Jukebox

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Yupag Chinasky

Doch selbst dieser halbe Hängebusen kann ihn nicht ernüchtern. Die Kamera auf dem Stativ steht verlassen im Raum, er braucht sie nicht mehr. Er presst die Frau an sich, versucht sie zu küssen, abzulecken, zu begrapschen, alles auf einmal, alles wie im Rausch. Sie schreit, wehrt ihn ab, windet sich. Er blafft sie an, du wolltest doch die Bilder, wozu die ganzen geilen Posen, stell dich jetzt nicht so prüde an. Dann lässt er kurz von ihr ab, doch nur, um den Gürtel seiner Hose zu lösen und seinen Hosenstall aufzuknöpfen. Sie ist hell empört, eine Furie, die vor Zorn bebt und sie tut instinktiv das einzig Richtige, um diesen weibstollen Fotografen an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen und ihn aus seiner blinden Auerhahnbrunst herauszuholen. Sie packt den schweren Bierkrug auf der Theke und schmettert ihn mit großer Wucht auf die Kamera. Ein klirrendes, splitterndes Geräusch, dann fällt diese zusammen mit dem Stativ polternd auf die Fliesen. Die Frau, knapp einer Vergewaltigung entkommene, rafft ihre paar Kleidungsstücke zusammen und läuft, laut schimpfend, in die Küche, knallt die Tür hinter sich zu und verriegelt sie.

Die Attacke auf seinen wertvollsten Besitz brachte ihn in der Tat augenblicklich auf den Boden der Wirklichkeit zurück. Ernüchtert, fassungslos, den Tränen nahe starrte er auf sein demoliertes Arbeitsgerät, hob es schließlich auf, ergriff die leere Tasche und schlich sich, ein begossener, nein ein bepisster Hund, auf die Straße zu seinem Auto und fuhr davon. Der Urlaub war versaut, von den Kosten für eine neue Kamera ganz zu schweigen. Fast noch schlimmer war jedoch, dass er zu Hause feststellen musste, dass von den vielen Bildern, die er in der Bar gemacht hatte, kein einziges zu retten war. Die Speicherkarte war bei dem Akt von Notwehr auch zerstört worden. Und als ob ihn die Rache der Frau noch nachträglich treffen sollte, waren auch die Bilder von den Pflanzen und Tieren, wegen der er die Reise schließlich gemacht hatte, ebenfalls verloren. Was blieb, waren Trauer und Wut vor allem auf sich selbst, das Bild in seinem Kopf von dieser rasenden, rasanten Megäre und die Erinnerung an die krächzenden, jaulenden, einschmeichelnden Songs aus der Jukebox, deren entspannende Wirkung ihr wichtigstes Ziel leider verfehlt hatte.

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