Selbst bei Tina hatte ich nie wirklich gezweifelt, dass ich mich richtig verhalten würde.
Ich werde dich ihr nicht wegnehmen, denn wir könnten nicht miteinander leben. Ich bin zu jung für dich und du, sei nicht böse, bist für mich zu alt. Aber ich spüre, du könntest einen Bogen spannen zwischen Zärtlichkeit und Leidenschaft und nicht zwischen Langeweile und Rücksichtslosigkeit.
Genau das war es, ich hatte kein Verlangen nach einem Leben an der Seite einer quirligen jungen Frau, die die Nacht zum Tag macht. Das war schon eineinhalb Jahrzehnte früher nicht mehr gut gegangen. Und wenn sich ihr hungriges Leben dann langsam einmal nach Ruhe sehnen würde, wäre ich bereits wirklich alt und wieder nicht der Richtige für sie. Das alles war keine Verlockung, es war nur die Versuchung der Schönheit des Jetzt.
Dieser war ich schon erlegen.
*
Schmusend hatten wir unsere Verlegenheit vertrieben, eine tieftraurige Glückseligkeit durchströmte mich. Zeig mir alles, was schön ist für eine Frau und einen Mann, bat sie hauchend. Ich weiß das nicht, sagte ich etwas aufgeschreckt, die Menschen sind so verschieden. Sie machte sich vielleicht falsche Vorstellungen über die Erfahrungen aus drei Jahrzehnte Liebesleben. Resigniert lehnte ich meinen Kopf zurück. Doch in sie kehrte ihre Fröhlichkeit zurück. Nein, es reicht, wenn wir uns Zeit nehmen, alle anderen wären schon über mich hergefallen. Zeig mir, was schön ist nach deinem Gefühl. Ich habe keine Angst und möchte kein Tabu fürchten.
Einen letzten Augenblick kämpfte ich noch einmal matt gegen mich selbst, dann verlor ich.
Mir war alles egal. Ich wollte jetzt nur noch spüren.
*
Ich streichelte ihre Wange und ließ meine Lippen über ihr Gesicht, ihren Hals, ihre Ohrläppchen, in ihren Nacken wandern. Dann begann ich zu erzählen und was ich sagte, taten wir, wenn sie ihr leises Ja hauchte, nickte, sich reckend zuerkennen gab.
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