Kavalier & Gigolo

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Kavalier & Gigolo

Kavalier & Gigolo

Abdullah Quasseem

Er wusste, dass er nicht ewig so weitermachen konnte und er hatte nicht die Absicht als alternder Gigolo zu enden, dem seine Kundinnen klar machen mussten, dass seine Zeit abgelaufen sei.
Im Grunde war er doch ein ganz bodenständiger Typ, der sich wie andere auch nach einer soliden Beziehung sehnte und - warum nicht – auch einer Familie. Mit Ende 30 wäre es dafür noch nicht zu spät, aber so lange es noch so einfach war, wollte er seine Möglichkeiten nutzen, um Kohle zu machen. Er war nicht mit einem silbernen Löffel im Mund zur Welt gekommen und hatte auch kein nennenswertes Erbe zu erwarten. Was wäre so falsch daran gewesen, mit den Gaben, die ihm die Natur mitgegeben hatte, ein kleines Vermögen aufzubauen? Es war wohl seine Bestimmung, Frauenträume in Erfüllung gehen zu lassen. „Rewired“ von Kasabian war einer seiner Lieblingssongs beim Autofahren und beim Refrain, „who made you the master, the lady castor. I found you looking for a good time … “, sang er immer aus voller Kehle mit.
Seinen bisherigen Job als Einkäufer bei einem Elektronikhandel behielt er, reduzierte seinen Vertrag aber auf eine Wochenarbeitszeit von 20 Stunden und arbeitet dort an vier Tagen von 9.00 bis 14.00 Uhr. Der Verdienst dort war im Vergleich zu seinem sonstigen Einkommen geradezu ein Witz, aber die Arbeit erdete ihn irgendwie. Es war sein Anker im bürgerlichen Leben. So konnte er jederzeit einen „soliden“ Beruf angeben und musste vor allem sein Selbstbild nicht auf das eines bloßen Callboys reduzieren.
Seinen Vorgesetzten hatte er erzählt, dass er sich um eine schwer kranke Tante kümmern müsse, die außer ihm niemanden hätte und auf keinen Fall in ein Pflegeheim wollte. Verwunderten Kollegen erklärte er seinen auffällig luxuriösen Lebensstil damit, dass nämliche Tante ihm bereits einen Teil ihres nicht unbeträchtlichen Vermögens überschrieben habe und ihm darüber hinaus auch sonst großzügige Zuwendungen zukommen lasse.
Schon vor seiner Zusammenarbeit mit dem Escort-Service hatte er sich behördlich angemeldet, er versteuerte sein Einkommen mit angemessener Ehrlichkeit und ging öfter als vorgeschrieben zu ärztlichen Untersuchungen. Er wollte keinen Ärger bekommen, in keiner Hinsicht. Alles war bestens geregelt. Wenn Vanessa vom Escort-Service nichts für ihn hatte, konnte er sich selbst Kundinnen suchen. Das hatte er sich ausbedungen und auch, dass er Aufträge ablehnen konnte, wenn ihm die Kundschaft missfiel.
Heute war so ein Tag, an dem er selbstständig auf Pirsch ging und seine Beute hatte er schon gefunden.

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