Juan verfallen

Tinas Geschichte - Teil 15

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Juan verfallen

Juan verfallen

Stayhungry

Natürlich hatte ich ihm einen Freibrief gegeben, als ich mich ihm unterwarf. Aber alles ist stets im Fluss, und das galt eben auch für ihn.

Er versuchte, alles von Neuem auf alte Weise und einmal noch fügte ich mich. Er befahl mich wieder in irgendein Haus. Mit erhobenen Armen stehend in einem bedrohlichen dunklen Keller an Heizungsrohre gekettet nahmen mich wieder irgendwelche Männer, die ich im Dunkel meiner Augenbinde nicht erkennen konnte und wieder war ich gedemütigt und voller Angst über diesen ungeschützten, lebensgefährlichen Taumel. Ich hasste Juan dafür und konnte mich doch nicht lösen von ihm, rannte in meinem Elend in immer kürzeren Abständen zum HIV-Test, vermied nun wirklich jede Gefahr und verfiel ihm doch wieder und wieder für wilde Nächte. Aber seine Schläge waren nicht mehr wohldosiert, sein Wesen sprunghafter. Ich war ausgeliefert, versklavt, nicht mehr, wie ich es anfangs empfunden hatte, vertrauensvoll beschützt unterworfen. Mit der Zeit wurde mir zur Gewissheit: er hatte nicht die geringste Achtung vor mir und so konnte ich nicht weiterleben! Ich versuchte, mich zurückzuziehen, verweigerte alles, was mich noch irgendeiner Gefahr hätte aussetzen können, schaffte es wenigstens, nur noch ihn in mich zu lassen. Doch trennen konnte ich mich nicht von ihm. Wenn sein Griff kraftvoll meinen Nacken umfasste, war es wieder um mich geschehen.

Immer fand ich in seinem Gesicht eine harte, unergründliche Gewissheit und die gab mir letztlich eine Sicherheit in meiner Angst, die ich selbst nicht verstand. Doch dann sah ich dieses diabolische Funkeln in den Augen, das mich schaudern ließ. Er griff unter das Kissen und hielt mir ein großes Messer vors Gesicht. So also wollte er mich gefügig machen! Ich trotzte seinem Blick in der Fessel. Angst sollte ich empfinden nach seinem Willen, so wie ich es früher selbst genossen hatte.

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