Komtesschens Kalamitäten

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Komtesschens Kalamitäten

Komtesschens Kalamitäten

Andreas

Trotzdem würden die beiden ungleichen Schwestern heute bei der Bürstenbinderei vorstellig werden, um eine ordentliche Rute in Auftrag zu geben. Für Flora war es ein wahrer Gang nach Canossa, oder besser gesagt eine Kutschfahrt dorthin. Zerknirscht und kleinlaut saß sie neben ihrer Schwester, die, im Gegensatz zu ihr selbst, bester Laune war. Lina befahl dem Kutscher zu warten, während sie mit Flora das Geschäft betrat. Der Bürstenbinder war um die sechzig Jahre alt, führte seinen Laden seit vielen Jahren. Er kannte die gräfliche Familie, die er schon jahrelang belieferte. Meist waren es Besen und ähnliche Haushaltsartikel, die er für den Grafen herstellte. Manchmal auch Korbwaren und alles, was in so einem großen Haushalt eben gebraucht wurde. Er rechnete mit einem, eben solchen Auftrag.

Diesmal allerdings war auch er überrascht! Lina kam rasch zur Sache, sagte ihm, was sie benötigte:
„Wir brauchen eine ausgezeichnete Rute, die ordentlich zieht und nicht gleich beim ersten Einsatz kaputt geht! Können sie uns so etwas besorgen, und wenn ja, wie lange würde es dauern?“
Der Mann kratzte sich verlegen am Kinn, während Flora stumm auf die Wand blickte. Sie fühlte sich unbehaglich, hatte das unangenehme Gefühl, dass der Mann genau wusste, zu welchem Zweck diese Rute gebraucht wurde. Er schaute erst Lina an, dann Flora, bis er endlich eine Antwort gab:
„Sie meinen eine Rute zum Versohlen, Frollein? Da kann ich ihnen natürlich helfen! War das Mädel denn so unartig, dass es die Birkene braucht? In zwei Tagen könnte ich ihnen eine binden, die ausreichend durchzieht. Ich hab noch gut gewässerte Reiser im Keller, die halten was aus. Da wird dem Frollein aber ordentlich der Popo brennen, wenn ich das so unverblümt sagen darf?“
Flora spürte die Hitze aufsteigen, die ihrem immer röter werdenden Kopf geschuldet war. Lina lächelte den Bürstenmacher freundlich an, während Flora zu sterben glaubte.

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