Während des visuellen Abtastens, ja Abgrapschens aller Details des formidablen Körpers war er hell wach geworden, richtete sich endlich in seinem Sessel wieder auf und rückte seine verrutschte Brille zurecht. Er war zu dem Schluss gekommen, dass die Frau, die ihn geweckt hatte, zwar weder taufrisch noch besonders hübsch und schon gar nicht von einer fragilen Schlankheit war, die er schätzte, dass sie aber dennoch höchst attraktiv, faszinierend und irritierend war. Er schätzte sie auf Ende zwanzig und nahm angesichts ihrer milchkaffeebraunen Haut und ihrer leicht negroiden Gesichtzüge an, dass es sich um eine Mulattin handeln müsse. Allein aus diesem Grund, aber auch wegen ihrer ausgeprägten Körperrundungen, ihrer sexbetonten Kleidung, ihrer selbstbewussten Körperhaltung und ihrem forschen, fordernden Gesichtsausdruck, musste sie ein heißes Weib sein. Eine, die wie die Männer, auch immer nur das eine im Kopf hatte. Eine, die wollte, dass man sich an sie ranmachte.
Während er diese Überlegungen anstellte, glotzte er sie ziemlich dämlich an, verzog dann die Mundwinkel zu einer Art Lächeln, räusperte sich, weil seine Kehle nach dem Schlaf noch trocken war und begann zu erklären, dass er wohl sehr müde gewesen sein musste und deswegen und wegen der einlullenden Musik eingeschlafen sei. Dies mache doch nichts, war die Antwort, es täte ihr nur leid, ihn geweckt zu haben, ob er denn etwas zu essen und zu trinken wolle. Ja, sicher, ein Bier wäre schön, ein kaltes, wenn es das gäbe und, ja auch etwas zu essen, obwohl er bei der Hitze nicht viel Hunger habe. Als die Frau sich umdrehte und mit wenigen Schritten hinter die Theke ging, verfolgte er sie erneut mit seinem taxierenden Blick und fand ihre Rückseite, besonders ihren strammen Hintern, den wiegenden Gang und das Gewackel ihrer Pobacken genauso anziehend und aufreizend wie ihre Vorderfront. Sie holte aus einem uralten, großen Kühlschrank eine dunkelrote Dose Bucanero und goss das Bier in einen schweren Glaskrug, einen wahren Humpen, der ihm in dieser Umgebung völlig deplaziert vorkam und stellte ihn auf die Theke. Er war inzwischen aus seinem Sessel aufgestanden und hatte sich nach einem sehnsüchtigen Blick auf die Jukebox, auf einen der wackeligen Barhocker gesetzt. Das Bier war tatsächlich kalt und schmeckte vorzüglich. Während er es in kleinen Schlucken genüsslich trank, fuhr er fort, die Frau anzustarren, wobei seine Augen die Stellen fixierten, die ihre Weiblichkeit so ausgeprägt zur Geltung brachten. Die Angestarrte blickte zunächst herausfordernd zurück, konnte jedoch dem provokativen Blick nicht lange standhalten und wurde verlegen. Sie begann an ihrer spärlichen Bekleidung herumzuzupfen und verschwand schließlich mit der Bemerkung, sie wolle jetzt das Essen machen und er könne die Jukebox bedienen, in der angrenzenden Küche. Er wählte einen Titel, den er zu kennen glaubte, aber das Lied, das dann ertönte, war ihm völlig fremd.
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