Katja und der Blinde

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Katja und der Blinde

Katja und der Blinde

Anita Isiris

«Wann?», war seine lapidare Frage. «Er ist morgen um 12:10 Uhr am Bahnhof». So wurde Bernd gleich vor fertige Tatsachen gestellt. Sie würden ab dem Folgetag einen blinden Gast haben – der Teufel weiss, wie lange. Bernd entging nicht, dass an Katjas Halsausschnitt rote Flecken erschienen, und er kannte sich genügend gut mit Frauen aus, um zu ahnen, dass sie erregt war. «Du mochtest ihn, hm…?», sagte er und stellte im selben Moment fest, dass bei ihm in beginnender Eifersucht die Gedärme rumorten.
In jener Nacht hatten Bernd und Katja besonders intensiven Sex. Am Liebsten war ihr die Doggie Style Position, sie drückte ihr Kreuz durch, so weit ihr das überhaupt möglich war und bot dem geilen Bernd ihr Polöchlein, ihren Damm und ihre Vulva in elysischer Perspektive. Erst in den frühen Morgenstunden schliefen die beiden ein, eng aneinander gekuschelt, und Bernds Hand wärmte Katjas schwere Brust. Liebevoll presste sie ihren Hintern an ihn – und alles war gut in Morpheus’ Reich.

Am nächsten Morgen, Katja hatte in ihrem Outlook spontan «home office» eingetragen, fuhr sie mit einem Staublappen verträumt über ihre ohnehin schon blitzblanken Möbel. Bernd hatte vier Klienten und würde kaum vor 17:00 Uhr abends bei ihr eintrudeln. Sie hatte somit genügend Zeit, Oros eine schöne Ankunft zu bereiten. Summend zog sie sich an, summend stellte sie eine Einkaufsliste zusammen, summend bezog sie für Oros ein Bett im Gästezimmer. Wie er sich wohl verändert hatte in den letzten Monaten? Sie waren jetzt seit über einem halben Jahr getrennt.
Als sie sich dann am Bahnhof gegenüberstanden, implodierte die Zeit. Es war, als hätten sie sich erst am Vortag zum letzten Mal gesehen. Sie lagen sich in den Armen, wortlos, und Katja konnte diesen Schritt nur tun, weil sie sich in Bernds Liebe sicher und geborgen fühlte. Wie früher nahm sie Oros bei der Hand und führte ihn in ein Strassencafé.

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