Katja und der Blinde

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Katja und der Blinde

Katja und der Blinde

Anita Isiris

Und Oros war ausgesprochen empfindsam, was wohl seinem fehlenden Gesichtssinn zuzuschreiben war. Er war derart berührungssensitiv, dass ein Hauch von Katjas Berührung reichte, um bei ihm eine gewaltige Erektion auszulösen. Oros’ Schwanz war eine Legende. Noch heute stellte sich Katja den nackten Oros vor, wenn Bernd bei der Arbeit war und sie sich, auf dem Bett oder in der Badewanne liegend, einen «kleinen Tod» gönnte. Bernd war auch nicht von schlechten Eltern… aber Oros’ Gemächt war wirklich einmalig, mit seiner leichten Krümmung vorne an der Eichel.
Längst hatte Oros sein Smartphone so programmiert – oder programmieren lassen – dass er Texte mit 100%iger Fehlerfreiheit diktieren konnte – sie wurden dann in Schriftsprache umgesetzt. Eine Haptik ermöglichte es ihm, auf dem Display den «send» Knopf aufzuspüren und sich so mit der Welt in Kontakt zu halten. Neben dem haptischen, vibrierenden «send» button gab es einen «receive» Knopf. Schrieb ihm also Katja zurück, erzeugte das Smartphone ein akustisches Signal, Oros betätigte den «receive» button und die Nachricht wurde ihm vorgelesen, natürlich von einer sanften, weichen Frauenstimme, die ihm direkt ins Herz und von da in den Unterleib ging.
«Oros möchte uns besuchen». Der Satz traf Bernd wie einen Stromstoss. Klar hatte er Sex zwischen Oros und seiner geliebten Katja längst in seinem Kopfkino eingebaut – aber Kino und Realität sind zwei verschiedene Dinge. Bernd war keineswegs scharf darauf, Oros persönlich kennen zu lernen. Was wollte ein Blinder in seiner Wohnung? Klar würden sie sich in Katjas Dachwohnung treffen – aber anstandshalber sah er sich verpflichtet, Oros auch einmal in seine Suite einzuladen. Womöglich hatte Oros einen dieser seltsam-unheimlichen Blindenhunde mit dabei, und Bernd respektive dessen Reinigungsfrau würden anschliessend das Wohnzimmer staubsaugen müssen.
Aber Bernd machte gute Miene zum bösen Spiel.

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