Ihre Stimme klang gelassen, fast ruhig.
„Und der Mann, der Banker?“, fragte ich.
Der war vermutlich zusammen mit Kopien aller Bilanzen und Kontoauszüge verschwunden, die Vera und Sven ihm leichtfertig zur Durchsicht überlassen hatten. „Verdammt! Auch das noch!“ Vera stieß einen Fluch aus.
„Das war bestimmt jemand von der Konkurrenz, der euren Club und unsere Finanzholding ausspionieren wollte …“ Julia Bürli beugte sich zu Vera. „Woher wussten die überhaupt meinen Namen und von unserer Geschäftsbeziehung?“ - Vera zuckte ratlos mit den Achseln.
„Sie sprach Schweizerdeutsch“, erklärte ich. Julia Bürli zog die Augenbrauen hoch: „Das war jemand aus meinem Umfeld!“, meinte sie und schaute mich entschlossen an. „Jetzt zeig mir alles, was ihr zusammen gemacht habt. Vielleicht finden wir dabei heraus, wer sie war und was sie hier wollte.“
Vera wurde unruhig; sie schien besorgt. „Ich hatte angenommen, sie suchte hier, was alle suchen: Einen Partner für einen Abend“, versuchte sie unsere Begegnung zu erklären. „Sie hatte mich vorher extra gebeten, jemanden zu finden, der einfühlsam und sanft mit ihr umgehen kann. Sie war doch so zierlich, genau wie du, Julia, und sie wollte vor allem jemanden, der ihr nicht nachlief, wenn alles vorüber war. Du verstehst, was ich meine! Schließlich ist sie verheiratet; - sagte sie wenigstens.“
Lügen konnte Vera noch nicht besonders gut. Jetzt schien sie sogar ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen: „Die Frau wollte hier erleben, wovon sie offenbar nur träumte: Nackt mit einem Mann im Whirlpool baden, sich von ihm betören lassen und erregt tanzen, bevor sie sich mit ihm intim zurückzog.“
Julias ernste Miene wich einem Lächeln, als sie mich anblickte. „Und der Mann bist du“, hauchte sie mir flüsternd zu. „Eigentlich bin ich auf so etwas gar nicht eingerichtet.“ Sie stieß einen Seufzer aus. „Aber lass uns trotzdem damit beginnen.
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