Kleine, süsse Anna

8 7-12 Minuten 0 Kommentare
Kleine, süsse Anna

Kleine, süsse Anna

Anita Isiris

Stefan zog die Luft zwischen den Zähnen ein, dermassen schien ihn ihre Offenheit einzunehmen. Dann gab ein Wort das andere. «In meiner Wohnung drüben habe ich ein paar Pinselchen», sagte er leise, «und sie harren eines Körpers». Schon nur die Art, wie er sich ausdrückte, schien der bibliophilen, sprachaffinen Anna zu gefallen. «Da bin ich aber neugierig», kicherte sie, und eine halbe Stunde später fanden wir uns in Stefans Wohnung wieder. Sie war wesentlich grösser als meine – und das gedimmte Licht stand den Möbeln und den drei Perserteppichen im Wohnzimmer sehr gut. Annas Augen leuchteten, und als Stefan uns etwas zu trinken holte, streifte seine rechte Hand wie zufällig Annas Unterarm. Ich meinte bei ihr Gänsehaut feststellen zu können. «Ich bin so aufgeregt, Du – und ich weiss nicht, wieso», flüsterte sie mir zu.

Als Stefan zurückkam, schob er ein kleines Wägelchen mit einer silbernen Abstellfläche vor sich her. Darauf befanden sich nicht nur Likör und drei Gläser, sondern auch mehrere Farbtuben, vier Pinsel und Schwämmchen. Ich setzte mich, schlug die Beine übereinander und liess mir erst mal einen Likör servieren. Stefan liess nichts anbrennen, und er machte keinen Hehl aus seiner Absicht. Er wollte Anna bemalen.

Wir hatten relativ viel intus, ich war nicht mehr ganz so eloquent wie üblich, und Anna, der der Alkohol offensichtlich zuzusetzen schien, brachte kaum mehr ganze Sätze zustande. Nur Stefan sprühte vor Leben – das Testosteron, das zweifellos in ihm kochte, hielt ihn fit. Es dauerte nicht lange, bis er Anna dazu brachte, ihre Bluse zu öffnen. Unbeholfen nestelte sie an den Knöpfen – und dann stand sie da, in einem durchsichtigen BH, und die smaragdgrüne Kette legte sie ebenfalls nicht ab. Sie bewegte sich kokett auf Stefan zu – womöglich gab ihr meine Anwesenheit eine gewisse Sicherheit – und ein Teufelchen schien sie zu kitzeln.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 11593

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben