Wie alt waren wir? 18? 19? Jung und unerfahren. Und auf Klassenfahrt. Damit ist alles gesagt. Weit weg von Zuhause, ohne Aufpasser, wir waren ja alle volljährig. Wir hatten einen eigenen Raum für uns in der Jugendherberge. Wenn abends die Lehrer schon im Bett waren, waren wir unter uns. Es waren immer dieselben zehn bis zwölf von uns, die am längsten aushielten. Eines Abends machte ein Mädchen einen interessanten Vorschlag: Wir sollten uns im Kreis auf den Boden setzen, die Hände in die Mitte. Und dann würde jemand das Licht ausmachen und alles Weitere konnte geschehen. Wir machten es so. Das Licht ging aus und die Hände tasteten sich vor. Es gab Berührungen, meine Hände trafen auf andere Hände. Ich tastete, die andere Person tastete zurück, dann begaben wir uns auf die Suche nach anderen Händen. Ohne es zu wissen, vermute ich, dass die meisten von uns sehr unerfahren waren. Und ganz sicher waren wir fast alle furchtbar verklemmt. Da machte das Dunkle es leichter – und natürlich auch noch spannender. Nach und nach zogen sich Hände zurück, andere blieben beieinander. Ich spürte die weiblichen Hände, eine vage Ahnung hatte ich, wer da neben mir war, aber eben nicht genau. Zwei Plätze neben mir war Susanne, die ich mit ihrer Kurzhaarfrisur und ihrer etwas spröden Art interessant fand. Neben mir hatte Reinhild gesessen. Nett, immer freundlich, etwas größer als ich und seit einem Jahr mit einem festen Freund, der ab und zu bei uns in die Klasse schaute. Auf der anderen Seite Dorothee, das erste Mädchen, das in meinen erotischen Phantasien vorkam. Irgendwo gegenüber hatte Anke im Kreis gesessen. Auch sie fand ich schon lange interessant, aber sie machte immer den Eindruck, als ob sie nichts und niemand brauchte. Sie war nicht unfreundlich, sie machte einfach ihr eigenes Ding.
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