Und ich würde mich nicht entscheiden müssen, denn dieser junge Liebesengel hatte es selbst ausgeschlossen und ich war nicht so vermessen, mich umfassend anziehend zu finden, nur wegen einer gelungenen Liebesnacht. Obwohl man ja nie weiß …
Nein, noch hatte ich nicht die Befürchtung, irgendjemanden zu verletzen, so lange es geheim blieb. Welche Veränderungen das Leben doch noch mit sich bringen konnte, und in der Krise der Lebensmitte wirft man über Bord, was fast ein Leben lang Fundament und Leitlinie gewesen war. Ich war sehr erstaunt über mich, aber ich verfiel nicht ins Grübeln. Es war Zeit aufzubrechen und das fiel mir am schwersten, denn das war das Ende. Sie tröstete mich lachend und meinte, es wäre doch schön gewesen, und vielleicht könnte das ja auch ein Ansporn für neue Begeisterung für meine Frau sein, ich hätte mich doch sehr feinfühlig bemüht, vielleicht fehle ihr das.
Es war ein lieb gemeinter, etwas naiver Trost, denn gerade diese ausgiebige, zarte Werbung war nicht mehr erwünscht. Aber er bewies, dass sie mich nicht als Klette an der Backe haben wollte und deshalb in Erinnerung rief, wohin ich eigentlich gehörte. Ich jedoch wollte nicht, dass sie nun Befürchtungen entwickelte, die vielleicht in meinen Gefühlen begründet sein könnten, aber sicher nicht in meinem Verhalten dazu führen würde, mein bisheriges Leben hinzuschmeißen. Wir verabschiedeten uns herzlich. Melancholisch, nicht deprimiert, für meine Verhältnisse also relativ gut gelaunt, ging ich nach Hause.
In der nächsten Zeit, ich muß es zugeben, dachte ich viel an sie.
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