Kleine, süsse Anna

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Kleine, süsse Anna

Kleine, süsse Anna

Anita Isiris

«Das kannst Du doch mit mir», habe ich scherzhaft angefügt, und es sogleich bereut. Stefan hat mich im gleichen Moment mit einem dieser typischen taxierenden Männerblicke bedacht, dem viele von uns Frauen immer wieder ausgesetzt sind. Wir müssen dazu nur den obersten Knopf unserer Blusen öffnen oder eine skinny jeans tragen. Stefans Begierde war fast greifbar. Aber meine Libido schwieg. Ich konnte einfach nicht. Ich konnte mir nicht vorstellen, diesen 120 cm grossen Mann zu küssen, geschweige denn, ihm etwa an den Schwanz zu fassen. Und es war bestimmt genau das, worauf er aus war.

Unsere Freundschaft blieb platonisch und ist es bis heute.

Allerdings war da noch Anna. Sie war meine beste Arbeitskollegin aus der Bibliothek, und sie war ein wirklich lebenslustiges, fröhliches Ding mit leuchtenden Augen, einer Wuschelfrisur, einem schlanken, hübschen Oberkörper und ausladenden Hüften. Oft trug sie enge Jeans und weite, farbenfrohe Blusen, und sie war vor allem für die männlichen Bibliotheksbesucher ein absoluter Blickfang. Für mich liess es sich in gewissen Situationen schwer eruieren, ob unsere Kunden nun wirklich an Fachliteratur interessiert waren oder nicht doch eher an meiner charismatischen, 21 Jahre jungen Kollegin. Zwischen uns beiden entstand so etwas wie Freundschaft, und es kam der Sommerabend, an dem ich Anna zu mir nach Hause auf ein Glas Wein einlud. Ich tat das vollkommen ohne Hintergedanken und beabsichtigte keineswegs Kuppelei – auch wenn die einen oder andern mir dies unterstellen mögen.

Der Zufall wollte es, dass wir im Treppenhaus Stefan begegneten, der sich gerade daranmachte, ein Geländer zu reinigen. Wir sparten uns in Gundeldingen Nebenkosten, indem wir bei kleinen Reinigungsarbeiten gleich selber Hand anlegten. Als er uns sah, fielen ihm fast die Augen aus dem Kopf. Anna trug eine hellgelbe, fast durchsichtige Bluse und eine smaragdgrüne Korallenkette, in die man sich einfach verlieben musste.

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