Kardinaltugend

Der Laternenanzünder

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Kardinaltugend

Kardinaltugend

Madam Lasterhaft

Honiggelb schien das Licht in der gemütlichen Küche von Elisabeths herrschaftlichem Haus. Nachts wurde hier im Viertel weniger dreckige Kohle verheizt, die Natur konnte sich etwas zurückerobern, was ihr tagsüber in der stickigen Luft genommen wurde. Ein zartes Band aus Buchenrauch legte sich in die Straßen. Elisabeth selbst legte die Scheite in die Feuerstelle unterhalb des schweren Kessels nach. Das Licht wurde von der flackernden Flamme gespeist. Herumirrende Schatten tanzten an den Wänden wie kleine schattige Gespensterkinder, die ihren Weg nicht nach draußen gefunden hatten und deshalb ziellos umherirrten.

Zurück an ihrem Platz am Tisch der Bediensteten strich sie das Papier aus dem oberen Schrankfach der burschikosen Hauswirtschafterin glatt und ließ den Stift in ihren Fingern kreisen. Sie hatte sich rechtzeitig auf den Weg gemacht, um auf der Lauer zu liegen. Wenn jemand sich so spät auf den Weg machen sollte, konnte sie sich darauf berufen, die von der Hauswirtschafterin aufgenommenen Bestände zu kontrollieren, obwohl ihr das im täglichen Leben nie eingefallen wäre. Auf ihrem Weg zur Küche hatte sie einen Abstecher bei dem Bediensteten-Trakt gemacht und bis auf zwei sich streitende Dienstboten keine Geräusche wahrnehmen können. Mit leisen Schritten war sie die Treppen herabgeschlichen. Elisabeth war voll von unausgesprochener Vorfreude. War sie beim ersten Ausflug mit Friedrich zu weit gegangen? Es war, als schmeckte sie noch seine warmen Lippen auf den ihren. In seinen Armen hatte sich alles mit einem Moment geordnet und richtig angefühlt. Als wäre es eine neue Ordnung der Welt. Ihrer Welt.

Bei jedem Hundegebell, das die nie zu ermüden scheinenden Hunde von sich gaben, schlug ihr Herz schneller. Sie lehnte sich an das Fenster, um hinauszuspähen. Bis auf ein paar einsam herumtorkelnde Seelen mit einer Flasche Alkohol in der Hand und ein paar Straßenjungen war nichts auszumachen. Die eisig kalte Wand, an der sie sich vom Fenster weg lehnte, verschaffte ihr eine beruhigende Erdung. Mit klammem Griff versuchte sie die Situation zu erfassen. Der Turmschlag zeugte davon, dass bereits über eine halbe Stunde verstrichen war. Düstere Gedanken versuchten sich in ihrem Kopf breit zu machen. In dieser kleinen Zahl konnte sie diesen noch standhalten.

Das laute Klopfen brachte sie kurz aus der Fassung. Da war es gleich nochmal. Es klopfte an der rechten unteren Ecke. Bevor jetzt ein drittes Mal geklopft und das Haus geweckt werden würde beeilte sich Elisabeth den schweren Riegel beiseitezuschieben und das Schloss zu öffnen. Diese umständliche Situation hätte sie verhindern können. Zu sehr war sie im zuckersüßen Traum mit Friedrich verharrt, als daran zu denken, dass hier jemand gegen die Tür Sturm laufen könnte. Ein kleiner, zerzauster Junge atmete schwer. Schubweise traten die Atemwolken an sie heran. Elisabeth hatte trotz Mitgefühl für das Schicksal des Jungens Mühe ihre fast zum Ekel angewachsene Abscheu über dessen, wenn auch sehr wahrscheinlich unverschuldeten hygienischen Zustand zu unterdrücken und versuchte sich auf die Botschaft des Jungen zu konzentrieren.

Trotz ihres Alters waren Kinder seines Schlages sehr gewieft und aus allen möglichen unschönen schicksalshaften Gründen in finanzieller Not, was sie zu allem Möglichen befähigte und trieb. „Miss, ich…habe“ fing er an. „Da bist du ja du Lausebengel!“, schnitt eine tiefe männliche Stimme in sein Wort. „Denkst du ich habe vergessen, was du heute Mittag getan hast! Dieses Mal kommst du mir nicht so einfach davon!“, mit seinen wurstigen Fingern griff der Polizist nach dem Jungen, der seine Füße in die Hand nahm und sich schleunigst davonmachte. Der Polizist wirkte, obwohl er doch selbst für Recht und Ordnung sorgen sollte, wie der böse Wolf aus dem Märchen. Überall kamen Haare zum Vorschein. Der Bursche sprang mit seinen löchrigen Hosen wie eine wilde Katze in die dunkle Gasse. Furchtlos und geschwind. Der beleibte Polizist rannte mit wackelndem Wanst hinterher und pfiff was seine Lunge hergab in seine Pfeife. Elisabeth sah ihm verwundert nach. Was hatte der Kleine ihr nur mitteilen wollen? Warum hatte Friedrich sich nicht selbst auf den Weg gemacht? Seine Pünktlichkeit musste berufsbedingt eine geschärfte Kardinaltugend sein. Sie war in Gedanken bei dem armen Jungen, der bestimmt viel Prügel abbekommen würde, wenn er erwischten und an seinem Kragen packten. In der Arrestzelle würden sie ihn nicht viel besser als eine aus der Kanalisation entlaufene Ratte behandeln. Doch bestimmt war er nicht das erste Mal auf der Flucht und wusste sich zu helfen.

Mit einer besorgten Falte über der Mitte ihrer Augenbrauen wurden Elisabeths Augen zu später Stunde schwerer und schwerer. Die Glut war erloschen. Auf der Bettdecke hatte sich eine kühle Luftschicht gebildet. Mit flinken Bewegungen schlüpfte die junge Frau in ihren Morgenrock. Der Morgen graute. Die Arbeit der zweiten Laternenanzünder-Truppe musste beginnen um die Lampen zu löschen. Elisabeth schellte das Glöckchen damit ihr das Feuer im Zimmer wieder entfacht wurde. Um ihr inneres Feuer machte sie sich keine Gedanken. Das loderte nach wie vor. Sie spitzte durch die schweren Vorhänge. Friedrich musste sich ja nach ihr verzehren. Zumindest wenn er so brennende Lust hatte wie sie. Ein anderer Gedanke rechnete mit dem Unkalkulierbaren. Hatte er einen Jungen vorgeschickt, um dem Ganzen ein Ende zu setzen? War er in einem der Krankenhäuser untergebracht? Wenn das noch weiter so seinen Lauf nahm, würde sie bei St. Thomas nachfragen, das lag gleich um die Ecke. Ohne zu zögern wäre sie bereit den Verunfallten, dessen Berufsunfall nur notdürftig geflickt werden würde, hier in ihrem Heim auskurieren und sorgsam pflegen zu lassen und natürlich die eine oder andere Tätigkeit selbst zu übernehmen damit er noch Zeit hatte sich in Ruhe in sie zu verlieben. Ein paar dunkle Gestalten waren am Ende der Straße zu sehen. Zeit für einen Tee. Sie stellte das zarte Porzellan auf ihrer Kommode ab und strich sich vorsichtig über ihr empfindliches Haar. Sie sah sehr zufrieden aus in ihrem gut gepolsterten Sitz. Das mit Friedrich wollte sie aussitzen. Nach und nach wurde es behaglicher in dem frischen Zimmer. Noch bevor ihr jemand half sich anzukleiden schepperte etwas an ihrem Fenster.

