Julia

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Julia

Julia

Leif Larsson

“, warnte Velleius, während er einem Diener zwei silberne Becher mit verdünntem Wein abnahm und sie seinen Kameraden in die Hand drückte. „Wenn sie mit euch flirten, macht ihr euch Senatoren, Offiziere und hohe Beamte, kurz: ihr macht euch ihre mächtigen und einflussreichen Männer zu Feinden. Das ist gefährlich. Flirtet ihr aber nicht mit ihnen, macht ihr euch die Frauen selbst zu Feinden - und das ist noch viel gefährlicher.“
„Angenommen, jemand würde sich an Julia heranmachen. Was würde mit ihm geschehen, wenn es herauskäme?“, wollte Arminius wissen.
„Er könnte sich vom Tarpejischen Felsen stürzen.“, mutmaßte Flavus düster.
„Nicht, wenn sie einen dazu aufgefordert hat.“, klärte Velleius, der den Hintergedanken des Freundes erkannt hatte, die Brüder auf. „Aber riskant ist es immer, sich mit jemandem aus dem Geschlecht der Julier einzulassen. Da lauerte schon manches Mal ein Dolch im Gewande.“
Auf der Unterlippe kauend beobachtete Arminius die im Saal anwesenden Gäste. Niemand sah danach aus, als ob er ihm und seinem Bruder etwas anhaben könnte. Doch er wusste auch, dass in Rom der Schein allzu oft trog. Schließlich blieb sein Blick an einem Mann haften, der sich durch sein auffälliges Gebaren und sein merkwürdiges Äußeres von den anderen männlichen Gästen abhob.
„Wer ist der eloquente Stutzer neben der Säule dort?“, wollte der Cherusker wissen und deutete mit dem Becher in Richtung eines unentwegt redenden Mannes in einer sündhaft teuren, purpurgefärbten Toga, dessen Haupt mit Eichenlaub bekränzt war. Eine Traube von Frauen, die wie betört an seinen Lippen hingen, umringte ihn.
„Das ist Publius Ovidius, einer der größten Poeten unserer Zeit. Wenn er nicht gerade Lobeshymnen auf den Imperator verfasst, schreibt er erotische Werke, die selbst Amor die Schamröte ins Gesicht treiben würden. In seinen Liebesgedichten verehrt er Julia als neue Aphrodite.“

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Gedichte auf den Leib geschrieben