Er blickte aus dem Fenster der Altbauwohnung. Im schmalen Durchlass, der in den Innenhof der miteinander verbundenen Fachwerkhäuser führte, standen zwei Touristen. Sie hielten die Smartphones in die Höhe und suchten verzweifelt nach dem bestmöglichen Bildausschnitt. Johan war an diesen Anblick gewöhnt. Die kleine, mittelalterliche Stadt lockte auch im Winter Touristen an, wobei der Besucherstrom im Vergleich zu den Sommermonaten überschaubar blieb. Johans Hand glitt in die Brusttasche seines Hemdes. Mit einem wehmütigen Seufzer realisierte er, dass sich keine Zigaretten darin befanden. Johan hatte das Rauchen schon vor Jahren aufgegeben, aber es gab Momente, in denen ihn das Verlangen danach heimsuchte. Die Feriengäste entfernten sich, als Johan auf den kleinen Balkon trat. Er genoss die klare Luft, die durch seine Lungenflügel strömte. Die Kälte setzte ihm zu. Johan wollte gerade in die behagliche Wärme seiner Wohnung zurückkehren, als er die junge Frau entdeckte. Sie wirkte gehetzt, presste ihren schmalen Rücken gegen die Fassade der Häuserwand. Die Frau bewegte sich rückwärts, wobei sie immer den Eingang des Durchlasses im Auge behielt. Johan nahm eine Anspannung wahr, die ihn nicht mehr losließ. Er spürte intuitiv, dass diese Frau Hilfe benötigte. Sie befand sich inzwischen direkt unterhalb seines Balkons. Johan fragte sich, wovor sie sich fürchtete. Die schlanke Dunkelhaarige zog sich die Kapuze ihrer Daunenjacke über den Kopf, während sie in die Knie ging. Ein hochgewachsener Mann trat mit energischen Schritten durch den Torbogen. Er schien jemanden zu suchen, und Johan wurde schnell klar, um wen es sich dabei handelte. Die Frau versteckte sich hinter den Mülltonnen, die zur Leerung bereitstanden. Der Mann lief ein paar Meter in den Innenhof, um sich nach allen Seiten umzusehen.
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