Er wachte auf, weil jemand den Dauerbetrieb der Jukebox unterbrochen hatte. Die plötzliche Stille brachte ihn zögerlich zurück in das Leben. Er blinzelte und sah von diesem Jemand undeutlich die Füße vor sich stehen. Diese Füße waren dunkelbraun, ob wegen der Hautfarbe oder wegen des Straßenstaubs konnte er im Halbdunkel nicht erkennen, sie steckten jedenfalls in ausgetretenen Slippern, die früher einmal rosafarben gewesen sein mussten. Langsam wanderte sein Blick über die schlanken Fesseln und die strammen Waden hinweg zu halblangen, verwaschenen Jeans, die knapp unterhalb der Knie begannen, dann die immer breiter werdenden Oberschenkel und schließlich die ausladenden Hüften umspannten. Die Wucht dieser Hüften wurde durch Hände betont, die resolut in sie gestemmt waren. Sein immer noch schläfriger Blick verweilte für einige Sekunden auf einer ausgeprägten, senkrechten Falte, die in der Tiefe des Venusdreiecks entsprang und zu einem breiten Reißverschluss aus Aluminium führte. Dessen Metallbahn wurde durch einen Bauch gespreizt, der zwar nicht übermäßig dick, aber doch deutlich vorhanden war. Das obere Ende des Reißverschlusses wurde von einem geflochtenen Ledergürtel mit breiter Metallschnalle in Form zweier in sich gewundener Schlangen verdeckt. Hier endeten auch die Jeans und es begann viel nackte, eindeutig braune Haut, die sich bis zu einer überraschend schmalen Taille fortsetzte. Erneut verweilte sein Blick, diesmal auf den Händen, deren Daumen im Gürtel verhakt waren. Diese Hände, denen man ansah, dass sie zupacken und jede Art von Arbeit verrichten mussten, hatten kurze, stämmige Finger, an denen diverse silberne Ringe mit unterschiedlich großen Verzierrungen steckten. Die Nägel waren wohl irgend wann einmal dunkelrot lackiert worden, der Lack war jedoch abgeblättert und nur noch in Spuren vorhanden und an einigen Fingernägeln sah man deutlich, dass sie abgenagt waren. Bis zu dem Bauchnabel, der eine Handbreit über dem Gürtel, statt sich in einer Mulde zu verstecken, deutlich herausragte, war sein Blick allein durch die Bewegung der Augen gelangt. Um die Erforschung seines Gegenübers fortsetzen zu können, musste er nun den Kopf leicht anheben. Über der Taille weitete sich der Oberkörper dramatisch. Die ersten Rippen am Beginn des Brustkorbs waren gerade noch zu sehen, dann bedeckte ein straff sitzendes, leicht angeschmutztes, weißes T-Shirt die mächtige Brust, die breiten Schultern und die stämmigen Oberarme. Es schien ihm, dass dieses Kleidungsstück nur dazu da war, den tiefen Ausschnitt mit den üppigen Brüsten und den sich deutlich abzeichnenden Brustwarzen zur Geltung zu bringen. Auf einem der exponierten Hügel war mit glashellen Strassperlen „touch me“, auf dem anderen „me too“ gestickt. Eine weitere Anhebung des Kopfs war nötig, um den ziemlich kurzen Hals und schließlich den Kopf der Frau, die sich selbstbewusst vor ihm aufgebaut hatte, in sein Blickfeld zu bringen. Das Gesicht, umrahmt von halblangen, schwarzen Haaren, die mit einem Band undefinierbarer Farbe zusammengehalten wurden, war etwas plump und vulgär. Das Kinn wirkte energisch, die großen Lippen sinnlich. Die Nase war zu klein, die Stirn flach, die Backen und die Backenknochen wenig ausgeprägt. Schön, richtig schön, waren jedoch die Augen, tiefschwarze Augen, die den Mann, der im Korbsessel kauerte, mit einer Mischung aus Neugier, Vorsicht und Herausforderung anschauten.
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