Sie setzten sich an einen Kartentisch und plauderten, bis das Wasser kam.
„Nun, mein Freund, was verschafft mir die Ehre deines Besuches?“
„Die Sache ist die.“, eröffnete Velleius umständlich. „Es geht um Julia.“
„Welche Julia?“
„Um keine geringere als die Tochter unseres verehrten Imperators Octavianus Augustus.“
„Die mit dem lockeren Lebenswandel?“
„Ich sehe, der Tratsch in der Stadt ist auch bis zu dir vorgedrungen. Ja, genau diese Julia.“, bestätigte Velleius und lüftete ein wenig seinen Schuppenpanzer, den er trotz der Hitze trug. „Sie gibt an den Iden des Julius eines ihrer berüchtigten Feste. Es sind eine Menge Leute eingeladen: Poeten, Theaterleute, zahlreiche Günstlinge aus der Nobilität, darunter auch ich …“
„Sag bloß!“
„Mach dich nur lustig! Dein Name steht auch auf der Gästeliste.“
Arminius stellte verblüfft seinen Becher auf den Tisch. Seine Müdigkeit war wie weggeblasen.
„Wie komme ich zu einer Einladung der Tochter Octavians?“
„Was weiß ich? Jedenfalls legt sie größten Wert auf dein Erscheinen - und auf das von Flavus übrigens auch.“
Arminius schüttelte ungläubig den Kopf. Welchen Grund sollte die Kaisertochter haben, einen Offizier der berittenen Hilfstruppen und seinen jüngeren Bruder auf eine ihrer opulenten Orgien einzuladen?
„Geh‘ hin, dann erfährst du es.“, riet ihm Velleius lapidar und leerte seinen Becher. „Ich rate euch dringend, zu erscheinen. Es könnte eurer Laufbahn förderlich sein. Solltest ihr es allerdings vorziehen, ihre Einladung auszuschlagen…“
Velleius überließ es dem verblüfften Freund, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Er erhob sich und setzte seinen Helm auf.
„Ich muss los. Grüße Flavus von mir.“
Der Cherusker begleitete Velleius zu seinem Pferd.
„Wir sehen uns dann bei Julia!“, rief der Römer zum Abschied und ritt an den salutierenden Wachen vorbei durch das Tor. Nachdenklich machte sich Arminius auf die Suche nach seinem Bruder.
*
Julia
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