Julia

47 45-69 Minuten 0 Kommentare
Julia

Julia

Leif Larsson

„Diese Stimme! Wo habe ich diese Stimme schon gehört?“
Obwohl er sich das Gehirn zermarterte, wollte es ihm nicht einfallen. Ehe er Velleius über seine Vermutung informieren konnte, klatschte Julia in die Hände und kündigte den nächsten Höhepunkt des hereinbrechenden Abends an. Wohlriechende Öllampen wurden entzündet und tauchten den Raum in warmes, weiches Licht. Am Rand einer freien Fläche setzten sich Flöten- und Kitharaspieler nieder und begannen, eine schwungvolle Melodie zu intonieren, zu der sich die jungen Tänzer und Tänzerinnen anmutig auf der Tanzfläche bewegten. Im Gegensatz zu ihrem ersten Auftritt zu Beginn des Gelages trugen sie nun jedoch nichts mehr am Leib als einen knappen Lendenschurz oder ein um die Hüfte geknotetes Tuch. Ihre wohlgestalteten Körper und Gliedmaßen glänzten ölig im Schein der Lampen. Mit lasziven, fließenden Bewegungen stellten sie den Raub der Sabinerinnen dar. Dieses Werk hatte der Dichter Ovidius zu Ehren der Gastgeberin verfasst.
Gebannt verfolgte Arminius das sinnliche Treiben auf der Tanzfläche. Das ängstliche Sträuben der  ausnehmend gut gebauten jungen Tänzerinnen wandelte sich zunehmend in ein erwartungsvolles Locken, dem ihre männlichen Partner nur zu gerne nachgaben. Manches Pärchen auf den Speisesofas war beim Anblick der sich umfangenden Leiber näher aneinandergerückt. Zuerst noch verstohlen, dann immer offener streichelten männliche Hände über die wohlgeformten Schenkel und Brüste ihrer Begleiterinnen, vereinigten sich Lippen zum sinnlichen Kuss. Ovidius war verzückt aufgesprungen und zitierte lautstark seine schlüpfrigen Strophen über die sinnlichen Freuden des gemeinsamen Orgasmus. Das war der Moment, in dem Arminius Julias Abwesenheit auffiel. Ihr Platz war verwaist, der Nubier mit dem Fächer begnügte sich damit, die Fliegen von den Speisen fernzuhalten.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 5425

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben