Katja und der Blinde

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Katja und der Blinde

Katja und der Blinde

Anita Isiris

«Mein Gott, was bin ich müde», sagte sie, kuschelte sich an Bernd und glitt in Morpheus’ Arme. Grappa hatte auf sie eine besondere Wirkung. Katjas Atemzüge wurden immer ruhiger, während die beiden Männer allmählich angewärmt waren – und angetan voneinander. Bernd faszinierte Oros’ Leben als Blinder, der Mann war ganz anders, als er sich ihn vorgestellt hatte. Sympathisch, offen, eloquent. Katja hatte einen guten Männergeschmack. Klar. Sonst hätte sie sich weder in Oros noch in Bernd verliebt, ging diesem kurz durch den Kopf. Nach zwei weiteren Grappa-Gläschen hatte Oros eine Idee. «Ich bin nicht lange bei Euch», sagte er. «Ich wollte nur sehen, ob es Katja gut geht, nun bin ich meine Zweifel los». Oros wurde Bernd immer sympathischer.
«Weisst Du was, Bernd?», sagte er. «Schreib es nicht dem Grappa zu, ich meine es ernst. Ich möchte Katja malen. Gleich. Hier auf dem Sofa. Bernds Augen weiteten sich. Er liess den Blick über Katjas Nachthemd gleiten und stellte fest, dass der Stoff bei der Brust ein wenig abstand. Verführerischer hätte seine Katja nicht mehr wirken können. Ihr Atem ging ruhig, sie vertraute den beiden Männern derart, dass sie ins Reich der Träume abgeglitten war und von dort nicht so schnell wieder auftauchen würde. Noch während er Katja liebevoll betrachtete, war Oros aufgestanden und erneut ins Gästezimmer gegangen. Dort nestelte er an seinem Gepäck. Kurz darauf kam er mit Malutensilien und einem grossen Papierbogen zurück.
«Ich habe sie nicht im Relief», sagte Oros sachlich, «lass uns doch Katja gemeinsam malen, wir lieben sie doch beide. Ich schlage einen Ganzkörper-Akt vor». Bernd war hin- und her gerissen. Einerseits war er rattenscharf, andererseits… wollte er wirklich seine schlafende Freundin exponieren? Aber da war diese Vertrautheit. Oros und Katja hatten bestimmt unzählige Male Sex gehabt miteinander, und kurz erfasste ihn sogar Mitleid.

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