Es war nicht die Lockung einer Lolita, es war eine tiefe Dankbarkeit. Aus den nächsten Treffen erfuhr ich einiges aus ihrem weiterhin bewegten Freizeitleben, ihrer unermüdlichen Suche nach dem geeigneten jungen Mann für ihr Leben. Unser Intermezzo hatte sie also nicht aus der Bahn geworfen. Aber das verletzte mich nicht, denn in unbewachten Momenten zwinkerte sie mir auf liebeswert freche Weise zu, als wollte sie sagen: Ich habe nichts vergessen von dem, was war. Meine einsame Erotik, die enttäuscht schon lange nicht mehr meine Angetraute als mich begehrende Frau phantasierte, und nur den ersten Teil ihres üblichen nüchternen Namens verdiente, hatte nun wieder ein liebeswertes Gesicht, einen hingebungsvollen, verlangenden Körper vor sich und einen Namen.
Meine Liebste aber war geraume Zeit zufrieden, dass mich der Welt- und Beziehungsschmerz nicht plagte. So hatte sie auch was davon und zwar soviel, dass sie nicht auf die Idee kam, misstrauisch zu werden. Dazu hatte sie im engeren Sinne auch keinen Anlaß, denn es war ja vorbei.
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Meine immer noch Liebste und meist vergeblich Begehrte teilte mir mit, dass sie übers Wochenende wieder zu ihrer Freundin fahre, diese könne für den vereinbarten Gegenbesuch aus geschäftlichen Gründen nicht zu uns kommen und so fahre sie halt wieder zu ihr. Ich gab mich beiläufig überrascht, Ach? Dann sag ihr liebe Grüße! und las weiter meine Zeitung.
Tatsächlich wusste ich aber bereits aus der Nachricht ihrer Kollegin, dass vormittags der Termin vereinbart worden war. Sie aber habe immer noch nicht den Richtigen gefunden und brauche ein wenig Trost. Im Übrigen gebe es doch sicher noch ein paar interessante Dinge, die frau und man einmal in Ruhe ausprobieren sollten. Ich hatte unverzüglich das Bild ihres lockenden Muskels vor Augen und mußte ihr Recht geben. Die Einladung zur Bewältigung dieser Aufgabe habe ich bereitwillig angenommen.
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Na gut, so wild ist die Sache in Wirklichkeit nicht.
Aber man(n) wird doch noch träumen dürfen - oder?
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