Als sie dort war, sah sie den Schopf von Friedrich gerade noch von oben. Sie überwand sich die Wärme aus dem Zimmer zu lassen und öffnete das quietschende Fenster. „Was machst du denn hier? Ich dachte dir ist etwas passiert.“, setzte sie ihm eine Spur zu heftig entgegen, wie es Lehrer mit unartigen Schülern tun würden. Daher fügte sie noch etwas kleinlauter „Ich habe mir Sorgen gemacht.“, nach und schaute was er zu sagen hatte. Ohne auf der hölzernen Leiter zu verharren, stieg Friedrich weiter Sprosse für Sprosse hinunter und lächelte „Schau, was ich dir mitgebracht habe. Beeil dich, es ist empfindlich und verträgt keine Kälte. Und tu mir einen Gefallen geh mit Gefühl ran.“, sagte er und zeigte mit seinem behandschuhten Finger auf ein in Zeitungspapier eingewickeltes Päckchen. „Danke.“, erwiderte Elisabeth und widerstand dem aufflammenden Drang nach einem Treffen zu fragen. Er wollte spielen. Sie spürte es mit absoluter Klarheit. Als das Papier beiseite geschlagen war schlug ihr der typisch schwere alte-Rosen-Duft entgegen. Sie versuchte den Gedanken an die einmal im Jahr Blüte tragende Blume wegzuwischen. So war ihre Leidenschaft mehr ein beständiges, aber auch zugleich stark wachsendes Immergrün als das Spektakel der Natur, dass dem Verfall gewidmet war. Sie ließ die zarten Rosenblätter ihre Wange umschmeicheln. Sog den angenehmen Duft langsam ein, um nicht davon übermannt zu werden. Friedrich wusste so viel von ihr. Sie musste herausfinden, wo er wohnte.

Über die Küchenfrau organisierte sie sich einen Spitzel. „Wenn du mir bis heute Abend sagen kannst, wo der junge Laternenanzünder wohnt, den ich dir jetzt näher beschreibe, dann sollst du gut dafür entlohnt werden.“, sagte sie, während sie ihm ein kleines Münzsäckchen aus Leder in die Hand drückte. „Das ist die Hälfte. Die andere kommt noch. Enttäusche mich nicht.“, der Spitzel nickte ernst und zog sich die Mütze ins Gesicht.

Friedrich löste den Dreck, der in Klumpen von seinen Arbeitsstiefeln abfiel und schlüpfte aus diesen heraus. Die ganze Zeit hatte er das Gefühl gehabt irgendetwas war auf seinem Heimweg anders als sonst. Doch jedes Mal, wenn er seinen Blick unangekündigt zur Seite gewandt hatte, war nichts zu entdecken. Müde lächelte ihm Mary entgegen. Sie hielt es wie semelpare Pflanzen es tun. Nachdem sie auf die Dreißig zuging, hatte sie ihre Blütezeit hinter sich gebracht und war seitdem meist nur noch mit langweiligen Dingen, wie Handarbeiten zu finden. Jeder Tag sah für sie gleich aus. Nie ging sie aus oder besuchte eine Ausstellung. Friedrich umarmte sie kurz und strich ihr über den braunen Scheitel, der ihre Haare mittig in zwei Hälften abteilte. Wie eine müde Katze ging sie zum Kamin und setzte sich in einen Schaukelstuhl. Was war diese Frau nur für ein Kontrast zu der vom Feuer gerittenen Elisabeth? Beide waren in ihren Polaritäten für Friedrich ein Rätsel. Er versuchte sich in die Zeitung zu vertiefen und suchte nach Zerstreuung.

