Kevin stürmte plötzlich auf sie zu und umarmte sie, beinahe wäre sie nachhinten umgekippt, so heftig war der Aufprall. Er kuschelte sich an ihren Hals und als er ihr leise ins Ohr flüsterte, „Ich hab dich lieb!“ Schossen Regine Tränen in die Augen. So etwas hatte sie noch nie erlebt. Sie legte ihre Arme um den schmächtigen Jungen und sagte: „Kevin, ich habe dich auch lieb! Du bist etwas ganz besonderes!“
Bertram hatte diese ganze Szene von der Tür aus beobachtet und auch seine Augen glänzten, als er sich jetzt auf Kevins Bett setzte. Sein Sohn hatte das vorweg genommen, was er schon die ganze Zeit gefühlt hatte. Nur Kinder waren in der Lage unverfälscht ihren Gefühlen nachzugeben!
„Und ich?“, fragte er, „und wer hat mich lieb?“
Abrupt ließ Regine Kevin los und erhob sich. Währen Kevin zu seinem Vater eilte und auch zu ihm sagte: „Dich hab ich auch lieb!“
Etwas betreten betrachte Regine das Bild von Vater und Sohn und wischte sich noch verstohlen eine einsame Träne von der Wange.
„Und dich mag ich auch!“, sagte sie nach einigem Zögern zu Bertram, weil Kevin sie so erwartungsvoll anschaute.
Jetzt erhob auch Bertram sich, kam auf Regine zu und küsste sie auf beide Wangen: „Und auch ich mag dich, … sehr sogar!“, kam es gedehnt über seine Lippen.
Bertrams rechte Hand ruhte auf ihrer Taille und die Wärme seiner Hand fühlte sie wieder durch den dünnen Stoff ihres T-Shirts, wie schon beim Verlassen des Kurhauses. Instinktiv hatte sie auch ihre Lippen gespitzt und seine Wangen kurz berührt. Sie spürte die kurzen Stoppeln seines Bartes und roch sein After Shave, alles ließ ihre Sinne verrücktspielen und sie beugte automatisch ihren Kopf leicht zu ihm. Eine Gänsehaut hatte sich auf ihren Armen gebildet und ein Schauer lief ihr über den Rücken. Es war schon ewig her, dass ein Mann bei ihr solche Reaktionen hervorgerufen hatte.
Sie wurden aufmerksam von Kevin beobachtet und der meinte jetzt: „Siehst du, Papa hat dich auch lieb!“
Etwas verlegen lösten die beiden sich.
„Der Kaffee ist fertig!“ Dabei schob er Regine zur Tür und folgte ihr, ohne seine Hand von ihr zu lösen.
Im Wohnzimmer sagte er: „Setzt dich! Nimmst du Milch und Zucker?“
„Bitte nur Milch!“
Während Bertram in die Küche ging, hatte sie Zeit sich etwas umzusehen. Auch hier herrschten eine fast peinliche Ordnung und Sauberkeit. Auf einem Bord an der Wand standen Fotos von Kevin und einer Frau.“
„Das ist meine Mama!“, sagte Kevin, der sich unbemerkt an ihre Seite gekuschelt hatte. „Liest du mir nachher noch eine Geschichte vor?“, fragte er und schaute zu ihr auf.
„Sicher, wenn du das möchtest und dein Papa nichts dagegen hat?“
„Hat er nicht! Ich würde mich freuen, wenn du das übernimmst! Er findet nämlich nie ein Ende!“
Kevin und die Künstlerin
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Kevin und die Künstlerin
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