Katzenliebe

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Katzenliebe

Katzenliebe

W. Wiemann

Erschrocken betätigte er den Lichtschalter, hoffte, dass Annegret vielleicht ganz an den gegenüberliegenden Rand ihres Bettes gerutscht war. Doch es war wirklich nur seine Katze, sie räkelte sich faul und schnurrend, ihre grünen ovalen Augen sahen ihn zufrieden an, dann riß sie ihr Maul auf, zeigte spitze Zähne und eine rote Zunge und gähnte langanhaltend.
Fassungslos sah er auf das Tier hinunter. Wer war das gerade bei ihm im Bett gewesen? Mit wem hatte er geschlafen? So gegenwärtig, wie er das erlebt hatte, konnte das doch kein Traum gewesen sein. Verstohlen wanderten seine Augen durch das Zimmer - nirgendwo ein verräterisches Kleidungsstück, kein BH, kein Slip... nichts! Keine Annegret, keine andere Frau. Langsam kam sein Puls wieder auf Normalfrequenz. Er beschloß bei sich, dass es doch ein Traum gewesen sei. Männer träumen halt manchmal von solchen Dingen, was ist schon dabei, tröstete er sich selbst? Mit einem kleinen Rest von Unruhe schlief er endlich ein - und wachte erst wieder auf, als Kaffeeduft durch die Wohnung zog und Annegret ihn mit einem Kuß an den Frühstückstisch lockte. Als sie sich gegenübersaßen, sie ihn anlächelte und ihm Kaffee eingoß, da war alles wieder in Ordnung. Mimi war draußen, von Annegret aus der Küche verbannt. Er sah sie an, sie sah ihn an - und beide lächelten. Dann bekamen Annegrets Augen plötzlich einen grüblerischen
Ausdruck. Sie sah ihn aufmerksamer an, ihre Finger griffen nach ihm und mit einem "Was hast du denn da? zupfte sie ihm mit spitzen Fingern etwas aus der Mundgegend. "Du hast wohl mit deiner Katze geschlafen?" lachte sie und warf ein graues Schnurrhaar in den Mülleimer. Er konnte wirklich nicht verhindern, dass er puterrot wurde. Eines aber nahm er sich in dieser Sekunde vor. Mit dem
Suchbegriff "Tiere in der Literatur" würde er seinen Computer nie wieder füttern.

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