich nach meinem Körper verzehrte, aber verlor in meinen Augen. Schon in diesem ersten Augenblick wusste ich, dies wird was Ernstes, und der Schauder, der über meinen Rücken jagte, erfüllte mich mit wohliger Zufriedenheit, ja mehr noch, mit der beginnenden Erregung fühlte ich mich wieder voller überströmender Kraft.
Zeit also, die Zurückhaltung aufzugeben.
Juan verfallen
Tinas Geschichte - Teil 15
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Juan verfallen
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