„Elisabeth, du bist hier?“, fragte er erstaunt und zog die Tür zu sich. Zu später Stunde war das sehr außergewöhnlich. Zumal er sich nicht erinnern konnte ihr seine Adresse gegeben zu haben. „Dachtest du der Duft der wunderbaren Rose narkotisiert mich so stark, dass ich zuhause wehmütig darauf warte, bis du mich besuchst? Nicht nur du nutzt gerne Botenjungen.“ lächelte sie spitzbübisch. „Lust auf einen Spaziergang? Warte einen Augenblick.“, sagte er, während er zu seinem Mantel, der auf dem Haken bei der Wohnungstüre griff und diese hinter sich zu fallen ließ. „Brauchst du keinen Schlüssel?“ fragte Elisabeth. „Nein, das ist schon in Ordnung. Ich habe hier immer einen versteckt.“ „Du solltest bei der Auswahl deiner Boten etwas sorgfältiger sein. Der junge Mann hatte wohl schon einiges auf dem Kerbholz.“ erwiderte sie lächelnd, als sie sich auf den Weg machten. „Ja Elisabeth, genau deshalb bin ich darin bestrebt dem Jungen auf die Füße zu helfen.“ antwortete Friedrich. Elisabeth nickte ihm anerkennend zu und reichte ihm die zart behandschuhte Hand, die er gerne ergriff und ihr einen Kuss gab ohne sie aus den Augen zu lassen. Die glühende Erregung rann ihre Kehle, die schwer schluckte, zwischen ihren Brüsten entlang ihres Bauchnabels wie ein heißer Erregungscocktail bis zu den Beinen hinab so durchdringend war sein Blick.

Elisabeth stand vor Friedrich und schlug die Augen nieder, um seine Lippen zu betrachten. Keinen Augenblick später war die Zurückhaltung dahin und seine Zunge in ihrem Mund und seine Hände an ihrem Hinterteil. Ihren schmalen Schultern, die in einem warmen Fell sehr opulent bedeckt waren. Streichelte die zarten Ohrhänger, dass wohlige Kaskaden aus Gänsehaut sie überzogen. Die Passanten plätscherten an ihnen vorbei, bedeutungslos für die beiden wie seelenlose Regentropfen. Friedrich spürte seinen harten Penis. Vielleicht war es doch schon jetzt an der Zeit. Ganz gegen sein ursprüngliches Vorhaben wollte er in dieser Frau auf der Stelle versinken.

Sie trafen im Highgate Viertel ein und durchquerten das schwarze, geschmiedete Tor mit der Nummer 27. Elisabeth hielt sich nicht lange mit ihm im Eingangsbereich auf, sondern zog ihn die Treppe zu ihrem Schlafzimmer. „Wir möchten nicht gestört werden!“ rief sie den Bediensteten, die ihnen entgegenkamen, entgegen und verschloss die Türe. Mit roten Fingern und rosigen Wangen ließ sie sich von Friedrich aufschnüren wie ein besonders oft versiegeltes Paket. Lieblich küssen und entkleiden. Schwer fielen die vielen Schichten auf den Boden. Seine Manneskraft stand gar prächtig vor ihm. Die Eichel war kräftig. Seine Hoden waren leicht von Haaren umringt und trotzdem gut zu sehen. Die Berührungen seiner Finger waren sehr wirkungsvoll. Er verband ein Erregungsfeuer mit dem nächsten, bis die Dame lichterloh vor Erregung brannte und ihr ein Seufzer entflog. Nass war sie zwischen ihren hellen Schenkeln wie eine sehr erfahrene Frau. Die Ungewissheit über den Erfahrungsschatz Elisabeths erregte Friedrich bis in die Fußspitzen.

Elisabeth ließ ihn auf einem Hocker Platz nehmen. Endlich war der Holzpenis in ihrem Nachtschrank zu einem fleischlichen Genuss geworden. Friedrich würde das Aushalten sich reiten zu lassen. Sie spielte mit noch leicht gespannter Mösenpforte an seinem dicken Penis. Das war ein richtig gut gelungener Fleischpenis des Schöpfers. Seine leuchtenden Augen zeugten von der Freude wie er jeden Zentimeter von Elisabeth in sich aufsog. Die Hitze seiner Mannespracht drang nunmehr einen halben Daumen lang in sie ein. Arbeitete sich in kleinsten Schritten vor. Erlösendes zartes Stöhnen kam aus Elisabeths Kehle. Wie unerfahren leise und gebremst sich diese leidenschaftliche Frau anhörte. Als würde sie eine andere Sprache wie ihre nasse begierige Möse sprechen. Friedrich würde das Ändern und ihr ein paar andere Tonlagen mit Lautstärken aus dem Leibe herauslocken.

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